Die American Broadcasting Station in Europe (ABSiE) war ein Kurzwellen-Hörfunksender, der von den USA gegründet wurde. Verantwortlich war das Office of War Information (OWI), das mit der britischen BBC kooperierte. Die Rundfunkstation diente der Bekämpfung der Nazi-Propaganda.
Der Sender begann am 30. April 1944 mit der Ausstrahlung, zwei Monate vor dem D-Day, mit den Worten: "This is the American Broadcasting Station in Europe... In this historic year, 1944, the allied radio will bring you tremendous news..." (Übersetzung: "Dies ist die amerikanische Rundfunkstation in Europa... In diesem historischen Jahr 1944 wird Ihnen das alliierte Radio großartige Nachrichten bringen...").
Der Radiosender informierte die Hörerschaft im besetzten Europa über ihre geplante Befreiung von der Hitler-Diktatur und verwies auf den D-Day und den sowjetischen Vormarsch aus dem Osten. Senderstandort war ein umgebautes Filmgebäude bei den Gaumont-British-Büros. in der Wardour Street in London und sendete bis zum 4. Juli 1945 weiter.
ABSiE sendete täglich ein etwa achtstündiges Programm, davon bis Februar 1945 zweieinhalb Stunden in deutscher Sprache, schwerpunktmäßig in den frühen Morgenstunden und abends zwischen 20:00 Uhr und 01:15 Uhr. Der Programmbeginn war meist fünfzehn Minuten nach der vollen Stunde.
Die Redaktion war in London untergebracht, wo ABSiE die BBC Studios im Bush House mitbenutzen konnte. Die Ausstrahlung der Sendungen erfolgte ebenfalls über verschiedene britische Sendeanlagen. Um eine möglichst große Verbreitung in Deutschland zu erreichen, benutzte man parallel mehrere Mittelwellen und Kurzwellenfrequenzen gleichzeitig.
Der innere Aufbau der Londoner Redaktion entsprach dem des European Service der BBC: Es existierten Regional Branches mit eigenem Redaktionsteam unter der Leitung eines US Chefredakteurs, meist im Range eines US-Offiziers. Die Organisationsstruktur war angelsächsisch- militärisch geprägt. Sendungen erfolgten in Deutsch, Englisch, Französisch, Dänisch, Norwegisch, Holländisch. Die Deutschlandredaktion war neben der englischsprachigen Sektion die größte Abteilung von ABSiE sowohl in Bezug auf Personalstärke wie hinsichtlich der Sendezeit. Anfangs sendete ABSiE auf den Kurzwellenfrequenzen 9520, 9550, 9625 und 9640 kHz und identifizierte sich alle 15 Minuten gegenüber seiner Hörerschaft.
Neben Sendungen, die für europäische Zuhörer gedacht waren, wurden auch Musik- und Unterhaltungsprogramme ausgestrahlt, die mit vorgeblich entmutigenden Botschaften für die deutschen Streitkräfte gemischt waren. Bing Crosby und Dinah Shore gehörten zu häufigen Akteuren in ABSiE-Programmen.
Für Nachrichten und Kommentare machte sich der Sender das Prinzip Never tell a lie zunutze, jedoch wurde nicht alles, was berichtenswert gewesen wäre, auch tatsächlich gesendet. Die Auswahl der Inhalte wurde von kriegsstrategischen Erwägungen der Amerikaner geleitet. Auch wurden offizielle Verlautbarungen aus dem Oberkommando der alliierten Streitkräfte unter General Dwight D. Eisenhower verbreitet. Im Laufe seines Bestehens strahlte ABSiE die folgenden festen Sendereihen (Hörfolgen) aus:
Von amerikanischer Seite wirkten unter anderem folgende Personen an maßgeblicher Stelle bei ABSiE mit:
Namentlich lassen sich die folgenden deutschsprachigen Emigranten nachweisen:
Die deutschsprachigen Mitarbeiter bereisten häufig die nach und nach von den Alliierten besetzten deutschen Gebiete und interviewten Menschen, die froh waren, dass der Krieg bald zu Ende gehen würde.
Das OWI behauptete, ABSiE habe eine außergewöhnlich große Hörergemeinde gehabt. Befragungen von Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung ergaben einen Bekanntheitsgrad von 50 bis 60 %, wobei zu vermuten ist, dass hörerseitig die deutschen Dienste der BBC, der Stimme Amerikas, Radio Luxemburgs mit dem von ABSiE verwechselt worden sein könnte. ABSiE war heftiger deutscher Störsendertätigkeit ausgesetzt, die deutschen Abhördienste beobachteten die Station regelmäßig.