
Alain Schnapp (* 18. September 1946 in Paris) ist ein französischer Klassischer Archäologe und Wissenschaftshistoriker und war von 1988 bis zu seiner Emeritierung 2014 Professor an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne.
Schnapp studierte nach dem Schulabschluss Alte Geschichte, wandte sich aber bereits während seiner akademischen Ausbildung sehr stark der Klassischen Archäologie zu. Entsprechend begann er im September 1967 seine Abschlussarbeit zur „Darstellung der Jagd in der Vasenmalerei des antiken Griechenland“, die von Pierre Vidal-Naquet und François Villard betreut wurde. Er beteiligte sich aktiv an den Mai-Unruhen des Jahres 1968, deren Pamphlete und Flugblätter er im Anschluss gemeinsam mit seinem akademischen Lehrer Vidal-Naquet zusammenstellte und analysierte. Daraus entstand das 1969 erschienene Buch „Journal de la Commune étudiante“ („Tagebuch der studentischen Kommune“), das auch ins Englische übersetzt wurde.
Ab 1969 arbeitete er als Assistent von Pierre Demargne, dem Professor für Klassische Archäologie an der Sorbonne. In dieser Zeit erfuhr Alain Schnapp eine starke Prägung durch das Pariser Centre de recherches comparées sur les sociétés anciennes und die daraus hervorgegangene École de Paris. Nach verschiedenen Anstellungen an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne und dem Centre national de la recherche scientifique habilitierte er sich schließlich 1987 an der École des hautes études en sciences sociales mit einer Arbeit über die Darstellung der Jagd in der griechischen Kunst.
Alain Schnapp war von 1988 bis 2014 Professor für griechische Archäologie an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne, deren Abteilung für Archäologie und Kunstgeschichte er von 1994 bis 1998 auch leitete. Ab 1998 bemühte er sich um die bereits länger geplante Einrichtung eines kunstgeschichtlichen Forschungszentrums, das 2001 als Institut national d'histoire de l'art entstand. In diesem Rahmen wurde er 1999 zum Präsidenten der neugegründeten Association de préfiguration de l’Institut national d’histoire de l’art ernannt, zwei Jahre darauf zum ersten Generaldirektor des entstandenen Instituts. 2005 folgte ihm in diesem Posten provisorisch Jean-Pierre Cuzin, 2006 dann Antoinette Le Normand-Romain. Schnapp war als Gastprofessor bzw. Fellow unter anderem an den Universitäten Princeton (1982), Neapel (1984), Perugia (1986), Cambridge (Churchill College, 1989–1990) und Heidelberg (1998), dem Getty Research Institute in Santa Monica (1996), dem Wissenschaftskolleg zu Berlin (2006–2007) sowie dem Internationalen Kolleg Morphomata (2014–2015). 2005 bis 2006 war er Forschungsbeauftragter des Centre national de la recherche scientifique, 2010 bis 2013 Direktor des Institut d'Études Avancées de Paris.
Alain Schnapp ist korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Institutes und hat den Preis der Association pour l’encouragement des études grecques en France erhalten. 2014 wurde er mit dem Meyer-Struckmann-Preis für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ausgezeichnet. 2021 erhielt er für seine „Universalgeschichte der Ruinen“ den Prix Jacques de Fouchier der Académie française.
Schnapps Forschungsschwerpunkte im Bereich der Altertumswissenschaften sind die Ikonografie und Bildwissenschaft der antiken griechischen Kunst sowie die Kulturgeschichte der Antike, besonders der antiken Städte und Territorien. Ein langjähriger Untersuchungsgegenstand war beispielsweise die bildliche Darstellung der Jagd in der Antike, woraus sowohl die Abschlussarbeit des Hochschulstudiums (1967) als auch seine Habilitationsschrift (1987) entwuchs. Daneben beschäftigt sich Schnapp intensiv mit der Geschichte der Archäologie als Disziplin und ihren Vorgängern im Bereich des Antiquarismus. Sein 1993 erstmals erschienenes Werk „La conquête du passé“ (deutsch: „Die Entdeckung der Vergangenheit“) befasst sich mit der Wahrnehmung der Geschichte sowie der Herausbildung archäologischen Interesses seit dem Alten Orient und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Seit seinem Studium ist Alain Schnapp auch in der Feldforschung tätig und war vor allem an Ausgrabungen in Italien (Metapont, Eboli, Moio della Civitella, Laos) beteiligt. Später wandte er sich allerdings auch der Archäologie Kretas zu und begründete 1994 die bis heute andauernden Ausgrabungen der Französischen Schule Athen in Itanos. Gleichzeitig leitet er ein Forschungsprojekt zur Geschichte dieser Stadt und ihres Territoriums.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schnapp, Alain |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Klassischer Archäologe |
| GEBURTSDATUM | 18. September 1946 |
| GEBURTSORT | Paris |