AfroBubbleGum

AfroBubbleGum (auch Afrobubblegum, Eigenbezeichnung AFROBUBBLEGUM) bezeichnet ein künstlerisches Konzept. Es stellt Freude, Hoffnung, Fantasie und alltägliche Erfahrungen in afrikanischer Kunst in den Mittelpunkt. Damit soll es das Spektrum der Repräsentationen afrikanischen Lebens über Darstellungen von Krieg, Armut und Krisen hinaus erweitern. Maßgeblich geprägt wurde das Konzept von der kenianischen Regisseurin Wanuri Kahiu.

Begriff und Geschichte

Die Idee zu AfroBubbleGum entstand laut Regisseurin Wanuri Kahiu in Gesprächen mit anderen Künstlern, darunter der Rapperin Muthoni Drummer Queen und Blinky Bill. Einem breiteren Publikum stellte Kahiu das Konzept AfroBubbleGum 2017 in ihrem TED Talk „Fun, fierce and fantastical African art“ vor. Darin beschreibt sie AfroBubbleGum wie folgt:

“It's just fun, fierce and frivolous – as frivolous as bubble gum. AfroBubbleGum. It's the advocacy of art for art's sake. It's the advocacy of art that is not policy-driven or agenda-driven or based on education. Just for the sake of imagination”

„Es ist lustig, kraftvoll und unbeschwert, so unbeschwert wie Kaugummi. AfroBubbleGum. Es steht für Kunst um der Kunst willen. Es ist ein Plädoyer für Kunst, die weder von politischen Vorgaben noch von bestimmten Agenden oder Bildungszielen bestimmt wird. Kunst einfach um der Vorstellungskraft willen.“

– Wanuri Kahiu

Die Motivation hinter dem Konzept war die wiederkehrende Darstellung des afrikanischen Kontinents über Themen wie Krieg, Krankheit, Armut und Leid. Dabei greift Kahiu den von Chimamanda Ngozi Adichie beschriebenen Gedanken der „Gefahr der einzigen Geschichte“ („Danger of a single story“) auf und plädiert dafür, vielfältigere Perspektiven auf afrikanisches Leben sichtbar zu machen. AfroBubbleGum richtet sich nicht gegen problemorientierte Kunst, sondern soll das Spektrum der Darstellungen um freudige, hoffnungsvolle und alltägliche Darstellungen erweitern. In der Forschung wird das Konzept als Abgrenzung von afropessimistischen Repräsentationsmustern eingeordnet.

Das Konzept ist nicht auf eine Kunstform beschränkt, sondern umfasst unter anderem Film, Musik und Mode. AfroBubbleGum wurde beispielsweise vom kenianischen Africa Nouveau Festival aufgegriffen. In der filmwissenschaftlichen Forschung wird Rafiki wiederholt als Beispiel für die Umsetzung der AfroBubbleGum-Ästhetik untersucht, die sich unter anderem durch kräftige Farbgebung auszeichnet.

Unter dem Namen AFROBUBBLEGUM entstand zudem eine Plattform zur Förderung und Produktion entsprechender künstlerischer Arbeiten.

AfroBubbleGum-Test

Mit dem AfroBubbleGum-Test lässt sich prüfen, ob ein Werk dem Grundgedanken von AfroBubbleGum entspricht. Er wurde im TED Talk von Kahui vorgestellt und ist inspiriert vom Bechdel-Test. Wenn mindestens zwei Fragen mit Ja beantwortet werden, gilt der Test als bestanden.

Hat das fiktionale Werk:

  1. Mindestens zwei gesunde afrikanische Figuren,
  2. ... die finanziell abgesichert sind bzw. nicht von anderen „gerettet“ werden müssen,
  3. ... und Spaß haben und ihr Leben genießen?

Einzelnachweise

  1. ↑ Anna Phelan: The Art Movement Bringing Fun and Frivolity to Portrayals of Africa. 17. Juni 2020, abgerufen am 28. September 2026 (englisch).
  2. ↑ Fun, Fierce, and Frivolous. Abgerufen am 19. September 2026 (englisch).
  3. ↑ Wanuri Kahiu: Fun, fierce and fantastical African art. 29. August 2017, abgerufen am 12. Oktober 2026 (englisch).
  4. ↑ TED: Chimamanda Ngozi Adichie: The Danger of a Single Story | TED. 7. Oktober 2009, abgerufen am 19. September 2026.
  5. 1 2 Rachel Milne: ‘Fun, fierce and frivolous’: Afrobubblegum and the possibilities of queer African love in Rafiki. In: Queer Studies in Media & Popular Culture. Band 8, Nr. 3, 1. September 2023, ISSN 2055-5695, S. 297–314, doi:10.1386/qsmpc_00107_1 (intellectdiscover.com [abgerufen am 19. September 2026]).
  6. 1 2 Lucas Ravazzano, Everaldo Asevedo: Afrobubblegum, resistencia e esperança queer em Rafiki (2018), de Wanuri Kahiu. In: Comunicación Revista Internacional de Comunicación Audiovisual Publicidad y Literatura. Band 2, Nr. 21, 2023, S. 14–31, doi:10.12795/Comunicacion.2023.v21.i02.01 (us.es [PDF; abgerufen am 19. September 2026]).
  7. ↑ CGTN Africa: #ExploreAfrica: The Afrobubblegum Movement. 19. April 2018, abgerufen am 28. September 2026.
  8. ↑ AFROBUBBLEGUM. Abgerufen am 19. September 2026 (amerikanisches Englisch).
  9. ↑ Wanuri Kahiu: Fun, fierce and fantastical African art. 29. August 2017, abgerufen am 19. September 2026 (englisch).