Adolf Zdrazila

Porträt des Malers Adolf Zdrasila

Adolf Zdrazila (auch Adolf Zdrasila) (* 8. Dezember 1868 in Poruba in Österreichisch-Schlesien; † 23. Mai 1942 in Troppau, Reichsgau Sudetenland) war ein schlesischer Maler und Grafiker und eine bedeutende Persönlichkeit auf dem Gebiet des schlesischen Kulturlebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er war Gründer der Künstlerkolonie Berg bei Böheimkirchen und 1919 Gründer und langjähriger Vorsitzender der Vereinigung bildender Künstler Schlesiens in Troppau (Verband der Maler Schlesiens). Er ist als Maler schlesischer Landschaften bekannt, schuf aber auch Porträts, Genreszenen, Stillleben und Sakrale Kunst.

Leben

Wohnhaus des Malers Adolf Zdrasila in Troppau mit dem Fresko: Mädchen in sonniger Landschaft

Adolf Zdrazila wurde als Sohn des Schneiders Johann Zdrazila und seiner Frau Johanna, geb. Holan, in Poruba in Österreichisch-Schlesien, jetzt ein Vorort von Mährisch-Ostrau, geboren. Schon in jungen Jahren zeigte er Interesse an der Malerei. Nach Abschluss der Bürgerschule absolvierte er eine Lehre zum Dekorationsmaler und ging dann 1893 nach Wien, um an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei dem Landschaftsmaler Eduard Peithner von Lichtenfels (1833–1913) und dem Grafiker William Unger (1837–1932) zu studieren. Ab März 1894 besuchte er bei Peithner von Lichtenfels die Spezialklasse für Landschaftsmalerei. Von Wien aus unternahm er Studienreisen in die nähere Umgebung und in die österreichischen Alpen, wo er direkt in der Natur malte. Dabei wurde er von einigen Wiener Malern durch ein Stipendium unterstützt. Auf Grund seiner hervorragenden Studienleistungen wurde er 1896 mit dem Gundel-Preis und 1897/98 mit dem Rosenbaum-Preis ausgezeichnet und erhielt das schlesische Staatsstipendium und das sogenannte Koch-Stipendium.

Noch während seines Studiums 1895 heiratete er in Troppau Rosalia Tatzel, die Tochter des Tischlermeisters Eduard Tatzel. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor: Camilla, Martha und Olga. Als er im Jahr 1898 ein staatliches Reisestipendium in Höhe von 1.800 Gulden für ein Jahr erhalten hatte, verließ er Wien, um sein Studium in München und danach in Karlsruhe an der Großherzoglich Badischen Kunstakademie fortzusetzen, wo er Schüler von Gustav Schönleber (1851–1917), Leopold von Kalckreuth (1855–1928) und Friedrich Kallmorgen (1856–1924) wurde.

Er unternahm Studienreisen nach Paris, Brüssel sowie in die Niederlande und besuchte die Künstlerkolonie Worpswede. Im Jahr 1899 kehrte er mach Troppau zurück und ließ sich mit seiner Familie im Haus seiner Schwiegermutter Karolina Tatzel in der Olmützer Straße 56 nieder. Er wurde Mitglied des Wiener Kunstvereins und der Wiener Secession und knüpfte Kontakte zum Architekten Leopold Bauer (1872–1938). Im Frühjahr 1902 ging er nach Berg bei Böheimkirchen (bei St. Pölten in Niederösterreich), wo er zusammen mit seinen Freunden Josef Jungwirth (1869–1950) und Franz Schuster eine Künstlerkolonie nach dem Vorbild von Worpswede gründete. Er verbrachte zwei Jahre in der Kolonie. Mit seiner Familie hielt er sich auch mehrmals im niederösterreichischen Kirchweg (jetzt OT von Pyhra) auf. Neben Aufenthalten in Wien verbrachte Adolf Zdrazila auch einige Zeit in München und wurde dort Mitglied der Münchner Secession.

Rückkehr nach Troppau

Im Jahr 1904 ließ er sich endgültig in Troppau nieder. Er wohnte mit seiner Familie im Haus seiner Schwiegermutter Karolina Tatzel in der Olmützer Straße 56 (jetzt Olomoucká 458/56), das um 1900 vom Baumeister Josef Hruschka im Jugendstil errichtet worden war. Er schmückte die Fassade des Hauses mit dem Fresko „Mädchen in sonniger Landschaft“. Hier pflegte er eine intensive Zusammenarbeit mit Edmund Wilhelm Braun, dem Direktor des Kunstgewerbemuseums Troppau, insbesondere im Rahmen eines Projekts zur Erhaltung der schlesischen Kultur. Sie begannen mit der Sammlung von Gegenständen der schlesischen Kultur, um sie im Museum zu bewahren und als Teil der ständigen Sammlung des Gewerbemuseums auszustellen. Die Sammlung umfasste Volkstrachten, Möbel, Stickereien, Glas und Keramik. Im Rahmen dieses Projekts hat er auch zahlreiche Ansichten von historischen Gebäuden in Troppau und der Umgebung geschaffen.

