Adam Reusner

Adam Reusner oder Adam Reißner, latinisiert auch Reisnerus, Oryzius und Orycius (* 1471 oder 1496 in Mindelheim; † 1563 oder 1582 ebenda?), war ein deutscher Mystiker und Dichter.

Leben

Reusners Lebensdaten sind nicht in vollem Umfang erschlossen. Während Zedler definitive Jahreszahlen angibt, verwenden andere Nachschlagewerke geschätzte Jahreszahlen. Sicher ist, dass er zuerst 1518 an der Universität Heidelberg studierte und dort ein Schüler von Johannes Reuchlin war, von dem er das Hebräisch und das Griechische erlernte. 1523 begab er sich an die Universität Wittenberg, wo er unter anderem mit Martin Luther, Philipp Melanchthon, Justus Jonas dem Älteren bekannt wurde und ein Studium der Theologie verfolgte. Danach war er Geheimschreiber des Landsknechts und Feldhauptmanns Georg von Frundsberg, später Privatgelehrter in Straßburg und Frankfurt am Main.

Von 1526 bis 1528 war Reusner als Geheimschreiber mit deutschen Landsknechten in Italien bei deren Anführer Georg von Frundsberg, wo er unter anderem die Erstürmung und Plünderung Roms erlebte. Er wurde in Straßburg Anhänger der spiritualistischen Richtung des Kaspar Schwenckfeld und lehrte dort dessen Theologie. Reusner war Übersetzer antiker und biblischer Texte sowie (sprachkundiger) Berater Schwenckfelds, dessen Werke er postum herausgab. In Mindelheim arbeitete er von 1532 bis 1548 als Stadtschreiber. Diesen Posten verlor er aber infolge des Schmalkaldischen Krieges.

Als Privatgelehrter verfasste er (als geschichtliche Quelle interessante) historische und theologische Werke, darunter eine endzeitlich gestimmte „antipäpstliche Weltgeschichte“, die mit dem geschichtsdeutenden Schema von Prophezeiung (des „Antichrists“) und Erfüllung (im zeitgenössischen römischen Papsttum) arbeitet. Später wurde er als Liederdichter bekannt. Er übersetzte Psalmentexte aus dem Hebräischen ins Deutsche. Seine Nachdichtungen fanden u. a. Eingang in den Psalter von Sigmund Hemmel. Sein Kirchenlied In dich hab ich gehoffet, Herr (EG 275 nach Ps 31 LUT) ist noch heute im Evangelischen Gesangbuch zu finden.

Margit Ksoll-Marcon urteilt zusammenfassend: „Die historischen wie die theologischen Arbeiten sind von Mystizismus, Schwenkfelds Spiritualismus und Reuchlins Kabbalistik geprägt. Methodisch bewegen sich seine Werke auf der symbolisch-mystischen Auslegung, die bis in alle Kleinigkeiten durchgeführt wird. Er darf darin als einer der konsequentesten Schüler Reuchlins angesehen werden.“

Gedenktag

9. August im Evangelischen Namenkalender.

Schriften

Vertonungen

Von den zahlreichen Nachdichtungen Reusners wurde z. B. Psalm 31 vertont durch Heinrich Schütz (1628), Hans Studer (1953 und 1962), Wolfgang Helbich (1967), Friedrich Zipp (vor 1997).

Literatur

Commons: Adam Reusner – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Nach GND: „1500-1572 (Lebensdaten abweichend 1496-1582)“; abgerufen am 6. April 2016. – Zur älteren Diskussion siehe Zedler unter Weblinks.
  2. ↑ Vgl. Peter C. Erb: Adam Reissner: his learning and influence on Schwenckfeld. In: The Mennonite Quarterly Review, Band 54 (1980), S. 32–41.
  3. 1 2 Margit Ksoll-Marcon: REISSNER, Adam. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 1581–1584.
  4. ↑ Im EG unter dem Namen ADAM REISSNER – zugleich das einzige Lied des Autors im EG.
  5. ↑ Frieder Schulz: Das Gedächtnis der Zeugen – Vorgeschichte, Gestaltung und Bedeutung des Evangelischen Namenkalenders. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, Band 19. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1975, S. 69–104, Namenliste S. 93–104 (Digitalisat)
Personendaten
NAME Reusner, Adam
ALTERNATIVNAMEN Reißner, Adam
KURZBESCHREIBUNG deutscher Mystiker und Dichter
GEBURTSDATUM 1471 oder 1496
GEBURTSORT Mindelheim bei Augsburg
STERBEDATUM 1563 oder 1582
STERBEORT Mindelheim