Die Sendung 3 nach 9 (Eigenschreibweise 3nach9) ist die älteste laufende bundesdeutsche Fernseh-Talkshow. Sie wird deshalb auch als „Mutter aller Talkshows“ bezeichnet. Die Sendung wird im Auftrag von Radio Bremen produziert und läuft alle vier Wochen freitags von 22:00 bis 24:00 Uhr zeitgleich bei Radio Bremen, im NDR und HR. Seit 2025 übernimmt der WDR den in Bremen produzierten Talk.
Das Moderatorenduo Giovanni di Lorenzo und Judith Rakers (erste Sendung am 3. September 2010) begrüßt gemeinsam unter dem Motto „Unterhaltung zum Mitdenken“ Gäste und Publikum aus dem Studio an der Weser. Der Journalist Giovanni di Lorenzo moderiert die Sendung durchgehend seit 37 Jahren (erste Sendung am 12. Mai 1989).
Geschichte
Am 19. November 1974 wird 3nach9 zum ersten Mal aus Bremen gesendet. Drei Moderatoren oder Moderatorinnen, die um kurz nach 21 Uhr mit ihren Gästen auf Sendung gehen – damit ist der Name der Talkshow gleichzeitig Programm: 3nach9. Zudem wurde der Name von der zwischen 1970 und 1974 ausgestrahlten ZDF-Sendung Drei mal Neun mit Wim Thoelke inspiriert.
Harald Keller schrieb in der Frankfurter Rundschau anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Sendung: „In den ersten Jahren wurde von Fall zu Fall entschieden, wann der Abspann einsetzte – in unmittelbarer Nähe zu den Moderatoren und zum Saalpublikum, denn Regisseur und Redakteure saßen direkt im Studio und waren immer mal wieder auch im Bild zu sehen.“ Und weiter heißt es: „Die Produktionsbedingungen wurden sichtbar gemacht“, und diese Transparenz allein sei in einem Medium, das zumindest im Unterhaltungssektor die Illusion zu perfektionieren suche, außergewöhnlich. So wurde die Sendung als unkonventionell, unschematisch und spontan empfunden. Dieses neuartige Format beruhte vollständig auf einer Idee des RB-ProgrammdirektorsDieter Ertel. Die journalistische Fernsehkritik war einstimmig begeistert, und die Juroren des Grimme-Preises vergaben dafür 1976 eine Auszeichnung mit Bronze an Alfred Mensack (Redaktion) und Michael Leckebusch (Regie). Die Situation im Jahr 2004 sieht Keller hingegen völlig anders: „[…] eine belanglose Personality-Talkshow unter vielen. Bahnen sich zwischen den Gästen Kontroversen an, werden diese von den Moderatoren Amelie Fried und Giovanni di Lorenzo oft eines harmonischen Geplauders zuliebe im Ansatz erstickt.“
Moderatoren
Stamm-Moderatoren im Verlauf von über 50 Jahren waren:
Der PianistGottfried Böttger begleitete 3 nach 9 von der ersten Sendung an mit Improvisationen am Klavier. In den letzten Jahren verbrachte er die Pausen dazwischen damit, mit den Fernsehzuschauern zu chatten. Nach 40 Jahren nahm Böttger in der Jubiläumsausgabe am 14. November 2014 seinen Abschied aus der Sendung.
Trivia
Am 19. Februar 1982 war das ehemalige Führungsmitglied der Bewegung 2. JuniFritz Teufel und der damalige Bundesminister für Finanzen Hans Matthöfer (SPD) in der Sendung zu Gast. Während einer Diskussion mit dem Moderator über gutes Benehmen zog Teufel eine Wasserpistole und spritzte den Minister mit Zaubertinte nass. Matthöfer reagierte, indem er Teufel mit einem Glas Wein übergoss.
Am 9. März 1984 war der Bordellchef Karl-Heinz Germersdorf aus Hannover zusammen mit seiner dritten thailändischen Ehefrau und seinem Rechtsanwalt in der Talkshow zu Gast. Er lieferte sich eine verbale Schlacht mit der Politikerin Herta Däubler-Gmelin und der Feministin und Autorin Gerlinde Schilcher. Schilcher kippte Germersdorf im Verlauf der Sendung ein Glas Wein in den Nacken. Die Talksendung wurde als „Thaimädchen-Eklat“ bekannt.
Wenige Stunden bevor 3nach9 am 10. November 1989 auf Sendung geht, fällt in Berlin die Mauer und Menschen aus Ost und West liegen sich weinend in den Armen. Einer der beliebtesten Unterhaltungskünstler der DDR, Entertainer Wolfgang Lippert, spricht im Bremer Studio sichtlich gerührt über die Geschehnisse der vergangenen Stunden. Die Moderatoren sind damals Randi Crott, Juliane Bartel und Giovanni di Lorenzo.
In der Sendung am 22. Juni 1990 war unter anderem Franz Schönhuber zu Gast, der kurz zuvor vom Parteivorsitz der Republikaner zurückgetreten war. Vor dem gläsernen Studio versuchten Demonstranten, den Auftritt Schönhubers zu verhindern, wobei zeitweise Steine gegen die Scheiben des Studios geworfen wurden (wodurch eine Scheibe zu Bruch ging) und die Sendung unterbrochen wurde. Währenddessen hielten friedliche Demonstranten Schilder mit Kritik an Schönhuber an die Scheiben. Das Studio selbst wurde durch Polizeieinheiten abgeschirmt. Zeitweise wurde wegen dieser Umstände innerhalb der Sendung mit Gästen und teilweise auch Zuschauern diskutiert, ob und inwiefern man in dieser Lage die laufende Sendung fortsetzen könne. Dabei kamen kurz auch einige der Demonstranten zu Wort. Die Opernsängerin Anja Silja, ebenfalls zu Gast, verließ wegen der unklaren Situation die Sendung vorzeitig.
Der Schriftsteller Moritz von Uslar veröffentlichte 2001 die Erzählung Drei nach neun über einen gemeinsamen Auftritt mit der damaligen CDU-Vorsitzenden Angela Merkel.
Im Jahre 2009 prallten Nahost-Experte und Journalist Peter Scholl-Latour sowie die israelische Public-Relation-Managerin Melody Sucharewicz in einer heftig geführten Diskussion aufeinander. Streitpunkt war der israelische Gaza-Krieg, der kurz zuvor entflammt war. Scholl-Latour fühlte sich, so wörtlich, „in eine Falle gelockt“ und zu Unrecht in eine antiisraelische Ecke gedrängt, die er so nicht vertreten würde. Er hatte zuvor Israels Palästinapolitik kritisiert; Sucharewicz widersprach energisch. Die Moderatoren di Lorenzo und Fried wurden später für ihre Passivität und ihr Verhalten gegenüber Scholl-Latour öffentlich scharf kritisiert.
Bei 3nach9 waren und sind immer auch hochkarätige Politikerinnen und Politiker zu Gast. Willy Brandt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel kommen vor oder nach ihrer Amtszeit im Kanzleramt in das Studio an der Weser. 2024 nimmt erstmals ein amtierender Bundeskanzler die Einladung an. Olaf Scholz gratuliert am 8. März mit seinem Besuch auch zur 600. Ausgabe von 3nach9.
↑Moritz von Uslar: „Drei nach neun“, in: Jochen Bonz (Hrsg.): Sound Signatures. Pop-Splitter. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-12197-9, S. 85–93.