Adolf Kittler

Gustav Adolf Kittler (* 27. Dezember 1885 in Waldheim, Königreich Sachsen; † 19. April 1965 in Kippenheimweiler, heute Teil von Lahr/Schwarzwald) war ein deutscher Pädagoge und Autor.

Leben

Kittler war Sohn eines Müllers. 1900 trat er in Oschatz ins Lehrerseminar ein und erhielt 1906 ein Studienstipendium. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er als Gefreiter eingezogen und diente als Unteroffizieranwärter beim 11. Königlich Sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 139, das im Verbund der 3. Armee durch Luxemburg und Belgien nach Frankreich einmarschierte. Kittler wurde bereits nach wenigen Wochen verwundet, und er begann nach der Genesung 1915 ein Studium der Geographie, Geologie und Philosophie an der Universität Leipzig. 1918 war er als Militärgeologe in Flandern tätig. 1919 wurde er unter Ernennung zum Studienrat als Gymnasiallehrer in Pirna angestellt und 1920 bei Eduard Spranger mit einer Arbeit über den Oberamtskanzler Karl Gottfried Herrmann und dessen Mitwirkung bei der Organisation des Volksschul- und Seminarwesens der Oberlausitz promoviert. Er unterrichtete die Fächer Deutsch, Erdkunde, Geschichte und Pädagogik.

Nach seinem Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei zum 1. Mai 1933 (Mitgliedsnummer 2.970.351) übernahm Kittler als Studiendirektor im Juli 1933 zunächst kommissarisch die Leitung der Deutschen Oberschule in Rochlitz. Der Leitungswechsel an den Rochlitzer Schulen (neben Kittlers Oberschule mit Realschulzug im ehemaligen Seminargebäude in der Bismarckstraße wurde auch die Leitung der Bürgerschule am Sophienplatz ausgetauscht, der später „Muldenschule“ genannten Volksschule der Stadt) fand im zeitlichen und ideologischen Kontext der Gleichschaltung des Schulwesens nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus statt. Kittler wurde Oberstudiendirektor und regulärer Schulleiter. Er war außerdem Hauptstellenleiter bei der NSDAP-Kreisleitung in Rochlitz. Er beteiligte sich unter anderem 1937 in der Umgebung von Rochlitz an prähistorischen Forschungen zur Heimatkunde Sachsens. An der Deutschen Oberschule wurde dazu schon im Juni 1935 eine „Vorgeschichtliche Ausstellung“ ausgerichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Rochlitzer Lehrer einberufen; Kittler wurde Kriegsverwaltungsrat der Wehrmacht und 1940 als Militärgeograph in Frankreich eingesetzt. Nach Kriegsende verloren die meisten Lehrer der Deutschen Oberschule aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP ihre Anstellung. Kittler wurde 1945 zweimal durch die sowjetische Geheimpolizei NKWD verhaftet und 1946 nach einem Ermittlungsverfahren wegen politischer Tätigkeiten für die NSDAP durch die sowjetische Militärverwaltung (SMAD) aus der Haft entlassen.

Bereits während des Zweiten Weltkriegs beschäftigte er sich mit dem Festungsbauer Georg Rimpler aus dem 17. Jahrhundert, über den er in den 1950er Jahren mehrere Veröffentlichungen vorlegte. 1958 floh er mit seiner Familie aus der DDR und siedelte sich in der Bundesrepublik Deutschland in der Nähe von Freiburg im Breisgau an.

Kittler war zweimal verheiratet (1919, 1942); die Literatur- und Medienwissenschaftler Friedrich und Wolf Kittler sind seine Söhne.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Bücher

