
Alexander Alexandrowitsch Bogdanow (russisch Александр Александрович Богданов); eigentlich Alexander Alexandrowitsch Malinowski; * 10. Augustjul. / 22. August 1873greg. in Sokalko; † 7. April 1928 in Moskau war ein russischer Philosoph, Ökonom, Soziologe, Arzt und Verfasser utopischer Romane. Als Mediziner war er ein Pionier der Bluttransfusion, als Sozialdemokrat war er Mitbegründer der Bolschewiki. Sein Deck- bzw. Kampfname war Maximow.
Bogdanow, Sohn eines Landlehrers, war das zweite von sechs Kindern. 1892, nach einem brillanten Gymnasialabschluss in Tula, begann er ein naturwissenschaftliches Studium an der Moskauer Universität, wo er aber bald wegen verbotener politischer Betätigung vom Studium ausgeschlossen, verhaftet und nach Tula verbannt wurde. Dort lebte er anschließend mehrere Jahre und studierte als Externer in dieser Zeit Medizin an der Universität Charkiw. 1899 legte er das Examen ab.
In Tula beteiligte er sich an der Arbeit sozialdemokratischer Zirkel und war ab 1896 Mitglied der SDAPR. Nach dem II. Parteitag der SDAPR 1903 schloss er sich den Bolschewiki an. Auf dem III. Parteitag 1905 wurde er zum Mitglied des ZK gewählt. Dort war er Mitglied der Finanzgruppe und verantwortlich für die Literatur-Arbeit. Bogdanow gehörte zur Redaktion der Zeitungen Wperjod (Vorwärts), Proletari (Der Proletarier) und Nowaja Schisn (Neues Leben). Er nahm 1907 am V. (Londoner) Parteitag der SDAPR teil.
Zwischen 1904 und 1906 publizierte er drei Bände des philosophischen Werkes Empiriomonismus, in welchem er versuchte, den Marxismus mit den Philosophien von Ernst Mach, Wilhelm Ostwald und Richard Avenarius zu verbinden. Seine spätere Arbeit beeinflusste viele marxistische Theoretiker, einschließlich Nikolai Bucharin. Gegen Bogdanows Empiriomonismus verfasste Lenin die philosophische Schrift Materialismus und Empiriokritizismus (1910), in der er Bogdanow des Idealismus als reaktionärer Philosophie beschuldigte. Bogdanow antwortete mit der Schrift Glauben und Wissenschaft, welche erst 2023 in deutscher Sprache veröffentlicht wurde.
Diese Auseinandersetzung war Teil der ideologischen und machtpolitischen Konflikte mit Lenin nach der gescheiterten Revolution von 1905/1907. Bogdanow gründete 1909 die Zeitung Wperjod (Vorwärts) neu und stand an der Spitze der Otsowisten. Da er sich gegen die Linie der Partei wandte, wurde er bei einer Mini-Konferenz in Paris, die von der erweiterten Redaktion des Proletari organisiert worden war, aus der Partei ausgeschlossen. Die wperjodistischen Bolschewiki verstanden sich als die wahren Bolschewiki und hatten zunächst ebenso viel Zulauf wie die leninistische Linie. Sie gründeten 1909 die Parteischule in Capri, die mit Hilfe von Maxim Gorki zustande kam. In dieser Zeit lebte Bogdanow im Exil in Europa.
Bogdanow zog sich 1912 aus der aktiven Politik zurück, eine Amnestie 1913 ermöglichte ihm die Rückkehr nach Moskau. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war er als Arzt an der Front tätig, danach als Chirurg an einem Krankenhaus für Evakuierte.
1917 gründete er mit Lunatscharski, Pokrowski, Basarow und Skworzow die Sozialistische Akademie für Gesellschaftswissenschaften und wurde Mitglied der Kommission für die Übersetzung und Herausgabe der Marx-Engels-Werke. Ab 1918 war er Haupttheoretiker und einer der Organisatoren der „proletarischen Kultur“ (Proletkult), in der der Arbeiterschaft eine eigenständige Kultur- und Bildungsbewegung ermöglicht werden sollte. Außerdem versuchte er, eine eigene Organisationstheorie der industriellen Organisationsformen zu erstellen.
Ab 1920 arbeitete Alexander Bogdanow als Professor für politische Ökonomie an der Kommunistischen Akademie, deren Leiter er wurde. Ab 1926 bekleidete er den Posten des Direktors des von ihm gegründeten Instituts für Bluttransfusionen. Bogdanow war Anhänger des Immortalismus und betrachtete den wiederholten Blutaustausch als eine Art „medizinischen Jungbrunnen“. Er führte zu wissenschaftlichen Zwecken zwölf Transfusionen an sich selbst durch. 1928 starb er bei einem solchen Selbstversuch, bei dem er sich das Blut eines Studenten injiziert hatte, der an Malaria und Tuberkulose erkrankt war.
Alexanders Schwester, Anna Alexandrowna Malinowskaja, war von 1902 bis 1922 mit Anatoli Lunatscharski verheiratet. Das Paar hatte eine Tochter, Irina Lunatscharski.
Seine monumentale Tektologie, eine breit angelegte Theorie der Weltorganisationsdynamik kann zugleich als Systemtheorie, als Krisen- und Katastrophentheorie, als Theorie der Nachhaltigkeit und als globale Kulturtheorie gelten. Zentraler Begriff dieses Werks ist die Organisation. Sie sei sichtbar in einfachsten Elementen bis hinauf zur wissenschaftlichen Erkenntnis, die für Bogdanow kollektiv organisierte Erfahrung ist. Er übte damit starken Einfluss auf den Kybernetiker Nobert Wiener und den Systemtheoretiker Ludwig von Bertalanffy aus, sowie auf den gegenwärtigen strukturellen Realismus.
Bogdanow verfasste zwei futuristische Erzählungen, die er 1908 veröffentlichte. Sein Roman Der rote Stern ist eine sozialistische Utopie, in der ein Idealstaat beschrieben wird, der auf den Menschen ausgerichtet ist und ihm dennoch alle Freiheit lässt. Auch feministische Themen sind darin präsent. Kim Stanley Robinson ließ sich für seine Novelle Roter Mars durch Bogdanow inspirieren und schuf auch einen ihm ähnlichen Charakter seines Namens.
Ein wichtiges Anliegen bestand für Bogdanow darin, die Menschheit vor dem Unterschreiten eines kulturellen Standards zu bewahren und zu verhindern, dass es zu einer globalen Nivellierung und Anpassung nach unten kommt. Er befürchtete einen Rückfall der Zivilisationen in die elementare Barbarei. Dem setzte er sein Ideal von Brüderlichkeit und dem Mut zum Teilen entgegen.
„Ich persönlich kenne bis jetzt in der Literatur nur einen einzigen Empiriomonisten, nämlich einen gewissen A. Bogdanow. Den aber kenne ich dafür sehr gut, und ich kann garantieren, dass seine Auffassungen durchaus der sakramentalen Formel von der Ursprünglichkeit der Natur gegenüber dem Geist entsprechen.“

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bogdanow, Alexander Alexandrowitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Malinowski, Alexander Alexandrowitsch; Bogdanov, Aleksandr; Богданов, Александр Александрович (russisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | russischer Philosoph, Ökonom, Soziologe, Arzt |
| GEBURTSDATUM | 22. August 1873 |
| GEBURTSORT | Sokalko |
| STERBEDATUM | 7. April 1928 |
| STERBEORT | Moskau |