Albrecht Troost

Carl Ferdinand Johann Albrecht Troost (* 23. Dezember 1824 in Mülheim an der Ruhr; † 3. Dezember 1883 in Bendorf) war ein deutscher Industrieller und Hauptaktionär der Louisenthaler Aktien-Gesellschaft für Druckerei, Weberei und Spinnerei. Als erster Bauherr der heutigen Villa Hammerschmidt in Bonn kommt ihm auch eine baugeschichtliche Bedeutung zu.

Leben

Josef Winkelirer: Familie Troost, 1828 – Albrecht Troost auf dem Schoß seiner Großmutter Anna Gertraud Troost, geborene Meisenburg (1770–1844)

Albrecht Troost war ein Sohn des Kommerzienrates Johann Caspar Troost III (1792–1848), Präsident der Mülheimer Handelskammer (1841–1846), und dessen Ehefrau Anna Elisabeth, geborene Gallenkamp (1797–1882). Sein Großvater war Johann Caspar Troost II, der Gründer der Textilfabrik J. Caspar Troost. Nach dem Tod des Vaters (1848) übernahmen er und sein Bruder Maximilian (1819–1863) den väterlichen Betrieb, das Textilunternehmen C. & F. Troost. 1849 wurde Maximilian Mitglied der Mülheimer Handelskammer, ab 1853 firmierte er als Generaldirektor, während Albrecht ab 1849 das gesamte Familienvermögen verwaltete. Beide widmeten sich auch weiteren kaufmännischen Geschäften, etwa indem sie sich 1853 an der Gründung der Mülheimer Dampfschleppschifffahrts-Gesellschaft beteiligten.

Bis 1857 schafften die Brüder für ihr Unternehmen verstärkt Dampfmaschinen an, um im zunehmenden Wettbewerb der Textilindustrie zu bestehen. 1856 überführten er und sein Bruder das Familienunternehmen in die Louisenthaler Aktien-Gesellschaft für Druckerei, Spinnerei und Weberei. In Form einer Aktiengesellschaft war es ihnen möglich, zusätzliches Kapital für die Modernisierung des Unternehmens zu mobilisieren und es in Preußen in eine führende Stellung zu bringen. Der Bankier David Hansemann und der Wirtschaftsfachmann Alexander von Sybel, der in die Direktion des Unternehmens eintrat, unterstützten die Brüder bei dieser Entwicklung. Persönlich leitete Albrecht Troost ab 1856 die Kattunweberei und Kattundruckerei des Unternehmens, 1861 ließ er sich in die Direktion der Louisenthaler Aktien-Gesellschaft wählen.

1854 gründete Albrechts Bruder Maximilian zusammen mit Heinrich Coupienne und acht weiteren Männern die „Zehntgesellschaft“, ein Pionierunternehmen des Ruhrbergbaus und Mülheimer Kohlenhandels. Hierzu veräußerte jener seine Aktien an der Louisenthaler Aktien-Gesellschaft, die 1866 in Liquidation ging, nachdem während des Amerikanischen Bürgerkriegs Probleme bei der Belieferung mit Baumwolle aufgetreten waren.

Nach dem Vorbild seines Bruders Maximilian, der 1856 das Rittergut Hornoldendorf bei Detmold erworben hatte und sich 1862 zusammen mit Alexander von Sybel aus dem Direktorium der Louisenthaler Aktien-Gesellschaft zurückzog, begann auch Albrecht Troost bald mit einem Rückzug aus der Textilindustrie und einem Leben als Rentier. 1860 kaufte er ein 17.329 m² großes Grundstück bei Bonn, südlich vor dem Koblenzer Tor, zwischen der Koblenzer Straße im Westen und dem Rhein im Osten. Dort ließ er von dem Architekten und Universitätsbaumeister August Dieckhoff die Villa Troost im spätklassizistischen Stil errichten. Die später mehrfach umgebaute Villa ist heute ein Sitz des deutschen Bundespräsidenten.

Am 25. August 1863 heiratete Albrecht Troost auf Schloss Falkenlust Jane Alicia Louisa „Jenny“ Giesler (* 17. November 1839 in Brühl; † 14. November 1867 in Bonn), eine Tochter des Brühler Kaufmanns Friedrich Giesler, die drei Kinder gebar: Artur (* 1864; † 13. August 1867 in Brühl), Alice (* 6. Mai 1866) und Friedrich Edmund (* 20. Mai 1867; 21. Dezember 1910 in Halensee bei Berlin). Eine Tragödie überschattete bald sein Familienleben. Am 13. August 1867 ertrank der dreijährige Sohn Artur im Großen Bassin von Schloss Augustusburg. Schwermütig geworden, ertränkte sich Albrechts Gemahlin am 14. November 1867 im Rhein. Kurz darauf entschloss sich Troost, fortzuziehen und seine Villa am Rhein zu verkaufen.

