| Aberdour Castle | |
|---|---|
| Staat | Vereinigtes Königreich |
| Entstehungszeit | um 1200 |
| Burgentyp | Niederungsburg |
| Erhaltungszustand | teilweise gut erhalten |
| Geographische Lage | 56° 3′ N, 3° 18′ W |
Aberdour Castle ist eine Burg in der historischen Ortschaft Easter Aberdour in der schottischen Council Area Fife. Die um 1200 errichtete Burg ist mit dem etwa zur selben Zeit erbauten Castle Sween das älteste datierbare noch erhaltene castle in Schottland. 1987 wurde die Anlage in das Inventory of Gardens and Designed Landscapes in Scotland aufgenommen. Ein Denkmalschutz als Kategorie-A-Bauwerk wurde 2018 aufgehoben. Weiterhin ist die Anlage jedoch als Scheduled Monument geschützt. 2019 wurde Aberdour Castle von rund 25.000 Personen besucht.
Im späten 12. Jahrhundert wurde mit dem Bau eines zweistöckigen Tower House durch das normannische Rittergeschlecht de Mortimer der Grundstein der heutigen Burg geschaffen. Die Mortimers waren mit vielen weiteren Landsmännern und Standesgenossen von David I. angeworben worden zur Erhöhung seiner militärischen Schlagkraft. Als vermutlich erster Bau- und Burgherr ist William de Mortimer überliefert aus den erhaltenen Dokumenten zu einem Rechtsstreit, den er 1180 mit dem Abt von Inchcolm Abbey führte. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts verliert sich die Spur der Mortimers.
1314 übergab König Robert the Bruce Burg und Herrschaft an seinen verdienten Gefolgsmann Thomas Randolph, 1. Earl of Moray, von dessen zweitgeborenem Sohn John Randolph, 3. Earl of Moray sie 1342 an den mächtigen und weitverzweigten Douglas-Clan überging in Person von Sir William Douglas, Lord of Liddesdale; anderen Quellen zufolge ging sie erst im Jahre 1351 auf Sir James Douglas of Dalkeith über. Bis in das 20. Jahrhundert blieb die Burg im Familienbesitz der Douglas’, ab 1458 in Person des Earl of Morton. James Douglas, 4. Earl of Morton, war verwickelt in die Wirren um die tragische Königin Maria Stuart.
Etwa ab den 1590er Jahren unter der Herrschaft von William Douglas, 6. Earl of Morton löste sie Loch Leven Castle als Stammsitz der Mortons ab. Unter seinem Enkel und Nachfolger William Douglas, 7. Earl of Morton wurde die Burg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts weitläufig um einen Flügel im Renaissance-Stil erweitert und die höchste Prachtentfaltung der Feste erreicht.
Als Robert Douglas, 12. Earl of Morton 1725 das benachbarte Aberdour House erwarb und sich dort zeitgemäßer niederließ, verfiel Aberdour Castle, endgültig jeder praktischen Bedeutung enthoben, teilweise zur Ruine.

Der älteste Teil der Anlage stellt das Hall House dar, welches im 12. Jahrhundert als zweigeschossiges Gebäude errichtet wurde. Im 15. Jahrhundert wurde es erhöht und erweitert und fortan als Tower House bezeichnet. Vom Gebäude sind noch Außenmauern erhalten. Am westlichen Rand befanden sich Ökonomiegebäude wie eine Backerei und ein Brauhaus, die bis auf die westlich Außenmauer größtenteils verschwunden sind. Im späten 16. Jahrhundert wurde östlich des Tower House der Zentraltrakt (Central Range) angelegt, vermutlich von Regent Morton. Im Erdgeschoss ist die Küche erhalten. Darüber befanden sich zwei Stockwerke von Privatgemächern, von denen noch die Außenwände erhalten sind und das erste Obergeschoss begehbar ist. Der gut erhaltene Osttrakt (East Range) wurde im 17. Jahrhundert für William Morton, dem 8. Earl, errichtet und schließt östlich an den Zentraltrakt an. Darin befand sich über Stallungen eine Bildergalerie. In einem südlichen Anbau befanden sich einst Wohnräume. Im ersten Stock befindet sich eine bemalte Holzdecke Östlich der Gebäude befindet sich ein ummauerter Garten (Walled Garden) von 1630. Südlich an die Gebäude schließt sich ein Terrassengarten aus dem 16. Jahrhundert an. An dessen Fuß befindet sich ein Obstgarten, der 1690 erstmalig erwähnt wurde. Am südöstlichen Ende des Terrassengartens steht ein bienenstockförmiges Taubenhaus als dem späten 16. Jahrhundert. Südöstlich des Osttrakt befindet sich mit St Fillan's Church (Aberdour) eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Kirchen Schottlands.
Dr. Kirsty Owen: Aberdour Castle. Historic Environment Scotland, Edinburgh 2009, ISBN 978-1-84917-020-8, S. 34.