Commission d’Épuration

Französinnen, die der Kollaboration mit den Nazis beschuldigt sind, werden entehrt und durch die Straßen von Paris geführt. Barfuß, Brandmale im Gesicht, den Kopf kahl geschoren. Sommer 1944.
Bescheinigung der Kommission zur Entlastung eines gewissen Léon Sogny, Beamter in Französisch-Indochina, 1946

Im Rahmen der Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gab es zwischen 1944 und 1947 zahlreiche Aktionen zur Säuberung des Staatsapparats und des öffentlichen Lebens von Personen, denen Kollaboration vorgeworfen wurde. Bei den vorgeworfenen Handlungen ging es sehr oft um Denunziationen oder Auslieferung von Flüchtenden und Geiseln an die deutsche Besatzungsmacht.

Geschichte

Es gab zunächst die wilden, unkontrollierten Aktionen (épuration sauvage). Neben Misshandlungen und öffentlichen Erniedrigungen kam es dabei nach verschiedenen Schätzungen zu 7.500 bis etwa 10.000 Tötungen. Sie wurden später nicht als Verbrechen (z. B. nicht als Akte der Lynchjustiz) verfolgt. Frauen, die der „horizontalen Kollaboration“ mit deutschen Besatzern beschuldigt bzw. verdächtigt wurden, wurden öffentlich gedemütigt und erhielten die Köpfe kahl geschoren.

In Paris handelte der Résistance-Kämpfer und Kommunist René Sentuc, genannt „Capitaine Bernard“, 1944 im ehemaligen Militärhospital Institut dentaire George-Eastman in dieser Weise. Es wurden in Paris im Zeitraum zwischen dem 20. August und 15. September 1944 zwischen 40 und 44 Personen in Willkürprozessen abgeurteilt und erschossen.

Später gab es die durch die Commission d’Épuration (épuration légale oder épuration judiciaire) justiziabel gemachte Form der Säuberung. Dabei ging es um drei Hauptgruppen:

In ganz Frankreich kam es zur Eröffnung von Strafverfahren gegen 311.263 Beschuldigte, davon wurde bis Ende Januar 1951 gegen 183.512 das Verfahren ohne Folge eingestellt. Gegen 57.954 Angeklagte wurde ein Urteil gefällt. Es gab 6763 Todesurteile, wovon 763 vollstreckt wurden. 38.266 Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen und/oder Arbeitslager, wobei ein Teil dieser Strafen später verkürzt wurden oder im Zuge von Straferlassen aufgehoben wurden. 3578 Personen erhielten einen Entzug ihrer bürgerlichen Rechte (dégradation nationale). 6724 Angeklagte wurden freigesprochen.

Im Vergleich dazu hat das Vichy-Regime und die deutsche Besatzungsmacht zwischen 1940 und 1944 rund 4500 Personen gerichtlich hingerichtet. Außergerichtliche Tötungen der deutschen Besatzer und ihrer Kollaborateure (ohne die Deportationen) belaufen sich auf rund 20.000 Todesopfer.

Bekannte Fälle

Literatur

Film

Das von Julien Duvivier 1958 als Krimi gedrehte Kammerspiel Marie-Octobre mit Danielle Darrieux in der Titelrolle als ehemalige Widerstandskämpferin thematisiert die meisten Argumente um Vaterlandsliebe und Verrat in einer damals viel beachteten Inszenierung. Der Film kam 1959 in die Kinos.

Einzelnachweise

  1. ↑ Jean-Marc Berlière, Franck Liaigre: Ainsi finissent les salauds. Robert Laffont, Paris 2012, ISBN 978-2-221-12998-2.
  2. ↑ Dominique Lapierre, Larry Collins: Paris brule t’il. Pocket, Paris 2001, ISBN 978-2-26611-501-8.
  3. ↑ Nicolas Jacquard: Les purges aveugles de la Libération. In: Culture & loisirs › Archives. Le Parisien, 15. September 2013. Auf LeParisien.fr, abgerufen am 28. November 2025 (französisch).
  4. 1 2 Éric Branca: 300 jours : 13 juillet 1944 – 9 mai 1945 : dix mois pour en finir avec Hitler. Éditions Perrin, Paris 2025, ISBN 978-2-262-10331-6, S. 217.
  5. ↑ Jean-Christophe Buisson: 1945. Éditions Perrin, Paris 2024, ISBN 978-2-262-10332-3, S. 274.