
Alessandro Bustini (* 24. Dezember 1876 in Rom; † 3. Juni 1970 ebenda) war ein italienischer Komponist, Pianist und Dirigent. Er lehrte Komposition am Konservatorium Santa Cecilia in Rom, wo unter anderem Goffredo Petrassi, Guido Turchi und Bruno Maderna zu seinen Schülern gehörten, und war von 1952 bis 1964 Präsident der Accademia Nazionale di Santa Cecilia.
Bustini wurde als Sohn von Caterina Gessari unter dem Familiennamen der Mutter registriert; später adoptierte ihn Saturnino Bustini, der 1887 seine Mutter heiratete, und 1909 erhielt er die Erlaubnis, allein den Namen Bustini zu führen. Er studierte am Liceo musicale di Santa Cecilia bei Giovanni Sgambati (Klavier), Stanislao Falchi (Komposition) und Remigio Renzi (Orgel). Das Klavierdiplom erwarb er 1896; im folgenden Jahr schloss er auch die Studiengänge Komposition und Orgel ab und erhielt dafür eine ministerielle Auszeichnung. Schon als Student trat er in den Salons der römischen Aristokratie und des Bürgertums auf; ab 1899 erschien er regelmäßig in den Konzertprogrammen von Santa Cecilia, teils als Pianist, teils als Komponist der aufgeführten Werke.
Seine Lehrtätigkeit am römischen Konservatorium begann am 2. Dezember 1902, als ihm nach einem Auswahlverfahren der Unterricht im Nebenfach Klavier und im Partiturspiel für die Kompositionsstudenten übertragen wurde. Zehn Jahre später bestand er auch das Auswahlverfahren für Harmonielehre und Kontrapunkt, nahm die Stelle jedoch nicht an. Zwei weitere im Wettbewerb errungene Berufungen blieben ebenfalls ungenutzt: der Lehrstuhl für Komposition am Konservatorium von Neapel 1914 und die Leitung des Konservatoriums von Florenz 1928. Beide lehnte er ab, um seine Schüler in Rom weiter betreuen zu können. Ab dem 1. Juli 1919 war er, wiederum nach einem Auswahlverfahren, ordentlicher Professor für Klavier.
Die bedeutendste Stelle war der Lehrstuhl für Kontrapunkt, Fuge und Komposition am Konservatorium Santa Cecilia, den er von 1925 bis zum Ende des Studienjahres 1939/40 innehatte. Aus seiner Klasse gingen Musiker hervor, die die italienische Musik des 20. Jahrhunderts prägen sollten, darunter Goffredo Petrassi, Guido Turchi, Bruno Maderna und Carlo Maria Giulini. Die Verbindung zu Petrassi entstand auf ungewöhnliche Weise: Bustini hörte den Jugendlichen im Hinterzimmer des Musikaliengeschäfts spielen, in dem dieser als Verkäufer angestellt war, gab ihm wöchentlich private Klavierstunden und schickte ihn für Harmonielehre und Kontrapunkt zu Vincenzo Di Donato und später zu Cesare Dobici; nachdem er ihm 1928 zur Aufnahme ins Konservatorium verholfen hatte, unterrichtete er ihn in Komposition bis zum Diplom im Studienjahr 1931/32, das Petrassi in allen Prüfungen mit der Höchstnote abschloss. Petrassi widmete ihm seine Partita für Orchester, die 1934 bei Ricordi erschien, und verfasste 1940 ein Porträt seines Lehrers. Im November 1937 nahm Bustini nach einer Prüfung seiner Kenntnisse auch Bruno Maderna in seine Klasse auf, der dafür von Mailand nach Rom zog.
Nach dem Ausscheiden aus dem Lehramt trat er am 1. September 1940 als Zentralinspektor erster Klasse in die Generaldirektion der Künste des Ministeriums ein; um diesen Wechsel hatte er selbst gebeten, unterstützt vom Präsidenten der Accademia di Santa Cecilia, dem Grafen Enrico di San Martino Valperga. Bereits in den Jahren zuvor hatte das Ministerium ihn mit Prüfungen und Gutachten über die Musikschulen des Königreichs sowie über italienische Schulen im Ausland, in Alexandria und Tunis, beauftragt. 1954 wurde er zum emeritierten Professor ernannt.

Neben der Lehrtätigkeit war Bustini als Interpret aktiv. Er trat als Solist und als Pianist des Quartetto romano auf und begleitete einige der bekanntesten Instrumentalisten seiner Zeit im Duo, darunter Pablo de Sarasate, Joseph Joachim, Eugène Ysaÿe, David Popper, Hugo Becker und Pablo Casals. Diese Konzerte, in die er häufig eigene Werke aufnahm, fanden im Akademiesaal von Santa Cecilia und ab 1909 im Augusteo statt. Häufig trat er auch mit der Geigerin Gioconda Striglia, seiner späteren Frau, auf, etwa 1904 und 1906 in der Sala Costanzi in Rom.
