
Alberto Quadrio Curzio (* 25. Dezember 1937 in Tirano, Provinz Sondrio, Italien) ist ein italienischer Wirtschafts- und Politikwissenschaftler, Professor emeritus der Politischen und Wirtschaftswissenschaften an der Università Cattolica del Sacro Cuore (Katholischen Universität des Heiligen Herzens) in Mailand, emeritierter Präsident der Accademia Nazionale dei Lincei.
Nach seinem Universitätsabschluss in Politikwissenschaft im Jahr 1961 an der Università Cattolica in Mailand verbrachte Quadrio-Curzio einen Studienaufenthalt an der Universität Cambridge. Er lehrte ab 1965 an der Universität Cagliari und von 1968 bis 1975 an der Universität Bologna, wo er zum ordentlichen Professor und Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften berufen wurde. Von 1976 bis 2010 war er ordentlicher Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Università Cattolica, wo er das Forschungszentrum für Wirtschaftsanalyse (Centro di ricerche in analisi economica, CRANEC) gründete, das er von 1977 bis 2010 leitete. Ebenfalls an der Università Cattolica war er von 1989 bis 2010 Dekan der Fakultät für Politikwissenschaft.
Seit 2011 ist er emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaft der Università Cattolica Mailand und Präsident des Zentrums CRANEC.
2020–2024 wurde er zum Präsidenten der Internationalen Stiftung Balzan-Preis berufen, bei der er seit 2014 in der Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden tätig war.
Er ist emeritierter Präsident der Accademia Nazionale dei Lincei, deren Mitglied er seit 1996 ist. Hier war er ab 2009 stellvertretender Präsident und Präsident der Klasse der Moral-, Geschichts- und Philologiewissenschaften, von 2015 bis 2018 dann Präsident. Er vertrat die Akademie beim G7 der Wissenschaftsakademien in Deutschland (Berlin 2015) und Japan (Tokio 2016) und organisierte 2017 den G7 der Akademien in Rom, bei dem er auch die Arbeitsgruppe koordinierte, die das “Joint Statement on New Economic Growth: the role of science, technology, innovation, infrastructure” erarbeitet hat. Von 1995 bis 2005 war er Mitglied der Kommission „EIB Prize“ und 2003 Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses der „Lezioni Paolo Baffi di Moneta e Finanza“ der Italienischen Nationalbank.
Er war Mitglied der von Romano Prodi 2002 initiierten Kommission „Reflection Group on the Spiritual and Cultural Dimension of Europe“, welche sich mit der Reflexion über die für den Prozess der Europäischen Einigung besonders bedeutenden Werte beschäftigte. Seine Thesen zum Sozialliberalismus und Solidarismus führten zu einer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Erzbischof von Mailand Carlo Maria Martini.
Im akademischen Jahr 2010/2011 wurde er zum Distinguished Academic Visitor am Queens’ College in Cambridge und zum Gastprofessor am Centre for Financial Analysis & Policy der Judge Business School in Cambridge berufen.
Von 2013 bis 2015 war er Mitglied des Advisory Board des Beirats des Centre for Financial History an der Universität Cambridge. Er war Präsident der Società italiana degli economisti (Italienische Gesellschaft der Wirtschaftswissenschaftler), 10 Jahre lang Vertreter der italienischen Wirtschaftswissenschaftler im Nationalen Forschungsrat CNR, Vorsitzender des Istituto Lombardo Accademia di Scienze e Lettere (Institut für Natur- und Geisteswissenschaften der Lombardei), Mitglied verschiedener italienischer wissenschaftlicher Akademien (Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, Accademia Pontaniana, Accademia delle scienze dell'Istituto di Bologna), der Academia Europaea (2012), der Royal Economic Society.
Er ist Mitglied in den Leitungsgremien des Verlagshauses Il Mulino, des Aspen Institute Italia, der Fondazione Compagnia di San Paolo sowie anderer wissenschaftlicher und kultureller Einrichtungen.
Er war langjähriger Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Päpstlichen Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice (CAPP) mit Sitz im Vatikan; 2017 trat Giovanni Marseguerra seine Nachfolge an.
Er ist Gründer und seit 1984 Direktor der seit 2015 vom Verlagshaus Il Mulino und dem Springer Verlag gemeinsam herausgegebenen Zeitschrift Economia politica. Journal of Analytical and Institutional economics. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher internationaler Zeitschriften. Er hat an vielen Universitäten in Italien und im Ausland Vorlesungen und Seminare abgehalten.
Seit 2019 ist er Botschafter der Organisation für Frauen in der Wissenschaft für die Dritte Welt (OWSD), einer UNESCO-Organisation, die Teil der World Academy of Sciences ist, deren Lenkungsausschuss er angehört.
Seit der zweiten Hälfte der 1980er Jahre schreibt er Leitartikel in der Wirtschafts- und Finanzzeitung Il Sole 24 Ore.
In seiner Jugend war er ein großes Talent der Alpinskifahrt, der in Bormio von Stefano Sertorelli, einem ehemaligen Olympiasieger, trainiert wurde. Neben Gustav Thöni war er der einzige Sportler, der bei den italienischen Jugendmeisterschaften 1955 in allen drei Disziplinen ausgezeichnete Ergebnisse erzielte. Er gab die Skilaufbahn vor den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo auf, um sich dem Studium zu widmen. Für Mario Cotelli (Trainer und Technischer Direktor des italienischen Leistungsskis in den 70er Jahren) nahm A. Quadrio Curzio die später von Jean-Claude Killy angewandte Technik der voneinander unabhängigen Skier und der Umsteigetechnik vorweg.
Quadrio Curzio hat achtzehn Wissenschafts- oder Kulturpreise erhalten.
Seine wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf drei Schwerpunkte:
Ihm wurden zwei Festschriften gewidmet
Er hat mehr als 400 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, darunter viele in englischer Sprache.
In der Datenbank Econlit sind über 100 Einträge zu Artikeln, Aufsätzen und Titeln verzeichnet, die von Alberto Quadrio Curzio verfasst oder herausgegeben wurden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Quadrio Curzio, Alberto |
| ALTERNATIVNAMEN | Quadrio-Curzio, Alberto |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Wirtschafts- und Politikwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 25. Dezember 1937 |
| GEBURTSORT | Tirano, Provinz Sondrio, Italien |