Albrecht Troost starb wenige Tage vor Vollendung des 59. Lebensjahrs in Bendorf. Er wurde in Bonn bestattet.

Sein Sohn Edmund beschritt eine Offizierskarriere im Deutschen Heer. 1897 bekleidete er den Rang eines Oberleutnants und war als Angehöriger der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika à la suite gestellt. Bekannt wurde Edmund Troost, der sich als Kunstmaler und für einige Jahre als Reeder des Übersee-Liniendampfers Leutwein profilierte, auch durch Einführung des Dampflokomobils Martin Luther nach Swakopmund. Am 30. Oktober 1909, gut ein Jahr vor dem Tod im Alter von 43 Jahren, gründete er mit seinem Cousin Hjalmar von Mörner und drei weiteren Partnern eine Aktiengesellschaft zum Bau und zur Vermarktung von touristischen Immobilien in Rimini.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf. Nr. 37 vom 5. Juli 1853, S. 342 (Google Books)
  2. ↑ Königlich-Preußischer Staats-Anzeiger. Nr. 6 vom 8. Januar 1856 (Google Books)
  3. ↑ Ulrich S. Soénius: Wirtschaftsbürgertum im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Familie Scheidt in Kettwig, 1848–1925 (= Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Band 40). Dissertation Universität zu Köln 1999, Köln 2000, S. 50
  4. ↑ Louisenthaler Actien-Gesellschaft für Druckerei, Weberei und Spinnerei. In: National-Zeitung, Beiblatt zu Nr. 235 vom 24. Mai 1861 (Google Books)
  5. ↑ Heinz-Edgar Fischersworring: Textil- und Bekleidungsindustrie im Ruhrgebiet unter besonderer Berücksichtigung der Veränderung der Standortfaktoren. Dissertation Universität Duisburg Essen, 2007, Teil 1, S. 109 f. (PDF)
  6. ↑ Georg Wilhelm von Viebahn: Statistik des zollvereinten und nördlichen Deutschlands. Teil 3: Thierzucht, Gewerbe, Politische Organisation. Verlag von Georg Reimer, Berlin 1868, S. 871 (Google Books)
  7. ↑ Louisenthaler Aktien-Gesellschaft für Druckerei, Weberei und Spinnerei in Mülheim a. d. Ruhr. – Dritte Beilage des Aktionärs, Nr. 443 (15. Juni 1862). In: Hermann Scherer (Hrsg.): Der Aktionär. Central-Organ der Fonds- und Aktien-Besitzer in Eisenbahnen, Versicherungen, Banken und industriellen Unternehmungen, nebst Anzeiger für Amerikanische Fonds und Effekten und Frankfurter Allgemeiner Verlosungsanzeiger. 9. Jahrgang (Januar–Dezember 1862), Frankfurt am Main 1862, S. 377 (Google Books)
  8. ↑ Lambert of Garratts Hall. (…) Jane Alicia Louisa. In: Bernard Burke: History of the Landed Gentry in Great Britain & Ireland. A Genealogical and Heraldic History of the Landed Gentry of Great Britain & Ireland. 2 Bände, 9. Ausgabe, Harrison & Sons, London 1898, S. 861 (Google Books)
  9. ↑ Kirsten Jüngling, Brigitte Roßbeck: Elly Heuss-Knapp (1881–1952). Die erste First Lady. Ein Portrait. Salzer, Heilbronn 1994, ISBN 978-3-7936-0328-3, S. 280
  10. ↑ Ruth Bahn-Flessburg: Leidenschaft mit Augenmaß. Fünf Jahre mit Hilda und Gustav Heinemann. Chr. Kaiser, München 1984, ISBN 978-3-459-01564-1, S. 39
  11. ↑ Kurd Schwabe: Mit Schwert und Pflug in Deutsch-Südwestafrika. Vier Kriegs- und Wanderjahre. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1899, S. 282 (Google Books)
  12. ↑ Constituzione della „Società anonima Bagni di Rimini“, in Milano. In: Bolletino Uffiziale delle Società per Azioni. Anno XXVII – Fasciolo XLIV (4 novembre 1909). Teil 1: Atti constitivi, modificativi, ecc. S. 13–22, Nr. 7516 (Google Books)