Akiva Weingarten

Akiva Weingarten 2019 in der Jüdischen Gemeinde in Dresden
Akiva Weingarten, 2019

Akiva Weingarten (* 23. Dezember 1984 in Monsey) ist ein deutscher Rabbiner, dessen religiöse Ausrichtung als liberal-chassidisch angesehen wird. Er ist Landesrabbiner des Vereins Landesverband Jüdischer Gemeinden und Einrichtungen in Sachsen, der 2021 neben dem bestehenden Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden gegründet worden ist. Er leitet die, von ihm gegründete, Jüdische Kultusgemeinde in Dresden sowie die Besht Yeshiva Dresden.

Leben

Akiva Weingarten wuchs in der chassidischen Satmar-Gemeinschaft in New York als ältestes von elf Geschwistern auf. Seine Muttersprache ist Jiddisch. Seine Vorfahren väterlicherseits stammen aus Ungarn und mütterlicherseits aus Litauen.

Mit 17 Jahren erhielt er seine erste Smicha; ein Jahr später ging er nach Israel und lebte zehn Jahre lang in der überwiegend von Ultra-Orthodoxen bewohnten Stadt Bnei Brak. Im Alter von 19 Jahren wurde er verlobt und mit 20 verheiratet. Zwei Jahre später war er bereits Vater zweier Kinder. In Israel wurde er zweimal zum Rabbiner ordiniert.

Im Jahr 2014 verließ Weingarten Israel und die ultra-orthodoxe Gemeinschaft und ging nach Deutschland. Am Abraham-Geiger-Kolleg und an der Universität Potsdam studierte er Jüdische Studien, bis er im Jahr 2019 als Rabbiner nach Dresden berufen wurde.

Zwischen 2019 und 2024 war Akiva Weingarten Rabbiner der „Migwan“-Gemeinde in Basel und zwischen 2019 und 2021 Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Dresden. In Dresden übernahm er das Amt seines Vorgängers Alexander Nachama. Weingarten unterstützt heute jüdische Aussteiger aus ultra-orthodoxen Gemeinschaften dabei, sich außerhalb des streng religiösen Umfelds zu integrieren. So gründete er im Jahr 2017 die Liberale chassidische Gemeinde Besht-Berlin, wo regelmäßig Kabbalat-Schabbat-Gottesdienste, Kiddusch und gemeinsame Studienkreise stattfanden.

Weingarten trägt als liberaler Rabbiner chassidische Kleidung – wie Schtreimel und Kaftan – am Schabbat. In seinen Predigten verwendet er häufig chassidische Geschichten und Erklärungen zur Tora, zusammen mit einer liberalen und aktuellen Auslegung. Er beschreibt sich selbst als „liberal-chassidisch“.

Im April 2020 gründete Rabbiner Akiva Weingarten in Dresden eine Toraschule mit dem Namen Besht Yeshiva Dresden e. V., in der er gemeinsam mit Rabbiner Shmuel Pappenheim und Rabbiner Shlomo Tikochinsky eine Toraauslegung entwickelt, die sich als chassidisch-liberal beschreibt. Im Oktober 2021 war Rabbiner Weingarten an der Gründung der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden beteiligt.

Im September 2021 gründete er neben der Jüdischen Gemeinde in Dresden die vom Zentralrat der Juden (ZdJ) nicht anerkannte „Jüdische Kultusgemeinde Dresden“, in der er dann als Gemeinderabbiner für nach eigenen Angaben 72 Gemeindemitglieder tätig war. Das Nebeneinander der beiden Gemeinden führte zu Konflikten. 2024 gründete Weingarten neben dem als KdöR anerkannten Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden, dem der sächsische Landesrabbiner Zsolt Balla und die Jüdische Kultusgemeinde zugehört, gemeinsam mit der Rabbinerin Esther Jonas Märtin und dem Rabbiner Shneor Havlin ebenfalls außerhalb der Strukturen des ZdJ den Landesverband Jüdischer Gemeinden und Einrichtungen in Sachsen, von dem dann diese drei zu „Landesrabbinern“ ernannt wurden. Den ZdJ kritisierte der neue Verband für seine zentralisierte Organisation.

2025 trat Weingarten für die deutsche Liste der linken Partei Meretz bei der Wahl der deutschen Delegierten zum Zionistischen Weltkongress an. Am 22. Juli 2025 wurden er und Galit Gur (Zionistische Jugend in Deutschland), die für die arbeiterzionistische Liste Israel Shelanu kandidiert hatte, zu den beiden deutschen Delegierten gewählt. Das jüdische Nachrichtenportal Hagalil wertete das Ergebnis als ideologische Neuausrichtung hin zu einer liberalen Vertretung Deutschlands.

