Adalbert Gregor

Adalbert Aloys Gregor (* 23. April 1878 in Czernowitz; † 1971) war ein deutscher Psychiater.

Leben

Gregor studierte Medizin in Innsbruck und Wien. Ab 1905 als Assistenzarzt an der Nervenklinik der Universität Leipzig befasste er sich mit experimental-psychologischen Untersuchungen. Er habilitierte sich 1908 mit einer Arbeit über die Psychopathologie des Gedächtnisses. 1913 ging er als Oberarzt an die Heil- und Pflegeanstalt Dösen bei Leipzig und arbeitete bald in der Beobachtungsanstalt des benachbarten Kinderheimes Kleinmeusdorf. Nach 1918 gründete er mehrere Elternberatungsstellen, unter anderem in Leipzig, in Karlsruhe, in Pforzheim, in Offenburg und in Bruchsal. 1922 wurde er als Leiter an die badische Fürsorgeerziehungsanstalt Schloss Flehingen berufen. Als solcher oblag ihm die psychiatrische Beratung der staatlichen und caritativen Erziehungsheime des Landes Baden.

In den 1920er Jahren verfocht er eugenische Positionen in der Fürsorgeerziehung. Er meinte, Verwahrlosung sei „vorwiegend endogen“, also anlagebedingt, und sprach von „der erblichen Übertragung der minderwertigen Charakterartung.“ Bei „moralisch indifferenten“ Zöglingen empfahl er die Sterilisierung. „Erziehungsunfähige“ sollten seiner Meinung nach aus der Fürsorgeerziehung ausgeschieden und in Verwahranstalten eingewiesen werden, um eine „Schädigung des Volkskörpers“ zu vermeiden. 1926 erlitt er durch ein Attentat eines ehemaligen Zöglings schwere Verletzungen.

1930 wurde er in den Vorstand des Allgemeinen Fürsorgeerziehungstags gewählt. 1932 wurde er Medizinalreferent für Jugendwohlfahrt beim badischen Justizministerium, wobei er unter anderem als psychiatrischer Berater der staatlichen und caritativen Erziehungsheime des Landes Baden tätig war, doch verlor er sein Amt 1933 aus politischen Gründen. 1934 wurde er infolge organisatorischer Veränderungen im Ministerium Arzt der Karlsruher Gefängnisse und befasste sich fortan hauptsächlich mit kriminalbiologischen Forschungen. Ab 1938 leitete er die kriminalbiologische Untersuchungsstelle (Beobachtungsstation) des Jugendgefängnis Heilbronn. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er bis zu seiner Pensionierung 1948 Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch. Noch im Jahr 1961 wurde er in der Zeitschrift Unsere Jugend als „ein Wegbereiter der Jugendpsychiatrie“ gewürdigt.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Matthias Willing: Das Bewahrungsgesetz (1918-1967). Mohr Siebeck, 2003. S. 73.
  2. ↑ Susanne Apelt-Riel: Der Briefwechsel zwischen Ludwig Binswanger und Eugen Bleuler von 1907 - 1939 im Spannungsfeld von Psychoanalyse und Psychiatrie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (Diss.), Tübingen 2009. S. 184.
Personendaten
NAME Gregor, Adalbert
ALTERNATIVNAMEN Gregor, Adalbert Aloys (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Psychiater
GEBURTSDATUM 23. April 1878
GEBURTSORT Czernowitz
STERBEDATUM 1971