Erich Dold wurde als eines von acht Kindern des Tuchfabrikanten Heinrich Dold und seiner Ehefrau Leopoldine, geb. Ruff, geboren. Er besuchte Gymnasien in Villingen, in Freiburg im Breisgau und in der Benediktinerabtei Seckau. 1902 trat er in die Erzabtei Beuron ein und nahm den OrdensnamenAlban an. Hier studierte er Theologie, in der Abtei Maria LaachPhilosophie. 1908 wurde er zum Priester geweiht. Während des Ersten Weltkrieges war Dold von 1914 bis 1917 Feldgeistlicher an der Westfront.
1918 wurde Alban Dold zum Direktor des Palimpsestinstituts der Erzabtei in Beuron ernannt. Hier erforschte er alte Handschriften und entwickelte zu diesem Zweck Methoden, überschriebene Texte wieder lesbar zu machen. U.a. vervollkommnete er das von Raphael Kögel OSB erfundene, 1914 erstmals beschriebene Fluoreszenzverfahren zum Fotografieren von Handschriften. Er wurde zu einem „der ersten Fachleute für die Sichtbarmachung und Entzifferung gelöschter Schriften auf Pergament“. Sein wissenschaftliches Werk umfasst rund 100 Monographien und zahlreiche Aufsätze.
Schriften (Auswahl)
Ein vorhadrianisches gregorianisches Palimpsest-Sakramentar in Gold-Unzialschrift. Nebst Zugabe einer unbekannten Homilie über das kanaanäische Weib. Erzabtei Beuron, Beuron 1919
Die Konstanzer Ritualientexte in ihrer Entwicklung von 1482–1721. Aschendorff, Münster 1923
St. Galler und Zürcher vorhieronymianische ProphetenFragmente. Kunstschule der Erzabtei Beuron, Beuron 1923
Zwei Bobbienser Palimpseste mit frühestem Vulgatatext aus Cod. Vat. Lat. 5763 und Cod. Carolin. Guelferbytanus. Anhang: Geschabte Paulustexte der 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts mit einer gleichzeitigen unbekannten Liste paulinischer Leseabschnitte in einer Bobbienser Handschrift (Cod. Vat. Lat. 5755). Kunstschule der Erzabtei Beuron, Beuron 1931
Neuentdeckte Blätter einer unbekannten Bibelhandschrift von Tours. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen, Jg. 48, 1931, S. 169–176.
Donaueschinger Fragmente eines mehrere Bücher umfassenden medizinischen Rezeptars. In: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin, Leipzig, Band 24, Heft 2, 1931, S. 205–219.
Die Zürcher und Peterlinger Messbuch-Fragmente aus der Zeit der Jahrtausendwende im Bari-Schrifttyp mit eigenständiger Liturgie. Kunstschule der Erzabtei Beuron, Beuron 1934
Das älteste Liturgiebuch der lateinischen Kirche. Ein altgallikanisches Lektionar des 5./6. Jahrhunderts aus dem Wolfenbütteler Palimpsest-Codex Weissenburgensis 76. Kunstschule der Erzabtei Beuron, Beuron 1936
Umfangreiche Reste zweier Plenarmissalien des 11. und 12. Jahrhunderts aus Monte Cassino. Typis Polyglottis Vaticanis, Città del Vaticano 1939
Vom Sakramentar, Comes und Capitulare zum Missale. Eine Studie über die Entstehungszeit des erstmals vollständig erschlossenen liturgischen Palimpsest-Texte in Unziale aus Codex 271 von Monte Cassino. Beuroner Kunstverlag, Beuron 1943
Das Prager Sakramentar (Cod. O. 83, Fol. 1–120) der Bibliothek des Metropolitankapitels. Beuroner Kunstverlag, Beuron 1949
Sursum corda. Hochgebete aus alten lateinischen Liturgien. Otto Müller Verlag, Salzburg 1954
Zur ältesten Handschrift des Edictus Rothari, Urfassung des Langobardengesetzes. Zeit und Ort ihrer Entstehung. Kohlhammer, Stuttgart 1955
Das Geheimnis einer byzantinischen Staatsurkunde aus dem Jahre 1351. Aus der Arbeit des Palimpsest-Instituts der Erzabtei Beuron. Beuroner Kunstverlag, Beuron 1958
Das Sakramentar von Salzburg. Seinem Typus nach auf Grund der erhaltenen Fragmente rekonstruiert, in seinem Verhältnis zum Paduanum untersucht. Beuroner Kunstverlag, Beuron 1960
Das irische Palimpsestsakramentar im CLM 14429 der Staatsbibliothek München. Beuroner Kunstverlag, Beuron 1964 (zusammen mit Leo Eizenhöfer)
Die Alban-Dold-Straße in Villingen-Schwenningen ist nach ihm benannt.
Literatur
Franz Xaver Arnold: Ehrung eines verdienten Liturgikers und Palimpsestforschers. P. Alban Dold Dr. h.c. der Universität Tübingen. In: Benediktinische Monatschrift 24 (1948), S. 373–378. [Mit Schriftenverzeichnis von Alban Dold auf S. 376–378]
Bonifatius Fischer, Virgil Ernst Fiala (Hrsg.): Colligere fragmenta. Festschrift Alban Dold zum 70. Geburtstag am 7.7.1952. Beuroner Kunstverlag, Beuron 1952.
Angelus A. Häußling: Alban Dold OSB (1882–1960). In: Benedict Kranemann, Klaus Raschzok (Hrsg.): Gottesdienst als Feld theologischer Wissenschaft im 20. Jahrhundert. Deutschsprachige Liturgiewissenschaft in Einzelporträts. Aschendorff, Münster 2011, ISBN 978-3-402-11261-8, S. 251–255.
Oskar Vasella: † Dr. h.c. P. Alban Dold OSB (1882–1960). In: Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte, Jg. 55 (1961), S. 87f.
12Dold, Erich. Kurzbiographie im Landeskundlichen Informationssystem für Baden-Württemberg (LEO-BW).
↑Art. Dold, Alban. In: Bernd Moeller, Bruno Jahn (Hg.): Deutsche biographische Enzyklopädie der Theologie und der Kirchen (DBETh). Saur, München 2005. ISBN 978-3-598-11666-7. Bd. 1, S. 316.
↑Art. Dold, Alban. In: Frank Leslie Cross, Elizabeth Livingstone (Hg.): The Oxford Dictionary of the Christian Church. Oxford University Press, Oxford, 3. Aufl. 2005. ISBN 978-0-19-280290-3. S. 498.
↑Suso Mayer: Alban Dold. (Kurzbiographie, Literatur, Bibliographie). In: Ders. (Hg.): Beuroner Bibliographie. Schriftsteller und Künstler während der ersten hundert Jahren des Benediktinerklosters Beuron. Beuroner Kunstverlag, Beuron 1963, S. 38–50.
↑Oskar Vasella: † Dr. h.c. P. Alban Dold OSB (1882–1960). In: Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte, Jg. 55 (1961), S. 88.