Absolutivum

Das Absolutivum ist ein Adverbialpartizip, das sich in indoiranischen Sprachen findet. Die Bezeichnung soll ausdrücken, dass es sich um ein Gerundium ohne Kasusbeziehung zu einem der Satzglieder handelt.

Darüber hinaus findet sich eine vergleichbare Konstruktion in den Dravida-Sprachen, s. Konverb.

Nicht zu verwechseln ist das Absolutivum mit dem funktional verwandten Locativus absolutus. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Form des absoluten Kasusgebrauchs.

Absolutivum im Sanskrit

Das Absolutivum zählt zu den am häufigsten anzutreffenden Mitteln des Satzbaus im klassischen Sanskrit.

Im Sanskrit können mit den Suffixen -tvā (Absolutivum I, bei Verben ohne Präfix), -ya (Absolutivum II, bei Verben mit Präfix) und das seltenere -am ... -am (Absolutivum III) indeklinable adverbiale Partizipien gebildet werden, die den slawischen Adverbialpartizipien entsprechen und eine abgeschlossene Handlung bei gleichem Subjekt mit dem Hauptsatz bezeichnen.

Beim Absolutivum I auf -tvā handelt es sich wahrscheinlich um einen erstarrten Instr.Sg. des Verbalabtraktums auf -tu (vgl. jantu- „Nachkomme“, dhātu- „Element, Wurzel“, vāstu- „Stätte, Haus, Gemach“).

Das Absolutivum II auf -(t)ya ist nach Franklin Edgerton vermutlich ebenfalls der Instr.Sg. eines Verbalnomens auf -(t)i mit Kürzung des ā > a. Albert Debrunner hingegen vermutet einen Zusammenhang mit dem Verbalabstraktum auf -yā.

Das Absolutivum III auf -am mit Wiederholung ist selten im klassischen Sanskrit und findet sich dagegen vorwiegend in den Brāhmanas. Im Awestischen findet sich eine vergleichbare Bildung auf -jum (-jīvəm), was einem altindischen -jīvam entsprechen würde.

Beispiele:

Manche Absolutiva haben sich zu Präpositionen entwickelt:

Absolutivum im Hindi

Auch im Hindi wird die koordinierte Satzverknüpfung bei gleichem Subjekt mit einer speziellen Form ausgedrückt, die mittels -kar (aus dem Verb karnā „tun“), bzw. -ke gebildet wird. Hierbei handelt es sich vermutlich um eine grammatikalisierte Versteinerung des Sanskrit-Absolutivums kṛtvā.

Beispiele:

Einzelnachweise

  1. ↑ A.F. Stenzler: Elementarbuch der Sanskrit-Sprache. 17. Auflage. de Gruyter, Berlin 1980, §§283–285.
  2. ↑ Albert Thumb, Richard Hauschild: Handbuch des Sanskrit. II. Teil: Formenlehre. Dritte, stark umgearbeitete Auflage. Carl Winter, Heidelberg 1959, §§635–645.
  3. ↑ Hans Reichelt: Awestisches Elementarbuch. Carl Winter, Heidelberg 1909, § 682.
  4. ↑ Ronald Stuart McGregor: Outline of Hindi Grammar. 2. Auflage. Clarendon Press, Oxford 1976, S. 38f.

Siehe auch