Adelbert (Del) Ames III (* 25. Februar 1921 in Boston; † 31. Mai 2018 in Vermont) war ein US-amerikanischer Professor für Physiologie an der Abteilung für Neurochirurgie des Massachusetts General Hospital sowie Charles Anthony Pappas-Professor für Neurowissenschaften an der Harvard Medical School und emeritierter Professor an der Harvard University.
Er wurde als Sohn von Adelbert Ames, Jr. (1880–1955) und dessen Frau Fannie Vose Ames (geb. Hazen) (1887–1977) geboren und wuchs mit seiner Schwester Priscilla (verheiratete Priscilla Ames Anderson) (1924–1999) in Hanover auf. Nach der Hanover High School besuchte er die Exeter Academy in Exeter (New Hampshire) und schloss hier 1939 als Jahrgangsbester ab. 1941 absolvierte sein Studium am Harvard College. Anschließend studierte er an der Harvard Medical School und leistete Dienst in der United States Army; während der Militärzeit forschte er in Alaska an der Frage, wie das Überleben von Truppen unter extrem kalten Bedingungen gesichert werden kann. 1945 schloss er sein Studium an der Harvard Medical School ab.
Von 1945 bis 1952 absolvierte ein medizinisches Praktikum sowie die Facharztausbildung für Innere Medizin am NewYork-Presbyterian Hospital. Von 1952 bis 1969 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Harvard Medical School tätig. 1969 wurde er Professor für Neurophysiologie am Fachbereich Chirurgie der Harvard University in Boston und wechselte dann an die neurochirurgische Klinik des Massachusetts General Hospital (MGH). Von 1983 bis 1991 bekleidete er die Positionen eines Neurophysiologen in der Neurochirurgie sowie des „Charles Anthony Pappas Professor of Neuroscience“ am Massachusetts General Hospital und an der Harvard Medical School in Boston. 1991 trat er als Professor emeritus in den Ruhestand; auch danach widmete er sich weiterhin aktiv der Hirnforschung.
Er leistete grundlegende Beiträge zur biomedizinischen Forschung und zu Entdeckungen zu bestimmten Gehirnfunktion. Dazu gehören (1) das No-Reflow-Phänomen, (2) das Ames-Medium und (3) der Schutz von Hirngewebe durch den Ausgleich des bei einer zerebralen Ischämie auftretenden Energieungleichgewichts und durch Hyperthermie.
In Bezug auf das No-Reflow-Phänomen wies er mit seinen Kollegen an Tiermodellen (Kaninchenhirnen) nach, dass nach einer zeitweisen Blockierung der Durchblutung und einer anschließenden chirurgischen Öffnung des Gefäßes das Blut in bestimmten Gewebebereichen dennoch nicht wieder normal fließen kann. Sie zeigten auf, dass eine länger andauernde Ischämie (ab ca. 5 Minuten) zu dauerhaften mikrovaskulären Schäden führt, unter anderem durch das Anschwellen von Endothelzellen, das Verstopfen von Kapillaren durch Blutzellen und lokale Ödeme. Diese epochemachende Publikation legte das Fundament für das heutige Verständnis von Ischämie-Reperfusionsschäden. Die Erkenntnisse spielen eine zentrale Rolle in der Notfallmedizin und Kardiologie, beispielsweise bei der Behandlung von Schlaganfällen oder Herzinfarkten nach einer Wiedereröffnung der Gefäße (mittels Stents oder der Lysetherapie). Darüber hinaus zeigte sich später, dass dieses grundlegende Phänomen nicht nur im Gehirn, sondern auch in wichtigen Organen von Säugetieren – darunter Herz, Niere, Skelettmuskulatur und Haut – auftritt.