Schon früh wandte er sich auch dem Dirigieren zu: 1906 begleitete er Arturo Toscanini als dessen erster Assistent zur Opernsaison am Teatro Colón in Buenos Aires, später leitete er von 1914 bis zu seinem Verzicht 1924 die Orchesterübungen des römischen Konservatoriums. Drei von ihm dirigierte Aufführungen werden besonders hervorgehoben. Am 14. März 1923 brachte er im Pantheon bei der Gedenkfeier für König Umberto I. die A-cappella-Messa da requiem von Ildebrando Pizzetti zur Aufführung, wenige Tage später, am 23. März, dirigierte er in der Accademia Filarmonica Romana das Stabat Mater von Lorenzo Perosi. Am selben Ort leitete er am 14. April 1930 die italienische Erstaufführung des Stabat Mater von Joseph Haydn, dessen Continuo er selbst ausgesetzt hatte.
Am 27. Januar 1904 wurde er Mitglied der Accademia di Santa Cecilia, deren Vizepräsident er 26 Jahre später, im Januar 1930, wurde; im folgenden Jahr trat er in das Gremium ein, das die Akademiekonzerte verwaltete. Außerdem leitete er in zwei Amtszeiten von insgesamt fünf Spielzeiten, darunter jener von 1922, die künstlerische Programmgestaltung der Accademia Filarmonica Romana und war von 1934 bis 1936 an der Leitung des Teatro dell’Opera di Roma beteiligt.
Als die Akademie im Juli 1944 unter kommissarische Verwaltung gestellt wurde, verlor Bustini seine Ämter. Er erhielt sie im März 1947 zurück, als die Leitung der Akademie wieder den Akademiemitgliedern übertragen wurde. Am 29. November 1947 ernannte ihn der Unterrichtsminister als Nachfolger von Gastone Rossi-Doria zum außerordentlichen Kommissar des Konservatoriums Santa Cecilia; dieses Amt hatte er bis 1950 inne.
Am 9. Februar 1952 wählte ihn die Accademia Nazionale di Santa Cecilia zum Präsidenten; er folgte auf Ildebrando Pizzetti, sein Nachfolger wurde Guido Guerrini. Noch 1952 gründete er die Zeitschrift der Akademie, Santa Cecilia, deren erste Nummer am 15. Juni erschien; 1955 wurde er als Präsident wiedergewählt, und 1956 unterzeichnete er die Ernennung von Dmitri Schostakowitsch zum Ehrenmitglied. Das Hauptproblem seiner Amtszeit war das Fehlen eines Konzertsaals: Seit Kriegsende waren die Sinfoniekonzerte provisorisch im Teatro Argentina untergebracht. Die Lösung war das Auditorium in der Via della Conciliazione, das am 28. Oktober 1958 eröffnet wurde. 1956 verlieh ihm die Akademie ihre Medaille, 1959 wurde er zum Vorsitzenden einer Sektion des Obersten Rates für das öffentliche Bildungswesen berufen. Gesundheitliche Probleme veranlassten ihn, im März 1964 das Präsidentenamt niederzulegen; er unterrichtete jedoch weiterhin.
Bereits 1915 war er Ritter des Ordens der Krone von Italien, des Ordens der Heiligen Mauritius und Lazarus, des portugiesischen Christusordens und des serbischen Sankt-Sava-Ordens; später erhielt er den Rang eines Großoffiziers. Er erhielt die Goldmedaille für Verdienste um Schule, Kultur und Kunst und starb 1970 in Rom. Sein musikalischer Nachlass bildet einen der Bestände der Bibliothek der Accademia Nazionale di Santa Cecilia.

Am 23. August 1906 heiratete Bustini die Geigerin Gioconda Striglia (* 1884), mit der er bereits konzertiert hatte; nach der Hochzeit gab sie ihre Konzertlaufbahn auf. Die Argentinien-Tournee mit Toscanini im selben Jahr diente zugleich als Hochzeitsreise. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor: Elsa (* 1908) und die Zwillinge Maria Luisa, genannt Marisa, und Maria Letizia (* 1913). Die Familie lebte in Rom in der Viale Carso und verbrachte die Sommerfrische in Santa Marinella.
Bustinis Schaffen umfasst Orchester-, Kirchen-, Kammer- und Vokalmusik sowie Bühnenwerke.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bustini, Alessandro |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Komponist, Pianist und Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 24. Dezember 1876 |
| GEBURTSORT | Rom |
| STERBEDATUM | 3. Juni 1970 |
| STERBEORT | Rom |