Abric Agut

Abric Agut

Der Abric Agut ist eine Halbhöhle auf einer Klippe in Capellades in der Comarca Noya in der Provinz Barcelona in Katalonien in Spanien. Sie liegt zwischen den Höhlen Cova d’en Sellarès und Zulueta.

Anfangs wurde der Abri ins mittlere Paläolithikum datiert, neuere Forschungen basierend auf der Fauna, radiometrischen Datierungen, anthropologischen Untersuchungen und den für diese Periode spezifischen Steinfunde, datieren ihn ins Mesolithikum.

Der Abri wurde 1909 entdeckt und zwischen 1910 und 1914 von Amador Romaní (1873–1930) ausgegraben. Die Ausgrabungen wurden 1976 unter L. G. Freeman wieder aufgenommen. 1985 fand im Rahmen eines Forschungsprojekts ein weiterer Eingriff statt und die letzten Analysen datieren aus 1999 und 2001.

Bei den Ausgrabungen Anfang des 20. Jahrhunderts ließ Romaní im zentralen Bereich eine etwa 5,0 × 6,5 m messende Grube ausheben. Er fand vier menschliche Backenzähne und lithische Reste, die aufgrund ihrer Affinität mit den Funden im Abri Romaní dem Moustérien zugeschrieben wurden.

In den 1950er und 1960er Jahren analysierten Henry de Lumley und Eduardo Ripoll Perelló (1923–2006) die Ergebnisse nochmals. Sie fassten die Überreste als Moustérien-Zähne auf, die sie dem Neandertaler zuschrieben. Die Ausgrabungen von 1976 betrafen einen anderen Bereich. Der Zeitraum der Ablagerung entsprach der Biostratigraphie zufolge einem der Interstadiale der Würm-Kaltzeit.

Der Fundplatz wurde aufgrund von Moustérienfunden ins Mittelpaläolithikum datiert, es wurden jedoch auch atypische Überreste gefunden, wie Kaninchenreste, einige mit Spuren menschlicher Eingriffe.

Fauna und Flora

Zwischen 1999 und 2001 wurde eine Fläche von 35 m² ausgehoben. Die Funde bestanden vorwiegend aus Kaninchen, was für Moustérienfunde ungewöhnlich ist. Sie wurden von kleineren Restmengen von Hirschen, Schildkröten, Wölfen und Ziegen begleitet.

Anthrakologische Analysen zeigen eine für den Zeitraum abnorme Verteilung. Kiefern kommen fast nicht vor, obwohl sie im Mittelpaläolithikum des Romanígebietes beinahe die einzige vertretene Art sind. Andererseits findet sich im Abric Agut eine große Vielfalt an Taxa wie: Efeu (Hedera), Schleedorn (Prunus) und Wacholder (Juniperus).

Bei der Steinindustrie dominiert der Feuerstein, gefolgt von Kalkstein. Granit, Quarz oder Sandstein sind seltener. Die lithischen Überreste sind das Ergebnis der Bearbeitung von Faustkeilen, wobei die gezähnten Teile vorherrschen und die Kerne sehr reduziert sind, was auf eine maximale Materialnutzung deutet.

Mesolithikum

Die Stratigraphie und die radiometrischen Datierungen während der letzten Interventionen, führte zu einer Neubeurteilung der Chronologie. Die radiometrische Datierung lag zwischen 11.000 und 9.000 Jahren v. Chr., womit die Funde in die Mittelsteinzeit einzuordnen sind. Dies steht auch im Einklang mit den archäologischen Überresten. Schließlich wurde die Steinindustrie neu gedeutet und der mesolithischen Makrolithgruppe („mesolithische Großgeräten“) zugeordnet.

Literatur

Commons: Abric Agut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 41° 32′ 1,1″ N, 1° 41′ 16,4″ O