Der Kaufmannssohn studierte ab 1905 Mathematik, Physik, Biologie und Philosophie in Tübingen, Berlin, Göttingen und Halle (Saale). Während seines Studiums wurde er Mitglied beim Verein Deutscher Studenten Tübingen. Nach seiner Promotion wurde er 1909 Lehrer im LanderziehungsheimIlsenburg. Seit dem 1.Oktober 1911 war er Lehrer und stellvertretender Leiter des Landerziehungsheims Schloss Bieberstein in Hessen. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Leutnant in einem Reserve-Feldartillerie-Regiment teil. 1919 übernahm er aufgrund testamentarischer Verfügung von Hermann Lietz (1868–1919) die Oberleitung der Hermann-Lietz-Schulen. Deren Heime überführte er 1920 in die neu eingerichtete Stiftung „Deutsche Landerziehungsheime Hermann Lietz-Schulen“. Er gründete neue Landerziehungsheime: 1923 Schloss Ettersburg in Thüringen, 1924 Schloss Buchenau in Hessen, 1928 die HLS auf der Insel Spiekeroog und 1941 Schloss Hohenwehrda in Hessen. Er bewahrte und führte das Erbe von Hermann Lietz fort.
Da Andreesen Oberleiter der Landerziehungsheime in der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus war und seine Haltung zum NS-System nicht immer eindeutig nachvollziehbar, ist seine Führungsaktivität nach 1933 umstritten. Bisherige Forschungen haben nur gewissen Sachverhalte untersucht, ohne sie eindeutig zuzuordnen. So zieht etwa Jürgen Oelkers ganz generell den Schluss, dass „…die Lietzschen Landerziehungsheime unter der Leitung von Alfred Andreesen sehr schnell nationalsozialistisch wurden“. Andreesen trat 1933 der SA und zum 1. Mai 1937 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 4.196.520).
Schriften
Eine ausführliche Liste von Schriften von Andreesen findet sich bei Ralf Koerrenz.
Die Deutschen Landerziehungsheime, Schloss Bieberstein i.d.Rhön: [s.n.], [um 1920].
Die Arbeitsschule und die Deutschen Land-Erziehungsheime, Veckenstedt a.Harz: Verlag Landwaisenheim, [1921].
Gutachten in der Strafsache gegen von Lützow, Berlin NW 7, Georgenstr.46a: Hensel & Co., 1926.
Die humanistischen Bildungsziele der deutschen Landerziehungsheime, Veckenstedt a.Harz: Verlag Landwaisenheim, 1926.
Deutsche Politik / 17.Deutsche Volkserziehung, 1926.
Das Landerziehungsheim, Leipzig: Quelle & Meyer, 1926.
Die Jahresarbeiten der Primaner am deutschen Landerziehungsheim Bieberstein, Veckenstedt a.Harz: Verlag. [d.] Landwaisenheim[s] Veckenstedt a.Harz, 1927.
Das Kind, seine körperliche u. geistige Pflege von der Geburt bis zur Reife, Biedert, Philipp. – Stuttgart: F. Enke, 1927, 3.umgearb. Aufl. / hrsg. von W. Rein; P. Selter. bearb. von Alfred Andreesen; G. Aschaffenburg; F. Bennedik [u.a.] Vorhanden in Leipzig.
Bilder aus den deutschen Landerziehungsheimen, [Veckenstedt a.H.]: [Verlag d. Land-Waisenheims], [1929].
Literatur
Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft – Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild, Erster Band, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, S.26, ISBN 3-598-30664-4.
Karlheinz König: Nur angepasst oder überzeugter Nationalsozialist? Alfred Andreesen und die Landerziehungsheime im Nationalsozialismus. Zur Revision eines pädagogischen Mythos, in: Jahrbuch für historische Bildungsforschung Band7 (Berlin 2001), S.61–88, ISBN 3-7815-1171-5.
Martin Stolzenau:Andreesens Erbe prägt Hermann-Lietz-Schulen. Reformpädagoge starb vor 80 Jahren – Spiekerooger Schule 1928 gegründet. In: Wilhelmshavener Zeitung. Nr.222. Medienhaus BruneMettcker GmbH, Wilhelmshaven 21.September 2024, S.13.
Ralf Koerrenz: "Landerziehungsheime in der Weimarer Republik: Alfred Andreesens Funktionsbestimmung der Hermann Lietz-Schulen im Kontext der Jahre 1919 bis 1933", Frankfurt a.M. 1992, ISBN 3-631-44639-X.