Weingarten wurde im April 2026 am Amtsgericht Dresden in Zusammenhang mit einem Microsoft-Support-Betrug angeklagt und im Mai 2026 wegen Beihilfe zu Geldwäsche in 44 Fällen und 469-fachen gewerbsmäßigen Betrugs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Bücher

Einzelnachweise

  1. ↑ Anna Neef: Landesrabbiner spricht in Aue über jüdisches Leben in Sachsen. 30. April 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  2. ↑ Anna Neef: Sachsens Vielfalt der Religionen. 7. Mai 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  3. ↑ Das Landesrabbinat. LVJG, abgerufen am 21. Juli 2026.
  4. ↑ Zweiter jüdischer Landesverband bestimmt Landesrabbiner. In: Die Welt. 9. April 2024, abgerufen am 21. Juli 2026.
  5. ↑ Jan Feddersen: Ex-Ultraorthodoxer über das Judentum: „Keine Angst, darauf kommt es an“. In: taz.de. 8. Mai 2022, abgerufen am 1. August 2026.
  6. ↑ Chatzkaleh Kofer: Akiva’s Story. In: Off the Derech. 13. Juli 2018, abgerufen am 21. April 2020.
  7. ↑ mdr.de: Akiva Weingarten – der neue Rabbiner für Dresden | MDR.DE. Abgerufen am 21. April 2020.
  8. ↑ Jérôme Lombard: »Ich bin angekommen«. 28. September 2019, abgerufen am 21. April 2020.
  9. ↑ Peter Bollag: Akiva Weingarten: Aus orthodoxem Jude wurde liberaler Rabbiner. In: Neue Zürcher Zeitung. (nzz.ch [abgerufen am 21. April 2020]).
  10. ↑ Dresdens neuer Rabbiner: Unabhängiger Denker mit Traditionsbewusstsein. Abgerufen am 21. April 2020.
  11. ↑ Neuer Dresdner Rabbiner setzt auf die Jugend. Abgerufen am 21. April 2020.
  12. ↑ Felix Bohr: Berliner Rabbi über seine ultraorthodoxe Vergangenheit: „Wenn du merkst, dass du dein ganzes Leben lang betrogen wurdest“. In: Der Spiegel. 15. November 2019, abgerufen am 21. April 2020.
  13. ↑ Über mich. Abgerufen am 6. Mai 2020.
  14. ↑ DNN: Dresden bekommt einen zweiten Rabbiner. Abgerufen am 15. September 2020.
  15. ↑ Besht Yeshiva Dresden. Abgerufen am 15. September 2020.
  16. ↑ Gespraech mit Akiva Weingarten. Abgerufen am 19. Dezember 2022.
  17. ↑ Dresden: Neue jüdische Gemeinde gegründet | MDR KULTUR. Abgerufen am 15. Oktober 2021.
  18. ↑ Vierter Bericht des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben. Berichtszeitraum 2022. In: smk.sachsen.de. S. 7, abgerufen am 29. Juli 2026.
    Kritik an neuer Jüdischer Kultusgemeinde in Dresden. In: evangelisch.de. 8. Oktober 2021, abgerufen am 29. Juli 2026.
  19. ↑ Vierter Bericht des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben. Berichtszeitraum 2022. In: smk.sachsen.de. S. 7, abgerufen am 29. Juli 2026.
  20. ↑ Jüdischer Landesverband grenzt sich von angeklagtem Rabbi ab. In: Tag 24. 14. April 2026, abgerufen am 29. Juli 2026.
  21. ↑ lvjg-sachsen.de: Das Landesrabbinat | lvjg-sachsen.de. Abgerufen am 8. Oktober 2024.
  22. ↑ Vergleiche Andreas Weller: Weshalb in Dresden ein zweiter jüdischer Landesverband entsteht. In: saechsische.de. 9. April 2024, abgerufen am 29. Juli 2026.
    Zweiter jüdischer Landesverband bestimmt Landesrabbiner. In: Die Zeit. 9. April 2024, abgerufen am 29. Juli 2026.
  23. ↑ Jüdische Initiativen schließen sich zusammen. In: Der Sonntag. 9. April 2024, abgerufen am 29. Juli 2026.
  24. ↑ Historischer Wandel in der deutschen zionistischen Vertretung. In: Hagalil. 7. August 2025, abgerufen am 29. Juli 2026.
  25. ↑ Schwere Vorwürfe gegen Sachsens Landesrabbiner, Tag24, 14. April 2026
  26. ↑ Wegen Betrugs und Geldwäsche: Bewährungsstrafe für Rabbiner, Jüdische Allgemeine am 26. Mai 2026
Personendaten
NAME Weingarten, Akiva
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer, liberaler Rabbiner
GEBURTSDATUM 23. Dezember 1984
GEBURTSORT New York