Abigail Morrison

Abigail Morrison (* 1976 in Oxford) ist eine britisch-deutsche Informatikerin und Neurowissenschaftlerin am Forschungszentrum Jülich. Sie ist seit 2020 Professorin an der RWTH Aachen. Ihr Lehr- und Forschungsgebiet ist Neural Computation.

Ausbildung und Forschung

Abigail Morrison studierte ab 1995 Physik und Philosophie am King’s College in London. Zwei Jahre später, 1997, wechselte sie an die Georg-August-Universität Göttingen zum Studium der Physik und Informatik. Im Jahr 2000 ging sie nach Edinburgh in Schottland, wo sie zusätzlich das Fach Künstliche Intelligenz studierte und 2001 ihren Master absolvierte. Nach dem Ende ihres Studiums ging sie zurück nach Göttingen, diesmal an das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, wo sie ihren Doktorvater Markus Diesmann kennen lernte. Diesmann brachte sie mit der von ihm und einem weiteren Kollegen entwickelten Open Source Neural Simulationssoftware NEST in Kontakt.

Ihre Doktorarbeit beendete Morrison 2006 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, an der sie im Anschluss ein Jahr als Postdoc tätig war. Danach ging sie für drei Jahre nach Japan, ans RIKEN Brain Science Institute in Wakō, wo Diesmann eine neue Forschungsgruppe etabliert hatte. Ende 2009 erhielt sie eine Juniorprofessur und die Leitung einer Forschungsgruppe am Bernstein Center for Computational Neuroscience übertragen und kam zurück nach Freiburg.

2012 wechselte sie nach Jülich und übernahm die Leitung der Gruppe Computation in Neural Circuits im Institut INM-6 des Forschungszentrums Jülich. Im selben Jahr erhielt sie eine Professur an der Ruhr-Universität Bochum im Institut für Kognitive Neurowissenschaft, die sie bis 2020 hielt. Ein Jahr später startete das Simulation and Data Lab SDL Neuroscience am Jülich Supercomputing Centre unter der Leitung von Morrison.

2020 wurde sie Professorin in Computer Science an der RWTH Aachen.

Forschungsschwerpunkte

Morrisons Forschungsgruppe in Jülich untersucht Modelle kognitiver Funktionen mit besonderem Fokus auf Lernen und Gedächtnis. Ausgehend von Annahmen über die Rechenfunktion von neuronalen Netzen wendet die Gruppe einen Top-down Ansatz an, um Modelle von Gepulsten neuronalen Netzen (kurz: SNN, Spiking Neural Networks) zu entwickeln, wodurch die Bedingungen wie Struktur, Dynamik, neuronale Morphologie und synaptische Plastizität zur Realisierung der fraglichen Funktion aufgeklärt werden. Eine natürliche Erweiterung solcher Untersuchungen ist die Übertragung neuronaler Computerprinzipien auf Maschinelles Lernen und Paradigmen des Neuromorphic Computing. Einen Nebenschwerpunkt der Gruppe bildet die Entwicklung von Simulationstechnologie für Hochleistungsrechner, wie die Simulationssoftware NEST.

Ihre Forschungsinteressen umfassen Lernen, Repräsentation und Berechnung in gepulsten neuronalen Netzen, Dynamik und Berechnung bei neurodegenerativen Erkrankungen sowie Hochleistungssimulationstechnologien.

Mitgliedschaften

Publikationen (Auswahl)

Beiträge in Fachzeitschriften

Beiträge in Anthologien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bernhard Rumpe: About Software Engineering at RWTH Aachen. In: github.io. RWTH Aachen University, 2022, abgerufen am 8. November 2022 (englisch).
  2. ↑ Abigail Morrison: Wie lernt das Gehirn? In: gesundheitsindustrie-bw.de. BioPro Baden-Württemberg, 18. Oktober 2010, abgerufen am 8. November 2022.
  3. ↑ The Neural Simulation Technology (NEST) Initiative. In: nest-initiative.org. 2016, abgerufen am 8. November 2022 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ Fakultät für Biologie Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Fakultätstag 2010. In: uni-freiburg.de. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 9. Juli 2010, abgerufen am 8. November 2022.
  5. ↑ Abigail Morrison: Profile Abigail Morrison. In: fz-juelich.de. Forschungszentrum Jülich GmbH, 27. September 2022, abgerufen am 8. November 2022.
  6. ↑ Jahresbericht 2012 Forschungszentrum Jülich. In: fz-juelich.de. Forschungszentrum Jülich GmbH, 2012, S. 46, abgerufen am 9. November 2022.
  7. ↑ Boris Orth: Simulation Lab Neuroscience launched. In: Innovatives Supercomputing in Deutschland. 2013, S. 100–101 (fz-juelich.de [abgerufen am 8. November 2022]).
  8. ↑ Abigail Morrison, Annette Stettien, Simone Cardoso de Oliveira: Das Gehirn besser verstehen. In: fz-juelich.de. Forschungszentrum Jülich GmbH, 14. Januar 2013, abgerufen am 8. November 2022.
  9. ↑ Abigail Morrison: Human Brain Project Colloquium at Forschungszentrum Jülich - Abigail Morrison. In: fz-juelich.de. Forschungszentrum Jülich GmbH, 4. Oktober 2018, abgerufen am 8. November 2022 (englisch).
  10. ↑ Human Brain Project - Work Package 5: EBRAINS Modelling Services. In: humanbrainproject.eu. 2017, abgerufen am 8. November 2022 (englisch).
  11. ↑ Mitglieder JARA Center for Simulation and Data Sciences. In: jara.org. JARA - Jülich Aachen Research Alliance, abgerufen am 9. November 2022.
  12. ↑ Direktorium JARA Center for Simulation and Data Sciences. In: jara.org. JARA - Jülich Aachen Research Alliance, 2022, abgerufen am 9. November 2022.
Personendaten
NAME Morrison, Abigail
KURZBESCHREIBUNG britische Physikerin und Neurowissenschaftlerin
GEBURTSDATUM 1976
GEBURTSORT Oxford