Zdrazila war auch anderweitig am Schlesischen Landesmuseum tätig, so leitete er von 1905 bis 1908 am Museum auch Zeichen- und Malkurse sowie einen Kurs für grafische Techniken. Zu seinen bedeutendsten Schülern dieser Zeit in Troppau gehörten u. a. Valentin Držkovic (1888–1969), Helmut Krommer (1891–1973), Leo Haas (1901–1983), Egon Josef Kossuth (1874–1949) und Eduard Balzer sowie die Schülerinnen Toni Prunner und Helli Neudeck Außerdem entstanden in dieser Zeit ein grafischer Zyklus Dornröschen und zahlreiche grafische Arbeiten für das Museum, z. B. Farbholzschnitte für kunstgewerbliche Aussteller, ein Diplom für Erzbischof Georg von Kopp, ein Grafikblatt zum Jubiläum des Troppauer Gesangsvereins (1902) und ein Kunstwerbeplakat für die Stadt Troppau. Als Musikliebhaber wurde er Mitglied des Vereins „Schlesische Symphonie“, baute sich eine kleine Heimorgel und knüpfte zahlreiche Verbindungen zu schlesischen zeitgenössischen Künstlern, z. B. zum Musiker Ludwig Grande (1865–1940), dem Komponisten der „Schlesischen Symphonie“, und zum Schriftsteller Viktor Heeger (1858–1935).

Nach dem Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg wurde Zdrazila 1917 als Einjährig-Freiwilliger für das Miliz-Infanterieregiment Nr. 15 in Troppau einberufen. Ab Februar 1918 war er Mitglied der Künstlergruppe der Kriegspresseabteilung und arbeitete als Kriegsmaler. Der Krieg führte ihn nach Italien, Serbien und Russland. Nach dem Krieg kehrte er als Leutnant nach Hause zurück. Im Jahr 1919 wurde Adolf Zdrazila Gründer und langjähriger Vorsitzender der Vereinigung bildender Künstler Schlesiens in Troppau – Verband der Maler Schlesiens, der seinen Sitz in Troppau hatte und die bekanntesten Maler wie Richard Assmann (1887–1965), Helmut Krommer, Raimund Mosler (1886–1959), Fritz Kruspersky (1911–1996), Leo Haas, Ida Fauster (1871–1943), Helli Neudeck und andere zusammenführte.

In den 1920er Jahren schuf er zahlreiche Werke der Sakralmalerei in den Kirchen der Troppauer Region. Mit dem Architekten Leopold Bauer hat er zahlreiche gemeinsame Projekte realisiert, z. B. beim Bau der Kirche St. Hedwig in Troppau von 1933 bis 1938. Bis zu seinem Lebensende hat er weitere zahlreiche Werke im Atelier seines Hauses geschaffen.

Adolf Zdrazila starb am 23. Mai 1942 im Alter von fast 74 Jahren und ist auf dem städtischen Friedhof in Troppau begraben.

Schaffen

Glasfenster in der ehemaligen Handels- und Gewerbekammer
Gestaltung der Lünettenbögen in der Nikolauskirche in Bielsko-Biała (Bielitz-Biala)

Nach seiner Rückkehr nach Troppau im Jahr 1904 war Zdrazila an der Dekoration zahlreicher Gebäude in der Stadt beteiligt, z. B. bei der Ausmalung der Kapelle, des Refektoriums und des Dormitoriums des Schlesischen Landesinstituts für Geisteskranke. Im Jahr 1909 entwarf er auch die Innenausstattung für den Ausstellungspavillon im Stadtgarten. Hier lernte er auch den Architekten Leopold Bauer kennen, mit dem er in den folgenden Jahren bei mehreren Projekten eng zusammenarbeitete. So entwarf er im Jahr 1909 die Farbglasfenster für den Sitzungssaal des Gebäudes der ehemaligen Handelskammer in Troppau (jetzt Kulturhaus Petr Bezruč), das nach dem Entwurf des Architekten Leopold Bauer erbaut wurde. Diese Zusammenarbeit wurde in den Jahren 1911–1913 an der Pfarrkirche St. Nikolaus in Bielsko-Biala und von 1913 bis 1915 an der Kirche St. Martin in Taschendorf (Tošovice) bei Fulnek fortgesetzt. Im Jahr 1914 rekonstruierte er die Fresken in der Wenzelskirche in Troppau.

Zdrazilas Arbeiten für die Stadt Freudenthal (Bruntál) gehen auf das Jahr 1926 zurück. In diesem Jahr schmückte er hier die Kapelle des Erzbischöflichen Knabenseminars Petrinum und zwei Jahre später schuf er hier die Wandgemälde hinter dem Hauptaltar der Piaristenkirche Unserer Lieben Frau vom Trost.

