

Der Aigle de drapeau (deutsch Fahnenadler) war ein Feldzeichen, das Napoleon Bonaparte 1804 für jedes Regiment der Grande Armée zusätzlich zur Truppenfahne eingeführt hatte. Das mit dem Ende des Ersten Kaiserreichs untergegangene Feldzeichen ließ Napoleon III. 1854 im Zweiten Kaiserreich wiederaufleben, bis es infolge seiner Absetzung im Jahr 1870 verschwand.
Der Adler war den römischen Legionsadlern (Aquila) nachempfunden und bestand aus einem 1,85 kg schweren Adler aus vergoldeter Bronze auf einer blauen Stange. Unter dem Adler war ein Schild angebracht, auf dem die Nummer des Regiments stand oder bei der Kaiserlichen Garde Garde impériale.
Nachdem Napoleon Bonaparte sich 1804 zum Kaiser der Franzosen gekrönt hatte, übernahm er Traditionen des antiken römischen Militärs, wie die Aquila, den Reichsadler, an der Spitze der Truppenfahnen. Ihr Verlust bedeutete für die Einheit eine besondere Schmach, da die Adler von Napoléon persönlich gestiftet wurden.
Am 18. Februar 1808 erging durch Napoleon folgender Befehl:
„Der Regiments-Adler der Gegenstand der Verehrung, der Liebe, Aufopferung der Soldaten, denn es ist der ihrer Ehre, muss da seine Stelle haben, wo sich die meisten Bataillone befinden. Er soll einem Träger anvertraut werden, der die Feldzüge von Ulm, Austerlitz, Jena, Friedland mitgemacht hat und durch sein Ehrenamt den Grad, das Vorrecht und den Sold eines Premier-Lieutenants erwirbt. Mit der Bezeichnung des zweiten und dritten Adlerträgers mit dem Rang eines Sergeanten und Sold eines Feldwebels werden zwei alte, tüchtige Soldaten Ersterem zur Seite gestellt, die wegen mangelnder wissenschaftlicher Bildung nicht zum Offizier heraufrücken konnten.“
Gewöhnlich war der Adlerträger auch im Besitz des Kreuzes der Ehrenlegion, mit dem eine jährliche Pension von 250 Francs verbunden war.
Im Lauf der Koalitionskriege gingen zahlreiche Adler verloren. Erstmals geschah das in der Schlacht von Austerlitz, als die russische Kavallerie unter Konstantin Romanow den Adler des 4e régiment d’infanterie erbeutete und auch auf ihrem Rückzug verteidigte.
Nach Jean Regnault verloren die Franzosen noch vor Austerlitz folgende Adler:

Nicht klar ist die Anzahl der im Russlandfeldzug 1812 verlorenen Adler, da viele auf dem Rückweg auch versteckt wurden. Regnault hat aber die Verluste in einigen Schlachten verzeichnet.
Während der ersten Restauration vom April 1814 bis zum Februar 1815 wurden die Adler zerstört. In seiner Herrschaft der Hundert Tage ließ Napoléon neue Adler anfertigen, die qualitativ aber nicht an die ersten heranreichten. Zwei von diesen gingen dann auch bei Waterloo verloren. Die übrigen wurden dann in der erneuten Restauration zerstört, so dass heute nur noch wenige Adler erhalten sind.
Die britische Armee hat Truppenteile, die diese Adler erobert haben, besonders ausgezeichnet. So tragen noch heute die Traditionsnachfolger dieser Regimenter ein besonderes Abzeichen.
Nach Georg Alt befanden sich 1816 in der Garnisonkirche in Berlin zudem folgende Adler:
In der Serie Die Scharfschützen erwirbt der Hauptcharakter Leutnant Sharpe besonderen Ruhm durch die Eroberung eines Aigle de drapeau.