Alexander Leonidowitsch Dworkin

Alexander Dworkin

Alexander Leonidowitsch Dworkin (russisch Александр Леонидович Дворкин, wiss. Transliteration Aleksandr Leonidovič Dvorkin, auch Alexander Dvorkin; geb. 20. August 1955 in Moskau) ist ein in den Vereinigten Staaten ausgebildeter russischer Historiker, Theologe, Experte für neue religiöse Bewegungen in Russland und eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens.

Biografie

Alexander Dworkin wurde 1955 in Moskau geboren. Er emigrierte 1977 während des Kalten Krieges von Russland in die USA. Den Angaben bei Willy Fautré und Regis Dericquebourg zufolge beklagte er, dass er in den 1970er-Jahren als Jude verfolgt wurde. Im Jahr 1980 schloss er sein Studium an der New York University mit einem Bachelor in russischer Literatur ab. Er wurde am 19. Januar 1980 in der Christ the Savior Church in New York City (Orthodoxe Kirche in Amerika, OCA) getauft und setzte sein Studium am St. Vladimir’s Orthodox Theological Seminary fort, das er 1983 mit einem Abschluss in Theologie verließ. 1988 verteidigte er seine Doktorarbeit Iwan der Schreckliche als religiöser Typ (engl.) an der Fordham University, einer privaten Jesuitenuniversität in New York, unter der Betreuung von John Meyendorff.

Von 1988 bis 1991 arbeitete er als Autor und Ansager für den staatlichen US-amerikanischen Auslandssender Voice of America in Washington, D.C. und anschließend als Nachrichtenredakteur für das US-finanzierte Radio Liberty in München.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion kehrte er am 31. Dezember 1991 nach Russland zurück und begann im März 1992 in der Abteilung für Religionsunterricht und Katechese der Russisch-Orthodoxen Kirche zu arbeiten.

Seit 1993 ist er Leiter des „Zentrums für Religionswissenschaft im Namen des heiligen Märtyrers Irenäus von Lyon“. Dieses Zentrum ist korrespondierendes Mitglied der Europäischen Föderation der Forschungs- und Informationszentren zu Sektenfragen (FECRIS).

Von 1993 bis 1999 war er Professor für Kirchengeschichte an der 1992 gegründeten Russischen Orthodoxen Universität in Moskau. Von 1999 bis 2012 war er Professor und Leiter der Abteilung für Sektenstudien der Moskauer Orthodoxen Universität St. Tichon für Geisteswissenschaften (PSTGU). Derzeit ist er Professor in der Abteilung für Missiologie an der PSTGU.

Er ist Vizepräsident des Dialog-Zentrums des Internationalen Instituts für das Studium des zeitgenössischen Sektierertums und Mitglied des Verwaltungsrats der FECRIS. Er ist Chefredakteur der antisektiererischen Beilage der Zeitschrift des Moskauer Patriarchats Prosrenije (russisch Прозрение, Prozrenie).

Der russische Politiker und ehemalige Justizminister Alexander Wladimirowitsch Konowalow war sein Student an der Orthodoxen St.-Tichon-Universität für Geisteswissenschaften.

Dworkin wurde mehrfach durch die Russisch-Orthodoxe Kirche ausgezeichnet.

Dworkins Aktivitäten und Arbeiten wurden in den Medien von einigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und in Veröffentlichungen von Religionswissenschaftlern kritisiert, die seinen Ansatz als konfessionell und mit der säkularen Religionswissenschaft wenig gemein verorteten. Einige Forscher verbinden Dworkins Namen mit der Verbreitung des Begriffs „totalitäre Sekte“ («тоталитарная секта»).

Dworkin forderte die Strafverfolgungsbehörden auf, den Aktivitäten von Sekten mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ihm zufolge werde das Bewusstsein der Russen heute von etwa 80 großen und tausenden kleinen Sekten manipuliert, darunter die sogenannten „Pseudo-Orthodoxen“. Dworkin zählt dazu die Anastasia-Sekte unter der Führung von Wladimir Megre, die die von Sergei Torop gegründete Kirche des Letzten Testaments, die zuweilen „Wissarion-Sekte“ genannt wird, in der Region Krasnojarsk, die „Opritschnina-Bruderschaft“ von Nikolai Koslow und Andrei Alexejewitsch Schtschedrin (Андрей Алексеевич Щедрин) in der Oblast Jaroslawl sowie die Anti-INN (ИНН)-Bewegung, Gruppen, die die Heiligsprechung von Iwan dem Schrecklichen, Grigori Rasputin und sogar Josef Stalin befürworteten.

Alexander Dworkin initiierte unter anderem das Gerichtsverfahren zum Verbot der Bhagavad-Gita-Ausgabe der Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON), der Bhagavad-gītā, wie sie ist, in Russland. Am 24. März 2018 wies das russische Berufungsgericht die Petition Dworkins zurück und bestätigte die Entscheidung der Vorinstanz.

