
Ágnes Heller (* 12. Mai 1929 in Budapest; † 19. Juli 2019 in Balatonalmádi) war eine ungarische Philosophin, die in Budapest und New York City lebte.
Ágnes Heller, die jüdischer Herkunft war, gelang es im Holocaust gemeinsam mit ihrer Mutter immer wieder, teils durch geistesgegenwärtiges Handeln, teils nur durch schieres Glück, der Deportation und Ermordung zu entgehen. Ihr Vater und zahlreiche weitere Verwandte wurden Opfer der Judenverfolgung während der Zeit der NS-Diktatur.
Ágnes Heller starb im Juli 2019 im Alter von 90 Jahren, als sie nach Augenzeugenberichten in den Plattensee „hinausgeschwommen und nicht mehr zurückgekehrt“ ist.
In einem Interview aus dem Jahr 2014 berichtet sie, dass ihre Großmutter „die erste Frau war, die an der Universität Wien studiert hat“.
Nach der Matura immatrikulierte sich Ágnes Heller 1947 an der Universität Budapest für Physik und Chemie. Sie wechselte unter dem Eindruck einer Vorlesung von Georg Lukács das Studienfach und begann, Philosophie zu studieren. Sie wurde 1955 von Lukács promoviert und schließlich seine Assistentin.
Nach jahrzehntelanger politischer Unterdrückung in Ungarn emigrierte Heller 1977 nach Australien, wo sie an der La Trobe Universität in Melbourne von 1978 bis 1983 eine Soziologie-Professur innehatte. 1986 wurde sie auf den Hannah-Arendt-Lehrstuhl an der Philosophiefakultät der New School for Social Research in New York berufen.
Seit ihrer Emeritierung pendelte sie jeweils halbjährlich zwischen Budapest und New York.
2001 und 2002 war sie Fellow des Weimarer Kollegs Friedrich Nietzsche zum Thema „Zur Theorie der Modernität“. 2013 hielt sie als Sir-Peter-Ustinov-Gastprofessorin der Stadt Wien Vorlesungen zum Thema „Die Welt der Vorurteile“ am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.
Heller stellte sich gegen die Politik des rechtsautoritären Fidesz und von Ministerpräsidenten Viktor Orbán. So äußerte sie sich in einem Interview für ZEIT Geschichte 2013: „Orbán ist ein Diktator, aber Ungarn ist keine Diktatur“.
Im Gegensatz zu ihrer früheren Meinung sagte Heller, dass man die Zusammenarbeit mit der Jobbik nicht ausschließen solle. Sie meinte auch, dass sie die Jobbik nie für eine Neonazi-Partei gehalten habe. Ihrer Meinung nach gab es zwar in der Partei rassistische und antisemitische Äußerungen, sie habe aber mit ihrer Entwicklung viel bewiesen und am wichtigsten sei, was die Partei heute sagt.

Bereits in ihrem Erstling Der Mensch in der Renaissance (1967 auf Ungarisch, 1978 auf Englisch, 1988 auf Deutsch erschienen) drehte sich Hellers Denken um Leben und Freiheit als die obersten Werte. Daneben steht die Frage, wie das menschliche Naturverhältnis als gesellschaftliches und historisches zu begreifen ist.
In die Wählbarkeit der Geschichte führte sie diese Gedanken hermeneutisch weiter aus. Im Nachwort zur deutschen Ausgabe schrieb sie: „Ich war bereits in ‚Der Mensch der Renaissance‘ davon überzeugt, und bin es auch seither, dass alle großen Leistungen der Kultur aus den Bedürfnissen, Konflikten und Problemen des täglichen Lebens hervorgehen“. Entsprechend betonte sie die Bedeutung der Arbeitswelt und des Alltagslebens.
Heller entfaltete auf der Grundlage einer eingehenden marxistischen Betrachtung eine ausführliche, materialistische „Theorie der Bedürfnisse“, mit der sie beispielsweise die „Bedürfnisdiktatur“ im Ostblock mit Verweis auf Karl Marx kritisierte. Die philosophische Anthropologie hat für sie ihren Ursprung in der Renaissance, die sich durch ein „pluralistisches moralisches Wertsystem“ deutlich von früheren Zeitaltern unterscheide. Weiterhin sprach sie sich für eine auf Empathie gründende Parteinahme für Leben und Freiheit aus.

Die Universität Innsbruck hat 2023 einen Neubau am Campus Innrain nach der Philosophin benannt.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Heller, Ágnes |
| KURZBESCHREIBUNG | ungarische Philosophin |
| GEBURTSDATUM | 12. Mai 1929 |
| GEBURTSORT | Budapest, Ungarn |
| STERBEDATUM | 19. Juli 2019 |
| STERBEORT | Balatonalmádi |