
Afrikanische Diaspora bezeichnet die Gesamtheit der geografisch vom „Mutterkontinent“ Afrika entfernt lebenden Menschen afrikanischer, insbesondere subsaharischer Herkunft. Die afrikanische Herkunft wurde aufgrund eurozentrischer und rassistischer Konstruktionen eines „subsaharischen Afrika“ („Schwarzafrika“) von „Nordafrika“ getrennt, wodurch die afrikanische Bevölkerung häufig mit „schwarzer“ Bevölkerung gleichgesetzt wird und für eine „schwarze“ Identität steht.
Der Begriff „Diaspora“ kommt aus dem Griechischen und wurde ursprünglich für die erzwungene Zerstreuung der Juden aus Palästina verwendet. Er fand über die prominente erzwungene Auswanderung der Iren und Armenier eine Bedeutungserweiterung. Diaspora steht heute für komplexe soziale und kulturelle Gesellschaftsgruppen. Deren Mitglieder haben eine tatsächliche oder zugeschriebene gemeinsame Herkunft und Zugehörigkeit (kulturell, ethnisch, national, kontinental oder transnational). „Afrika“ war zunächst die Bezeichnung einer römischen Provinz (heute etwa Tunesien). Heute gibt es zwei Bedeutungen für „afrikanisch“. Der afrikanische Kontinent als räumliche Bezeichnung auf den sich die Organisation für Afrikanische Einheit nach langer Debatte in ihrer Definition der „afrikanischen Diaspora“ bezieht und eine rassistische nach der Hautfarbe (Schwarz- oder Subsahara-Afrika).

Es gibt vier historische Treiber für die Entstehung von schwarzen Gesellschaften außerhalb Afrikas:
Zur Diaspora zählen Afroamerikaner in Nordamerika (auch Afrokanadier), in der Karibik und in Südamerika ebenso wie Nachfahren afrikanischer Migranten in Europa (wie Afrodeutsche oder Afroösterreicher), in Asien und der restlichen Welt. Der Hauptanteil der afrikanischen Diaspora entstand hierbei durch den transatlantischen Sklavenhandel mit der heute entsprechend größten Population in Brasilien (Afrobrasilianer). Aufgrund des in Brasilien besonders hohen Bevölkerungsanteils an Menschen, die sowohl von Europäern wie von Afrikanern abstammen, sehen sich aber gerade in Brasilien nur sehr wenige Menschen afrikanischer Herkunft selber als Teil einer afrikanischen Diaspora, sondern betonen vielmehr die eigene aus einer Mischung der Kulturen hervorgegangene Identität.
Afrikanische Diaspora bezeichnet allgemein das gemeinsame kulturelle Erbe dieser Menschen oder Gemeinschaften, ihrer afrikanischen Wurzeln oder Identität und entspricht einer afrozentrischen Weltanschauung. Die Afrikanische Union hat diese definiert als „bestehend aus Menschen afrikanischen Ursprungs, die unbeschadet ihrer Staatsbürgerschaft und Nationalität außerhalb des Kontinents leben und die willens sind, zur Entwicklung des Kontinents und zum Aufbau der Afrikanischen Union beizutragen“.
Die Archäologie der afrikanischen Diaspora ist ein junges und rasch wachsendes Forschungsfeld, das sich mit der Entwicklung der Lebensumstände der Diaspora bis heute befasst. Sie ist besonders wichtig, da es kaum schriftliche Aufzeichnungen gibt. Das ursprüngliche auf die USA gerichtete Forschungsfeld geht mittlerweile über die geopolitischen Grenzen hinaus und untersucht die nach Zeithorizont, Herkunfts- und Ankunftsregion unterschiedlichen Diasporagruppen in unterschiedlichen Perspektiven, um Erkenntnisse zu sammeln und die Geschichtsschreibung und Soziologie nicht nur zur Ethnie, Kultur und Herkunft dieser lange vernachlässigten Gruppen voranzubringen.
Die Diskussion über Critical Race Theory und Wokeness hat die Lehre zur (schwarz-)afrikanischen Diaspora teilweise als spalterisch dargestellt. Die Befassung mit der Versklavung und dem Rassismus würde Schuldgefühle und Scham hervorrufen.