Adolf Joseph Gerstmann (ursprünglich Abraham Josef Gerstmann; * 31. Juli 1855 in Ostrowo, Provinz Posen, Königreich Preußen; † 30. Oktober 1921 in Stuttgart, Weimarer Republik) war ein jüdisch-deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Literaturkritiker und Dramaturg. Gerstmann schrieb zahlreiche Dramen, Romane und Erzählungen, die zu seinen Lebzeiten relativ erfolgreich waren, heute aber weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Nachhaltig verdient machte er sich um die Übersetzung und Besprechung der Werke von Iwan Turgenjew und Alphonse Daudet.
Gerstmann wurde 1855 im Osten des Königreichs Preußen geboren. Wenige Monate nach seiner Geburt zog die jüdische Familie nach Berlin, wo er aufwuchs und später das Friedrichswerdersche Gymnasium besuchte. Vom Deutsch-Französischen Krieg angeregt, schrieb er als 15-Jähriger das Theaterstück Preußen in Paris, welches am 15. September 1870 am Königstädter Theater in Berlin uraufgeführt wurde und danach noch weitere 72 Mal gegeben worden sein soll. Von diesem Erfolg beflügelt verfasste er in den 1870er Jahren mindestens sieben weitere Stücke, hauptsächlich heiteren Charakters. Nach Abschluss des Gymnasiums studierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin moderne Sprachen und Literatur.
Von 1879 bis 1881 stand Gerstmann dem Feuilleton der Zeitung Kleines Journal vor. Nach deren Verkauf arbeitete er als freier Schriftsteller. Binnen weniger Jahre übersetzte er fortan 18 Romane und Novellen von Iwan Turgenjew, die sukzessive bei Otto Janke in Berlin erschienen. Außerdem übersetzte er für den Reclam-Verlag Alphonse Daudets Schelmenroman Die wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon und schrieb eine zweibändige Biographie des Autors. Das selbst verfasste Volksstück Die Leute von Hohen-Selchow wurde am 17. Februar 1883 in Berlin uraufgeführt. Ab 1883 arbeitete er für die National-Zeitung und den Pester Lloyd und seine literarische Produktion ging wieder zurück. Dafür erschienen zwischen 1886 und 1890 seine Feuilletons in mehreren Sammelbänden.
Im Herbst 1888 wurde Gerstmann Dramaturg am neueröffneten Berliner Theater. 1893 wechselte er in derselben Position ans Königliche Hoftheater in Stuttgart, an dem er bis 1908 tätig war. 1891 wurde er zum Professor ernannt, außerdem wurde er Geheimer Hofrat. 1908 übernahm er die Direktion des Intimen Theaters in Stuttgart.
Zwischen 1913 und 1916 veröffentlichte Gerstmann sein Alterswerk, die Romane Hilde Schott (1913) und Die Spionin (1915), ferner die Novellen und Erzählungen Die Geschichte vom Mühlhofbauer (1914), Der Knopf (1914), Die schöne Curzolanerin (1915) und Der Südwester (1916).
Er starb 1921, mit 66 Jahren, in Stuttgart.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gerstmann, Adolf |
| ALTERNATIVNAMEN | Gerstmann, Adolf Joseph (vollständiger Name); Gerstmann, Abraham Josef (ursprünglicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | jüdisch-deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Literaturkritiker und Dramaturg |
| GEBURTSDATUM | 31. Juli 1855 |
| GEBURTSORT | Ostrów Wielkopolski |
| STERBEDATUM | 30. Oktober 1921 |
| STERBEORT | Stuttgart |