Unter dem Titel A Time for Choosing (dt. etwa: Eine Zeit der Entscheidung) ist eine aufgezeichnete Fernsehrede von Ronald Reagan aus dem US-Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 1964 bekannt geworden. Er hielt sie zur Unterstützung der republikanischen Goldwater-Miller-Präsidentschaftskampagne vor einem ausgewählten Studiopublikum in Los Angeles. Sie wurde nach der Aufzeichnung landesweit ausgestrahlt. Die Rede gilt als entscheidender Punkt für Reagans politische Karriere und den US-amerikanischen Neokonservativismus.
Unter der Anhängerschaft von Ronald Reagan ist die Rede auch bekannt als The Speech, ein Titel den Reagan später selbst für die Rede verwendete. Sie wurde erstmals am 27. Oktober 1964 ausgestrahlt im Rahmen einer Sendereihe mit dem Titel Rendezvous with Destiny (dt. Rendezvous mit dem Schicksal), in dem für den Kandidaten Goldwater geworben wurde (Reagan gebrauchte gegen Ende der Rede den Satz „You and I have a rendezvous with destiny“). Anschließend wurde sie eine Woche lang mehrfach wiederholt. Im Vorfeld hatte er große Teile der Rede bereits vor einem Publikum von ca. 800 Anhängern der Republikanischen Partei im Ambassador Hotel in Los Angeles gehalten. Dies trug, ebenso wie seine jahrelange Tätigkeit als Konzernrepräsentant für General Electric (bei der er ähnliche Inhalte vermittelte, dazu bei, dass Reagan die Rede weitestgehend frei halten konnte.
Obwohl Goldwater ein historisch schlechtes Ergebnis einfuhr und gegen Lyndon B. Johnson mit gewaltigem Abstand verlor, markiert die Rede den Anfang der politischen Karriere Ronald Reagans, der kurz darauf erfolgreich als Gouverneur von Kalifornien kandidierte. Ronald Reagan übernahm von Barry Goldwater infolgedessen die Wortführerschaft des konservativen Flügels der Republikaner, welcher zum Zeitpunkt der Rede noch eine Minderheit in der vom Liberalen Konsens überzeugten Mainstream der Eisenhower-Ära dominierten Partei darstellte. Eine wichtige Rolle spielt auch, dass die Kandidaten Goldwater und Miller 1964 für ihre Kampagne wegen ausbleibender institutionellen Großspenden verstärkt auf individuelle Zuwendungen aus der Basis angewiesen war. Vor diesem Hintergrund ist auch die direkte Spendenaufforderung zum Ende der Ausstrahlung zu sehen.
Reagan beginnt damit, anzusprechen dass es sich um eine beauftragte Rede handelt, beteuert aber frei zu sprechen und er keine Vorgaben habe. Er erzählt, jahrzehntelang Demokrat gewesen zu sein, aber von deren liberaler Politik nicht überzeugt zu sein. In seiner Darstellung sei der Wohlstand der US-Gesellschaft in großer Gefahr, aufgrund von Staatsverschuldung, Steuerbelastung und Bürokratie. Ebenso spricht er das Thema Inflation an (dabei bezieht er sich aber nicht auf steigende Lebenshaltungskosten, sondern den reinen Wertverlust des US-Dollars als Problem für Anleger). Er stellt die Privatwirtschaft als effektiver und sparsamer als den Staat dar, unter anderem am Beispiel der Landwirtschaftspolitik, die er danach als Tyrannei über die Landwirte darstellt.
In Bezug auf die Innenpolitik zeichnet Reagan einen Gegensatz zwischen den ehrlichen, freiheitsliebenden, hart arbeitenden Amerikanern auf der einen Seite und einer „kleinen intellektuellen Elite“ in der Hauptstadt. Für ihn, so Reagan, gebe es „kein rechts und links, sondern nur nach oben oder [nach] unten“ (“only an up or down”). Scharf attackiert er die Sozialpolitik von Präsident Johnson und dessen Programme unter dem Schlagwort der Great Society. Er stößt sich schon an der Formulierung der Zielsetzung, die Lebensqualität „der Massen” zu verbessern. Dies sei kein Begriff, den Amerikaner für sich verwenden sollten, die Bürgerinnen und Bürger der USA seinen stattdessen „die freien Männer und Frauen dieses Landes”.