Das Ames-Medium ist eine spezielle Zellkulturlösung, die 1981 von Adelbert Ames III und F. B. Nesbett entwickelt wurde, um neuronales und retinales Gewebe in In-vitro-Studien zu erhalten. In ihrer Studie wurden Kaninchennetzhäute über zwei Tage hinweg in dem Ames-Medium inkubiert, wobei ihr Stoffwechsel und ihre elektrischen Reaktionen auf Lichtreize weitgehend erhalten blieben. Diese Mischung ist heute das bevorzugte Medium für die Kultivierung von Gewebe des Zentralnervensystems in vitro. Das Ames-Medium ahmt die natürliche In-vivo-Umgebung der Netzhaut weitgehend nach, wobei die Netzhaut ein wichtiges In-vitro-Modell für das ganze Zentralnervensystem darstellt. Dabei kann das Gewebe auch ohne zirkulierendes Blut überleben und funktionieren, sofern es in einem Medium gehalten wird, das den Bedingungen in vivo weitgehend entspricht. Heute ist das Ames-Medium weit verbreitet in der Forschung zu Neurobiologie, Netzhautphysiologie und der Reaktion des Zentralnervensystems auf Arzneimittel.
Bei seinen Arbeiten zum Schutz von Hirngewebe versuchte er, einen Weg zu finden, das Gehirn vor Schäden durch einen Schlaganfall zu bewahren. Er ging davon aus, dass die durch zerebrale Ischämie verursachten Schäden auf einem Ungleichgewicht zwischen der verringerten Energieversorgung infolge der Ischämie und dem hohen Energiebedarf der Nervenzellen beruhten. Folglich sollte der Ausgleich dieses Energiedefizits während der zerebralen Ischämie einen Schutz des Gehirns bewirken. Er überprüfte diese Hypothese mit einem grundlagenorientierten Vorgehen, indem er einen einzigartigen pharmakologischen „Cocktail“ entwickelte; dieser sollte den Energiebedarf des Gehirns senken, indem er vorübergehend nicht lebenswichtige neuronale Funktionen blockiert. Es bedurfte einer enormen Anzahl von Experimenten, um jeden potenziellen Schutzwirkstoff zunächst einzeln und anschließend in abgestuften Kombinationen mit anderen Substanzen zu untersuchen. Mit diesem „Cocktail“ konnte später gezeigt werden, dass sich die schädlichen anatomischen Folgen eines Schlaganfalls (d. h. die Hirninfarkte) bei einem Verschluss der Hirnarterien durch die vorübergehende Blockade neuronaler Funktionen weitgehend vermeiden oder reduzieren ließen. Er untersuchte zudem, wie sich Schäden am Hirngewebe durch eine Senkung der Körpertemperatur vermeiden lassen – eine funktionserhaltende Therapie, die heute in der Neurologie und Neurochirurgie weit verbreitet ist. Diese Ergebnisse wurde unter metabolischen und funktionellen Gesichtspunkten im Modell der Kaninchennetzhaut unter Anwendung von Hypothermie bestätigt.
Er fuhr Ski am ersten Schlepplift der USA in Woodstock und nahm im Alter von 13 Jahren am „Hochgebirge Challenge Cup“-Rennen am Cannon Mountain teil. Während seiner Zeit in Harvard war er Vorsitzender des Segelflugvereins und im Jahr 1941 Kapitän des Harvard-Skiteams. 1946 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des „Drifters Ski Club“. Erst im Alter von 88 Jahren gab er die Teilnahme am „Hochgebirge Challenge Cup“ auf. Am 16. Oktober 1948 heiratete er die aus der Rooseveltfamilie stammende Judith Quentin Derby (* 1923) aus Oyster Bay. Sie waren Eltern von den drei Kindern Mark, Judith und David Ames. 1973 verstarb seine Frau Judith an den Folgen von Krebs. Zwei Jahre später heiratete er Mary Faith (Polly) Wilson und wurde Stiefvater ihrer sechs Kinder: T. Hunter, Nora, Nancy, Roger, Dawes und Patricia Wilson. Seit Anfang der 1980er Jahre begannen Del und Polly, ihren Ruhestand auf dem Landhaus von Pollys Familie, der „Jenckes Farm“ in Marlboro zu verbringen. Dort gründeten die „Jenckes Foundation“ als Naturschutzgebiet, um bedeutende Waldflächen sowie historische Kellerruinen in Marlboro und Halifax zu bewahren. Er starb am 31. Mai 2018 im Alter von 97 Jahren in Vermont und wurde in Marlboro beigesetzt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ames, Adelbert III |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Physiologe, Neuropsychologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 25. Februar 1921 |
| GEBURTSORT | Boston |
| STERBEDATUM | 31. Mai 2018 |
| STERBEORT | Vermont |