Er praktizierte zunächst als niedergelassener Arzt in Seehausen bei Magdeburg, dann in Nordhausen und seit 1871 in Berlin. Sein ärztliches Interesse lag schon zu dieser Zeit vor allem auf dem Gebiet der Kinderheilkunde. Er führte die regelmäßige ärztliche Reihenuntersuchung von Kindern in den Schulen ein, plädierte für ein Hitzefrei an Schulen und initiierte das Reichsimpfgesetz. Im Jahr 1877 gründete er die Centralzeitung für Kinderheilkunde, 1879 das Archiv für Kinderheilkunde. Er engagierte sich für die Produktion einwandfreier Säuglingsnahrung und für die Einrichtung von Kinderkrippen, Kinderasylen und Kinderspielplätzen. In diesem Kontext beantragte er 1881 bei der Stadtverwaltung erfolglos die Einrichtung einer Waldschule am Rande Berlins. Diese sollte es erholungsbedürftigen Kindern ermöglichen, ohne wesentliche Einbußen weiter am Schulunterricht teilnehmen zu können. 1881 habilitierte er sich als Privatdozent für Kinderkrankheiten an der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität und wurde 1890 Direktor des von ihm zusammen mit Rudolf Virchow gegründeten Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses in Berlin, das er 28 Jahre lang bis wenige Monate vor seinem Tod im Jahr 1918 leitete.
mit Paul Sommerfeld: Säuglingspflege und Säuglingskrankheiten nach den Erfahrungen im städtischen Kaiser und Kaiserin Friedrich-Krankenhause in Berlin. Ferdinand Enke, Stuttgart 1906.
Quibus caussis mors sectionem caesaream secuta tribuenda sit. Inaugural-Diss. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, 7. Mai 1866.
mit Otto Janke: Handbuch der Schulhygiene: zum Gebrauche für Ärzte, Sanitätsbeamte, Lehrer, Schulvorstände und Techniker. 3. vollständig umgearbeitete Auflage, Enke, Stuttgart, Band 1 1898, Band 2 1900 .
Lehrbuch der Kinderkrankheiten für Aerzte und Studirende. Friedrich Wreden, Braunschweig 1883 (= Wredens Sammlung kurzer medizinischer Lehrbücher. Band 6); 6. Aufl. ebenda 1899.
Praktische Beiträge zur Kinderheilkunde. 3 Hefte, Tübingen 1880–1884.
Die Pflege des gesunden und kranken Kindes. 3., umgearbeitete Auflage. Ferdinand Enke, Stuttgart 1885.
Das Leben des Weibes. Diätetische Briefe. 3. Auflage. Ferdinand Enke, Stuttgart 1885.
Kost- und Haltekinderpflege in Berlin. Braunschweig 1886.
Die hygienischen Grundzüge der mosaischen Gesetzgebung. Braunschweig 1895.
Festschrift zu Henochs 70. Geburtstag (Redigiert).
mit Monti und Marcus Herz: Archiv für Kinderheilkunde. Stuttgart, seit 1880.
Ehrung
Vor dem Evangelischen Geriatriezentrum in Berlin-Wedding, Reinickendorfer Straße 61, wurde eine bronzene Büste Baginskys aufgestellt.
Literatur
Julius Pagel: Baginsky, Adolf. In: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, S. 77f.
John F. Oppenheimer (Red.) u.a.: Lexikon des Judentums. 2. Auflage. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh u.a. 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 69.
Benjamin Kuntz: Adolf Baginsky: Nestor der deutschen Pädiatrie. Hentrich und Hentrich, Leipzig 2026 (Jüdische Miniaturen; 351), ISBN 978-3-95565-750-5.
↑Heinz Günter Holtappels (Hrsg.): Ganztagserziehung in der Schule: Modelle, Forschungsbefunde und Perspektiven. Springer. Berlin 2013. ISBN 978-3-322-95711-5. S. 54.