Adolf Held war Sohn des bekannten Würzburger Staatsrechtlers Joseph Held (1815–1890) und Neffe des Vorsitzenden des Ministerrates des Königreichs Bayern, Adolph von Pfretzschner. Er studierte an den Universitäten in München und WürzburgRechts- und Staatswissenschaften. 1865 legte er das juristische Staatsexamen ab und promovierte 1866 in Würzburg mit dem Thema „Careys Sozialwissenschaft und das Merkantilsystem“ zum „doctor rerum politicarum“. Dann fand er eine Anstellung in Ernst Engels Seminar des preußischen statistischen Bureaus in Berlin und habilitierte sich 1867 mit einer Abhandlung „Zur Lehre der Überwälzung der Steuern“ in Bonn für Nationalökonomie. 1868 wurde er außerordentlicher Professor, 1872 in Bonn Ordinarius für Staatswissenschaften. Zum April 1880 wurde er an die Universität zu Berlin als ordentlicher Professor „versetzt“ und zugleich als „Lehrer der Nationalökonomie“ an das dortige „landwirthschaftliche Lehrinstitut berufen“ mit „einer etatsmäßigen Besoldung von Sechstausend Mark jährlich“.
Während eines Ferienaufenthaltes in der Schweiz ertrank Adolf Held am 25. August 1880 bei einer Kahnfahrt auf dem Thunersee.
Familie
Adolf Held heiratete 1869 Elise Uellenberg.
Wirkung
Mit seiner Arbeit über Henry Charles Carey macht Held das deutsche Publikum erstmals mit dem amerikanischen Vulgärökonomen, wie Karl Marx ihn nannte, und dessen Auseinandersetzung mit der Rententheorie von David Ricardo bekannt. In einer zeitgenössischen Rezension wurde seine Dissertation als „ein sehr viel versprechender Erstling“ bezeichnet.
Sein Hauptinteresse galt den Arbeiterverhältnissen der damaligen Zeit. So versuchte er mit den rheinischen Arbeitgebern seine Positionen in der Zeitschrift „Concordia“ deutlich zu machen. Er bekannte sich ausdrücklich als Kathedersozialist. Sein persönlicher Einfluss z.B. im „Verein für Socialpolitik“ war stärker als die Wirkung seiner Schriften. Da er nur zwei Jahre als Professor wirken konnte, ist sein Wirken auf die deutsche Nationalökonomie nur beschränkt.
Lassalle und seine Nachfolger. Vortrag gehalten im Bonner Bildungsverein am 9. März 1873. Beusser, Bonn 1873
Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands. Leipzig 1873 (Reprint Auvermann, Glashütten i. Ts. 1975) (Zwei Bücher zur sozialen Geschichte Englands. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Georg Friedrich Knapp. Mit dem Bildnis des Verfassers. Duncker & Humblot, Leipzig 1881)
Die deutsche Arbeiterpresse der Gegenwart. Leipzig 1873.
Grundriß für Vorlesungen über Nationalökonomie. Zum Gebrauche seiner Zuhörer verfasst. 2. Auflage. Bonn 1878
Die Quintessenz des Kathedersocialismus von M. Block, Berlin 1878. Bonn 1878.
Erwin Nasse: Adolf Held und Verzeichnis der Schriften, welche Adolf Held veröffentlicht hat. In: Die Haftpflichtfrage. Gutachten und Berichte. Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 1–9.
Georg Friedrich Knapp: Adolf Held, geb. 10. Mai 1844, gest. 25. Aug. 1880. In: Lujo Brentano: Die Zukunft der Sozialpolitik. Jubiläumstagung des Vereins für Socialpolitik in Eisenach 20. und 21. Sept. 1922 mit Beiträgen zum 50-jährigen Jubiläum des Vereins von L. Brentano (…). Duncker & Humblot, München, Band 163, 1923, S. 23–37.
↑Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA), I. HA, Rep. 76: Kultusministerium, Seminare, V a: Universitäten, Sekt. 2: Berlin, Tit. IV, Nr. 47: Anstellung, Besoldung und Dienstverhältnisse der ordentlichen und außerordentlichen Professoren in der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin, Bd. 17, fol 22r und Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1880/81, S. 203.
↑GStA, I. HA, Rep. 87 B: Landwirtschaftsabteilung, Nr. 20075: Lehrpersonal bei der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, fol 27r.
↑Vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, I. Abteilung: Von der Reichsgründungszeit bis zur Kaiserlichen Sozialbotschaft (1867–1881), 8. Band: Grundfragen der Sozialpolitik in der öffentlichen Diskussion: Kirchen, Parteien, Vereine und Verbände, bearbeitet von Ralf Stremmel, Florian Tennstedt und Gisela Fleckenstein, Darmstadt 2006, S. 145, 149, 248, 258, 260 f., 276, 296, 302 f., 307, 312 f., 327–339, 342, 354 f., 358 f., 365, 370, 396, 405, 410, 412, 414–418, 420–422, 424, 430, 434, 445–447, 451, 454, 456–459, 469.
↑Vgl. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, 8. Band, Leipzig 1931, s.v. Held, Adolf.