Auszeichnungen (Auswahl)

Kirchlich:

Zitat

«Православные — не лучше всех. Если бы они были лучше всех, весь мир давно стал бы православным. Может быть, мы даже хуже всех. А вот Православие — точно единственный прямой путь к Богу.»

„Die Orthodoxen sind nicht besser als alle anderen. Wenn sie besser wären als alle anderen, wäre die ganze Welt schon längst orthodox geworden. Vielleicht sind wir sogar schlimmer als alle anderen. Aber die Orthodoxie ist definitiv der einzige direkte Weg zu Gott.“

Publikationen (Auswahl)

Der Webseite der Russisch-Orthodoxen Kirche, patriarchia.ru, zufolge ist er Autor von fünfzehn Büchern; die bekanntesten sind Сектоведение: тоталитарные секты („Sektologie: Totalitäre Sekten“) und Очерки по истории Вселенской Православной Церкви („Aufsätze zur Geschichte der Ökumenischen Orthodoxen Kirche“). Außerdem hat Dworkin vier weitere Bücher herausgegeben sowie bei etwa 800 Publikationen in 17 Sprachen („800 публикаций на 17 языках“) mitgewirkt.

Kirchengeschichte und Theologie

Neue religiöse Bewegungen und Kulte

Übersetzungen

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. ↑ Regis Dericquebourg: FECRIS: European Federation of Research and Information Centers on zu Sectarianism. S. 112.
  2. ↑ Christ the Savior Orthodox Church. Abgerufen am 31. August 2021 (englisch, russisch).
  3. ↑ Alexander Leonidowitsch Dworkin: Ivan the Terrible as a religious type. A study of the background, genesis and development of the theocratic idea of the first Russian Tsar, and his attempts to establish "free autocracy" in Russia. 1988, abgerufen am 18. September 2023 (englisch).
  4. ↑ Artikel „Отдел религиозного образования и катехизации Русской православной церкви“ in der russischsprachigen Wikipedia.
  5. ↑ Willy Fautré, Régis Dericquebourg: FECRIS: Europäische Föderation der Forschungs- und Informationszentren zu Sektenfragen. Lit Verlag GmbH & Co. KG, 2013, ISSN 1438-955X.
  6. 1 2 3 Дворкин Александр Леонидович. In: patriarchia.ru. Abgerufen am 31. August 2021 (russisch).
  7. ↑ Orthodoxe St. Tikhon Universität für Geisteswissenschaften. Abgerufen am 18. September 2023.
  8. ↑ Jekatarina Dobrynina (Екатерина Добрынина): Директор в стиле техно «Крепких хозяйственников» скоро сменят технократы, считает полпред президента в Приволжье Александр Коновалов. In: Rossijskaja gaseta. 19. Juli 2007, abgerufen am 31. August 2021 (russisch, Interview mit Alexander Wladimirowitsch Konowalow).
  9. ↑ Roman Lunkin (Роман Лункин): Два кривых зеркала. В России сильно ругают либо «сектантов», либо за употребление слова «сектанты». In: Портал-Credo.Ru. 21. Dezember 2006, archiviert vom Original am 26. Dezember 2014 (englisch).
    Alexej Murawjow (Алексей Муравьев), Michail Sitnikow (Михаил Ситников): Дворкин Александр Леонидович – профессор, «сектовед», руководитель так называемой Российской ассоциации центров изучения религии и сект. In: Портал-Credo.Ru. 29. März 2017, abgerufen am 31. August 2021 (englisch).
  10. ↑ Russia religion news | Orthodox sect-fighter riles Hindus
  11. 1 2 Митрополит Челябинский Иов обеспокоен распространением в епархии культа «отрока Вячеслава». In: klikovo.ru. 19. November 2007, abgerufen am 31. August 2021 (russisch, „Metropolit Job von Tscheljabinsk ist besorgt über die Verbreitung des Kultes des ‚Jungen Wjatscheslaw‘ (1982–1993) in der Diözese“).
  12. ↑ Zur Religiosität der politisch Orthodoxen vgl. z. B. Anastasia V. Mitrofanova: The Politicization of Russian Orthodoxy: Actors and Ideas (= Soviet and post-Soviet politics and society; 13). ibidem, Stuttgart, 2012, ISBN 3-89821-481-8, S.132 ff.
  13. ↑ Russian court dismisses plea seeking ban on Gita. In: NDTV. 21. März 2012, abgerufen am 31. August 2021 (englisch).
    Russian Legal Information Agency (RAPSI) (Hrsg.): Prosecutors won’t contest court refusal to declare ‘Bhagavad Gita As It Is’ extremist. In: RIA Novosti. 29. Mai 2012, abgerufen am 31. August 2021 (englisch).
  14. ↑ Александр Леонидович Дворкин: Цитаты. In: ru.wikiquote.org. Abgerufen am 30. August 2021 (russisch).
  15. ↑ Очерки по истории Вселенской Православной Церкви. In: Cедмица.RU. 2006, abgerufen am 30. August 2021 (russisch, Auszug).
  16. ↑ Artikel Крашенинников, Вячеслав Сергеевич (1982–1993) in der russischsprachigen Wikipedia.