Nach der Reifeprüfung am Gymnasium in Prenzlau studierte Hurtienne evangelische Theologie in Berlin und Greifswald. Im Anschluss an seine Ordination trat er eine Pfarrstelle in der französisch-reformierten Gemeinde in Strasburg an. 1910 wechselte er nach Französisch Buchholz bei Berlin. Mit seinem Dienstantritt kam es dort zur Zusammenlegung der lutherischen und der französisch-reformierten Pfarrgemeinde. Parallel dazu übernahm er die Betreuung der reformierten Kirche in Bernau.
Konflikt mit dem Nationalsozialismus
In der Frühphase des NS-Regimes stellte er sich öffentlich hinter den Buchholzer Arzt Max Markus (1888–1951), der auf Grund seiner jüdischen Herkunft Zielscheibe staatlicher Repressalien war. Diese Solidarisierung trug Hurtienne scharfe Kritik und Anfeindungen ein.
Im November 1934 wurde Pfarrer Hurtienne deshalb vorzeitig in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Er verstarb im Juli des darauffolgenden Jahres und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Französischen Friedhof II in Berlin.
In Rossow heiratete er 1898 Jenny Bettac (1877–1957), die eine Nichte des Predigers Jean William (1834–1913) in Bergholz war. Sein Sohn Johannes Hurtienne (1899–1974), der der Bekennenden Kirche angehörte, war Pfarrer in Strasburg und sein Enkel Hans-Friedrich Hurtienne (1929–2011) war Pfarrer in Schwedt.
Werner Gahrig: Hugenotten in Berlin und Brandenburg. Historische Spaziergänge. Das Neue Berlin, Berlin 2005, ISBN 978-3-360-01258-6 (Digitalisat: Google Books), S. 172.
Werner Gahrig: Hugenottische Lebensbilder aus Berlin und Brandenburg.Trafo Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89626-587-3, S. 159ff.
↑Seine Eltern waren der Landwirt Jean Hurtienne (1827–1898) und Friederike geb. Laramée (1836–1922). Sämtliche Vorfahren stammten aus dem in sich geschlossenen Heiratskreis einer hugenottischen Kolonie.
↑Richard Béringuier (Hrsg.): Die Colonieliste von 1699. Rôle général des François Refugiez dans les Estats de Sa Sérénité Electorale de Brandenbourg, comme ils se sont trouvez au 31. Décembre 1699. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1888 (Digitalisat: Google Books), S. 215.
↑Richard Béringuier (Hrsg.): Die Französische Colonie. Zeitschrift für Vergangenheit und Gegenwart der französisch-reformirten Gemeinden Deutschlands. 12. Jahrgang, E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1898 (Digitalisat: Google Books).
↑Amtliches Verzeichnis des Personals und der Studierenden der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Wintersemester 1891/92. Berlin 1891 (Digitalisat: Google Books), S. 81.
↑Amtliches Verzeichnis des Personals und der Studierenden der Preußischen Universität zu Greifswald. Sommersemester 1892. Greifswald 1892 (Digitalisat: Google Books), S. 28.
↑Elke Rollig et al.: Von märkischer Derbheit zu französischem Flair. Zur Geschichte des Ortsteils Französisch Buchholz. Herausgegeben vom Kulturamt Pankow, Berlin 2000 (Digitalisat Google Books).
↑Karl-Heinz Gärtner: Berliner Straßennamen. Ein Nachschlagewerk für die östlichen Bezirke. Ch. Links Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-86153-103-8, S. 322.
↑Tochter der Friederike William und des Jean Bettac, Amtsvorsteher und Rittergutsbesitzer in Rossow, der [angeblich] "wenn es sich um die bebaubte Bodenfläche handelt, der größte Tabakbauer Europas" war; vgl. Béringuier, Stammbäume der Mitglieder der Französischen Colonie in Berlin. Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin 1887 (Digitalisat: Google Books), S. 99, 147; ders. 1888, S. 208.