1984 schlossen sich Muslime und Christen in Marl zur Christlich-Islamischen Arbeitsgemeinschaft Marl (CIAG Marl) zusammen, um die Völkerverständigung zu fördern. Koordiniert von einem Sprecherkreis arbeitet die CIAG Marl als Nichtregierungsorganisation für interkulturelle und interreligiöse Gemeinwesenarbeit. Die CIAG Marl ist u. a. vernetzt mit Interessierten und Organisationen aus dem Umfeld der drei monotheistischen Religionen, z. B. durch ihre Mitgliedschaft im Koordinierungsrat des christlich-islamischen Dialogs.
Die Organisation verfolgt drei Ziele:
Die Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft veranstaltete in den Jahren 1988–1995 das Festival Musik der Juden, Christen und Muslime. Auf der Suche nach alten Formen und gemeinsamen Wurzeln, zusammen mit der Stadt, DITIB, dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten und der Benediktinerabtei Münsterschwarzach mit Godehard Joppich. Es gab die Themen:
Gemeinsam mit der Stadt Marl und allen Marler Schulen wird regelmäßig um den 21. März herum der Internationale Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung nach dem Aufruf der UNO gestaltet.
Seit dem Herbst 2001 findet jedes Jahr in Marl ein Abrahamsfest statt, in Zusammenarbeit mit den Kirchen und Moscheen, mit der Jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen, dem Integrationsrat Marl und der politischen Gemeinde Marl. Dieses Fest fördern das Bistum Münster und die Evangelische Kirche von Westfalen, der islamische DITIB in Köln, das Bundesland Nordrhein-Westfalen sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW Marl. Hier werden in Vorträgen, Ausstellungen u. a. die Gemeinsamkeiten der drei abrahamitischen Weltreligionen für das regionale Zusammenleben deutlich gemacht, mit Programmen von Kindern, Jugendlichen, Schulen und Erwachsenen, und auch mit Feiern gemeinsam mit allen Generationen.
Außerdem ist das Projekt CIAG in anderen Initiativen in der Stadt Marl und von Marler Schulen in der vernetzenden Stadtteilarbeit engagiert, zum Beispiel mit weiteren Partnern in Kunterbuntes Chamäleon (KBC) als einer Schnittstelle zwischen Schule und Freizeit. In der CIAG Marl gibt es drei eigenständige Frauengruppen, die u. a. Fragen der Frauenrechte in den Religionen erörtern.
Auf Einladung der CIAG Marl besuchte Johannes Rau anlässlich des 1. Abrahamfestes Ende 2001 die Fatih-Moschee Marl; es handelte sich um den ersten Besuch eines Bundespräsidenten in einer islamischen Kultstätte in Deutschland. Auf Initiative der CIAG Marl wurde im September 2007 in der Nähe des Rathauses Marl der erste „Abrahams-Baum“ gepflanzt, eine Libanon-Zeder. Dieser Baum, der Jahrhunderte alt wird, ist ein Symbol des Friedens.
Zur selben Zeit wurde in der örtlichen Moschee mit Zeitzeugen jüdischer Herkunft das Gespräch gesucht:
Die CIAG Marl ist
Die CIAG veranstaltete von 2001 bis 2023 zusammen mit ihren regionalen Partnern, den örtlichen Kirchen, der Fatih-Moschee Marl und der Jüdischen Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen, unterstützt durch die Stadt Marl und Schulen, jährlich im Herbst und Frühwinter ein Abrahamsfest, um die Gemeinsamkeiten für die Öffentlichkeit hervorzuheben sowie das gegenseitige Kennenlernen und die Vernetzung der Religionen zu fördern. Dafür wurden international bekannte Personen als Referenten gewonnen, so etwa 2010 Paul Oestreicher. Die Stadt Marl richtete bei dieser Gelegenheit als Abschluss ein „Gastmahl“ im Rathaus ein.
Der Konflikt im Nahen Osten spalte auch in Marl die beteiligten Gruppierungen der CIAG. Deshalb finde 2024 - anders als in den 40 Jahren zuvor – kein Abrahamsfest statt. Die konfessionsübergreifende Zusammenarbeit sei unmöglich geworden, so Nazive Güner, Lilia Vishnevetska und Beatrix Ries, die drei Sprecherinnen der CIAG. Obwohl die interreligiöse Arbeit weiter gepflegt werde, löse sich die CIAG als Arbeitsgemeinschaft Ende 2024 auf.