Zwischen 1928 und 1930 beteiligte er sich an der Ausschmückung der Kapelle des Heiligen Herzens der Kongregation der Barmherzigen Schwestern (III. Orden vom hl. Franziskus), dem sogenannten Franziskaneum in der Olmützer Straße in Troppau, jetzt Schule für Krankenschwestern. In dieselbe Zeit fällt auch die Realisierung der Wandmalerei für die Dreifaltigkeitskirche in Troppau. Zwischen 1933 und 1935 beteiligte sich Zdrazil an der Dekoration der Geburtskirche des Hl. Johannes der Täufer in Skrochovice (bei Troppau). Die Zusammenarbeit mit Leopold Bauer wurde von 1933 bis 1938 beim Bau der Kirche St. Hedwig in Troppau fortgesetzt, wo Zdrazila das Altarbild der Seitenkapelle schuf sowie die Freskenentwürfe für die Seitenaltäre und die Fassaden-Dekoration der Kirche entwarf.

Adolf Zdrazila war ein bedeutender schlesischer Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts, er wird als Vertreter der Heimatkunst bewertet In seinen Arbeiten, die in großem Umfang in Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechoslowakei ausgestellt wurden, dominiert die Landschaftsmalerei gegenüber der Porträtmalerei, dem Stillleben und der Sakralmalerei. Neben einer beträchtlichen Anzahl von Ölgemälden, Gouachen und Aquarellen schuf er eine Vielzahl von grafischen Blättern, hauptsächlich Holzschnitte in Farbe und Schwarzweiß, Radierungen und Kupferstiche. Seine Ansichten der Städte, Dörfer und Gebäude der Region Troppau und Freiwaldau haben heute einen hohen dokumentarischen Wert, da viele der dargestellten Gebäude nicht mehr existieren.

Werke (Auswahl)

Seine Werke befinden sich im Schlesischen Landesmuseum in Opava, im Museum auf Schloss Bruntál, auf dem Schloss Hradec nad Moravicí, in der Galerie der Schönen Künste in Ostrava, im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien, im Wien Museum und im Cleveland Museum of Art.

Gemälde, Aquarelle und Holzschnitte

Sturm der Österreicher auf den Kapellenberg im Gefecht bei Trautenau am 27. Juni 1866

Fresken, Glasfenster und Kirchenmalerei

Ausstellungen

Auswahl der Ausstellungen seiner Werke

Illustrationen in literarischen Werken

Literatur

Commons: Adolf Zdrazila – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Anmerkung zur Schreibung des Namens: Im Geburts- und Taufbuch der Gemeinde Poruba ist der Name des Vaters Johann Zdražila angegeben, daraus wurde vermutlich die deutsche Schreibweise Zdrasila abgeleitet, die aus den frühen Veröffentlichungen bekannt ist. In späteren Jahren hat er vermutlich die Schreibweise in Zdrazila geändert, wie es auf dem Grabstein vermerkt ist.
  2. ↑ Geburts- und Taufbuch der Gemeinde Poruba (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  3. 1 2 3 4 5 6 7 Rathay-Biographien: Adolf Zdrasila (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  4. ↑ Alena Šimáková: Adolf Zdrazila - Monografie, 2009, S. 136/137
  5. ↑ Habánová: Junge Löwen, S. 161
  6. ↑ Ivo Habán: Gebauer, S. 96
  7. ↑ Alena Šimáková: Adolf Zdrazila - Monografie, 2009, S. 109 (engl.)
  8. 1 2 Josef Gebauer: Adolf Zdrazila - malíř (tschech.) (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  9. ↑ Městský hřbitov Opava - Grabstätte Zdrazila (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  10. ↑ Bild der Grabstätte von Adolf Zdrazila auf dem Stadtfriedhof Opava (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  11. ↑ Ivo Habán: Gebauer, S. 116
  12. 1 2 3 4 5 Adventures in the print: Adolf Zdrazila (engl.) (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  13. ↑ Cleveland Museum of Art - Adolf Zdrazila (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  14. ↑ Artnet: Adolf Zdrazila (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  15. ↑ Europeana: Zdrazila – Martinskirche (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  16. ↑ Katalog der DNB (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  17. ↑ Pinterest: Zdrazila – Stillleben (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  18. ↑ Dorotheum – Zdrazila: Sumpflandschaft (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  19. ↑ Invaluable: Zdrazila – Scheune (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  20. ↑ Ivo Habán: Gebauer, S. 111
  21. ↑ Galerie Umění: Adolf Zdrazila (tschech.) (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  22. ↑ Galerie Umění: Adolf Zdrazila (tschech.) (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  23. ↑ Axioart: Zdrazila (tschech.) (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  24. ↑ Historie des Krankenhauses in Opava (tschech.) (abgerufen am 31. Oktober 2023)
  25. ↑ Ivo Habán: Gebauer, S. 96
  26. ↑ Alena Šimáková: Adolf Zdrazila - Monografie, 2009, S. 139
Personendaten
NAME Zdrazila, Adolf
ALTERNATIVNAMEN Zdrasila, Adolf
KURZBESCHREIBUNG deutsch-schlesischer Maler
GEBURTSDATUM 8. Dezember 1868
GEBURTSORT Poruba, Österreichisch-Schlesien
STERBEDATUM 23. Mai 1942
STERBEORT Troppau, Reichsgau Sudetenland