Beiträge

Einzelnachweise

  1. ↑ Emil Meynen (Hrsg.): Geographisches Taschenbuch 1956/57. 1957, S. 16.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 Kurt Rumpler: Festungsbaumeister Georg Rimpler und die Zweite Türkenbelagerung von Wien anno 1683. Selbstverlag 2010. S. 116 („Oberstudiendirektor Dr. Gustav-Adolf Kittler […] (Daten freundlicherweise zur Verfügung gestellt von H. Prof. Dr. Friedrich A. Kittler)“ (Memento vom 11. Januar 2012 im Internet Archive; PDF; 829 KB))
  3. ↑ Die Erde, Nr. 96/1965, ISSN 0013-9998, S. 51: „Kittler, Gustav–Adolf, OStDir. i. R. Dr., starb im Alter von 79 Jahren in Kippenheimweiler im Schwarzwald.“
  4. ↑ Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges: Ausgabe 197 vom 14. November 1914 (Sachsen 54), S. 2617 („11. Infanterie-Regiment Nr. 139, Döbeln. […] 6. Kompagnie. Lullingen 28. 8., 29. 8., Rilly-Semny 31. 8., auf dem Marsche 12. 9. 14. […] Gefr. Utffz.-Asp. Gustav Adolf Kittler – verwundet“).
  5. 1 2 Anja Moschke: Zur Geschichte des Landständischen Lehrerseminars in Bautzen sowie dessen Überlieferung im Staatsfilialarchiv Bautzen. In: Neues Lausitzisches Magazin, Band 140 (2018), S. 85–94, hier: S. 85 u. Anm. 3.
  6. ↑ Lehrer der Höheren Schulen im Bezirk Dresden (1927). In: Die höheren Schulen im Bezirk Dresden, 1. Oktober 1927 („Deutsche Oberschule mit Aufbau-Klassen zu Pirna i. E. […] Kittler, Adolf, SR. Dr. – D. Ek. Gsch. Päd. – Pirna, Rottwerndorfer Str. 7b“; beachte Scanfehler: „Pirna i. S.“ [in Sachsen], korrekte Hs.-Nr. „24“ [nicht „7b“]).
  7. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/20340949
  8. ↑ Aus Stadt und Land. In: Beilage zur Sächsischen Elbzeitung. Nr. 165, 17. Juli 1937, S. 1 (deutsche-digitale-bibliothek.de).
  9. ↑ Findbuch des Rochlitzer Geschichtsvereins, Bestand 14 („Schulen“), Nr. 15.
  10. ↑ Geschichte des Lehrerseminars Rochlitz. Sächsisches Staatsarchiv. Historische Einleitung zum Bestand 20194 (Lehrerseminar Rochlitz), abgerufen am 23. April 2026.
  11. ↑ Adressbuch der Stadt Rochlitz verbunden mit einem Einwohnerverzeichnis der Städte Geringswalde, Colditz, Lunzenau und Penig sowie der zum Amtsgerichtsbezirk Rochlitz gehörigen Landgemeinden. Verlag Ernst Vetter, Rochlitz 1927, S. 31, 180.
  12. 1 2 Geschichte unserer Schule. Oberschule Rochlitz An der Mulde. Abgerufen am 23. April 2026: „1933: Errichtung der faschistischen Macht – eine neue Schulleitung wird eingesetzt.“
  13. 1 2 Vertrauensmänner für Bodenaltertümer. In: Riesaer Tageblatt und Anzeiger, 25. Mai 1937, S. 3.
  14. ↑ Findbuch des Rochlitzer Geschichtsvereins, Bestand 4 („Rochlitz – Teil 1“), Nr. 60, und Bestand 14 („Schulen“), Nr. 33.
  15. 1 2 Johann-Mathesius-Gymnasium Rochlitz, Geschichte. Abgerufen am 23. April 2026.
  16. ↑ Ermittlungsverfahren (nach SMAD-Befehl 201; Kontrollrats-Gesetz Nr. 10; Kontrollrats-Direktiven Nr. 24 und Nr. 38) gegen den Arbeiter, ehemaligen Oberstudiendirektor, Kriegsverwaltungsrat und Hauptstellenleiter der NSDAP-Kreisleitung in Rochlitz Dr. Adolf Kittler wegen politischer Tätigkeiten. Bestandssignatur 39074 im NS-Archiv des MfS, Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt (Objekt 14).
  17. 1 2 Peter Berz: Introduction. In: Friedrich Kittler: Médias optiques. Cours berlinois 1999. L’Harmattan, Paris 2015, ISBN 978-2-343-07475-7, S. 7 ff., hier: S. 9 (französisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): « Peu avant la construcition du mur, les Kittler quittent la Saxe et l'Allemagne d'Est, RDA, pour s'installer dans les environs de Fribourg-en-Brisgau. »
  18. ↑ Arno Naumann. In: stadtwikidd.de
  19. ↑ Literatur, rahm-hanke.de: „In der Reihe "Sächsische Wanderbücher" erschien 1925 "Sächsische Schweiz - ein erdkundlicher Führer", herausgegeben von Johannes Rußner.“ (siehe Foto des Titelblattes)
  20. ↑ Literatur von und über Adolf Kittler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  21. ↑ Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (ZGORh): Autoren K, regionalgeschichte.net
Personendaten
NAME Kittler, Adolf
ALTERNATIVNAMEN Kittler, Gustav Adolf (vollständiger Name); Kittler, Gustav-Adolf
KURZBESCHREIBUNG deutscher Pädagoge und Autor
GEBURTSDATUM 27. Dezember 1885
GEBURTSORT Waldheim
STERBEDATUM 19. April 1965
STERBEORT Kippenheimweiler