Generell steht er staatlichen Wohlfahrtsmaßnahmen kritisch gegenüber. Diese seien übergriffig und ineffizient. Unter dem Begriff der Sozialversicherung werde angeblich bloß eine weitere Steuer verschleiert und das Geld was dafür genutzt wird, sei am freien Markt besser angelegt. Er beklagt, dass ein erheblicher Teil des Budgets für Sozialprogramme für deren Verwaltung aufgewendet wird. Als Gegenvorschlag bringt er ins Spiel, das sogenannte welfare spending direkt gleichmäßig an die Familien auszuschütten und die nationale Wohlfahrtsverwaltung abzuschaffen. Um die staatlichen Wohlfahrtsmaßnahmen weiter zu denunzieren, macht er sich auch über Bedürftige lustig (so seien die 14 Millionen hungernden Familien in den USA „[sicherlich] alle auf Diät”). Bezugnehmend auf das Gesundheitsprogramm Medicaid behauptet er, das „französiache Medicaid [sei] pleite”
Bezüglich des Vietnamkriegs äußert er sich: Die USA kämpften „gegen den gefährlichsten Gegner dem die Menschheit je begegnet [ist]”. Für ihn könne es keinen Frieden geben, solange amerikanische Söhne für den Rest der Welt sterben müssten. Gleichzeitig sei Schwäche und Entgegenkommen (gegenüber der Sowjetunion) „Verrat an einer Milliarde versklavter Menschen hinter dem Eisernen Vorhang” Dies erläutert er mit der Anekdote eines kubanischen Exilanten in den USA, mit dem Freunde von ihm gesprochen haben. Dieser sei vor der Revolution in seinem Heimatland unter Fidel Castro geflohen und sei dankbar, dass es einen Ort wie die USA gebe. Reagan beschreibt die USA als Heimat und letzte Stellung der individuellen Freiheit und nimmt Bezug auf die Verfassung und die US-amerikanischen Gründerväter. Dabei betont er die Rolle der Freiheit in diesem Dokument und ihre Bedeutung für die nationale Identität der USA. Die Kolonialpolitik von Amerikas Westlichen Verbündeten rechtfertigt er mit der Unterdrückung, der die Bevölkerung der Staaten des Warschauer Paktes ausgesetzt seien. Bemerkenswert ist, dass Reagan die angebliche „Versklavung von Millionen hinter dem Eisernen Vorhang“ anspricht, während er eine Rede für den Wahlkampf eines Kandidaten hält, der als einziger Republikanischer Senator gegen das Gesetz zur Abschaffung der Rassentrennung 1964 gestimmt hatte. Die Desegregation, die in den Vereinigten Staaten gerade im Gange war, erwähnt er in seiner Rede nicht.
Erst gegen Hälfte der Rede beginnt er über den Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater zu sprechen. Ronald Reagan bürgt persönlich für ihn, als dessen persönlichen Freund er sich selbst darstellt. Er beschreibt Goldwater als Ehrenmann, sorgenden Vater und (eigenverantwortlich) sozialen Geschäftsmann. Er erzählt Anekdoten über Goldwater, die ihn als mutigen und selbstlosen Menschen zeichnen.
In seinem Fazit kommt Reagan auf die später titel gebende „Zeit der Entscheidung“ ein. Die bevorstehende Präsidentschaftswahl sei „keine Wahl zwischen zwei Männern”; es gehe um mehr: Die Freiheit Amerikas sei in Gefahr. Mit Bezugnahme auf ein Zitat von Winston Churchill schildert er die Wahl als kosmische Entscheidung zwischen Sklaverei und Freiheit. Letztere sei das allerwichtigste und es wert, alles andere zu Opfern. Die US-Amerikaner im Jahr 1964 stellt er dabei in eine Reihe mit Moses, Jesus Christus und den US-Soldaten im Unabhängigkeitskrieg und im Zweiten Weltkrieg. Er fordert das Publikum nicht direkt auf, für Barry Goldwater zu stimmen. Stattdessen erinnert er daran, dass Goldwater an die Fähigkeit der US-Amerikaner „glaube“, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden und ihnen vertraue, die richtige Wahl zu treffen.
Nach dem Ende von Reagans ca. halbstündiger Rede bedankt sich TV for Goldwater-Miller-Organisator John Kilroy bei „Ronnie“ und fordert das Publikum vor dem Bildschirm auf, für die Kampagne zu spenden. Dazu wurde dem Fernsehpublikum die Spendenadresse der Kampagnenorganisation eingeblendet.
Ronald Reagan hielt die Ansprache an einem aufgebauten Rednerpult, nutzte die vorbereiteten Karten aber kaum. In einem aufgelockerten Stil sprach er fast komplett frei zu seinem Publikum. Er baut Witze, lockere Sprüche und Anekdoten in seinen Vortrag ein und zählt ausgewählte Zahlen und Fakten, die seine Argumentation stützen, kurz auf, gibt danach aber sofort stets mit Blick ins Publikum seine knappe Einordnung. Er konzentriert sich darauf, bestehende Missstände anzusprechen und Einigkeit mit seinem Publikum zu zeigen, anstatt direkt Forderungen zu erheben. Er lässt bewusst Pausen für Applaus und Lacher im Publikum – dies meinst kurz nachdem er den nächsten Satz bereits begonnen hat. Immer wieder nutzt er rhetorische Mittel wie Reime und Alliterationen oder aphorismenhafte Abschlüsse. Trotzdem bemüht er sich um einen persönlich klingenden und gesprächsartigen Redestil. Auch wenn er über Präsidentschaftskandidat Goldwater spricht, behält er diese Art bei. Weniger als dessen politisches Programm legt Reagan den Fokus auf dessen Charakter. Er spricht über Barry Goldwater als Freund und nicht als Politiker. Wieder mit Anekdoten und persönlichen Erzählungen vermittelt er, warum er Goldwater vertraut und er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Unzurechnungsfähigkeit nicht glaubt.
Weit verbreitet ist die Annahme, Reagan habe die Rede auf der Republican National Convention 1964 in San Francisco gehalten. Tatsächlich hielt er sie in einem Fernsehstudio in Los Angeles. Auch fällt der Zeitpunkt der Rede Ende Oktober in die Endphase des Präsidentschaftswahlkampfs.