Alfred Biermann

Alfred Israel Biermann (4. März 1891 in Erfurt; † vermutlich 13. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau) war ein deutscher Kaufmann und Geschäftsführer eines Warenhauses in Aalen. Als Jude wurde er im Nationalsozialismus verfolgt, im KZ Dachau inhaftiert und 1942 in Auschwitz ermordet. In Aalen erinnert ein Stolperstein an ihn.

Leben

Alfred Biermann kam als viertes der sieben Kinder von Jaques Isidor Biermann und dessen Ehefrau Fanny zur Welt. Die Familie gehörte dem jüdischen Glauben an.

Warenhaus in Aalen

Im August 1932 übernahm Alfred Biermann die Geschäftsführung des Warenhauses in der Bahnhofstraße 18 in Aalen. Das Gebäude gehörte Eduard Heilbron und war seit 1931 an die „Wohlwert Staufia GmbH“ verpachtet. Biermann bezog das Haus zusammen mit seiner Frau Hedwig, geb. Kniesser, die er 1931 geheiratet hatte und die nicht jüdischen Glaubens war. Zum 1. Juli 1934 gründete Biermann gemeinsam mit seinem Bruder Kurt die „Gebrüder Biermann OHG“, die als Untermieterin in den bestehenden Mietvertrag eintrat. Ihr Vater unterstützte das Vorhaben mit einem Darlehen von 60.000 RM.

Nachdem am 15. September 1935 die „Nürnberger Gesetze“ bekannt geworden waren, trat Biermann aus der OHG aus, um nach Amerika auszuwandern. Seinen Anteil übernahm seine Frau Hedwig, die aufgrund der „Mischehe“ jedoch Beschränkungen durch den NS-Staat unterworfen war. Am 26. Oktober 1935 wurde die Firma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, an der Hedwigs Schwester, Else Kniesser, als Kommanditistin beteiligt war.

Verfolgung

Das Warenhaus war Ziel antisemitischer Hetze. Die SA stellte Posten auf, um Kunden am Betreten zu hindern, und Else Kniesser wurde dabei verletzt. Nach einer telefonischen Drohung, das Gebäude zu sprengen, lehnte die Polizei Maßnahmen ab. Hedwig Biermann engagierte daraufhin einen privaten Wachdienst.

Am 8. November 1938 nahm die Gestapo Ellwangen Biermann in „polizeilichen Gewahrsam“. Nach der Reichspogromnacht wurde er am 12. November ins KZ Dachau gebracht. Im Dezember lag die Einreisegenehmigung der USA vor. Seine Schwester Erna Rudolph sprach bei der Gestapo vor und Biermann wurde am 22. Dezember 1938 entlassen. Er zog zu ihr nach Leipzig. Am 14. Februar 1939 wurde die Ehe geschieden, wozu er seiner Frau angesichts der politischen Lage die Möglichkeit gegeben hatte. Hedwig nahm wieder ihren Mädchennamen an.

Flucht und Ermordung

Am 12. Juli 1939 floh Alfred Biermann nach Brüssel. Dort lebte er ohne eigenes Einkommen und wurde von seiner geschiedenen Frau und seiner Schwester in Leipzig unterstützt. Warum er von Belgien aus nicht in die USA ausreiste, ist nicht bekannt.

Nach dem deutschen Überfall auf Belgien am 10. Mai 1940 kam das Land unter deutsche Militärverwaltung. Im Sommer 1942 geriet Biermann in eine der Razzien der Sicherheitspolizei, wurde verhaftet und in der Dossin-Kaserne in Mecheln (Malines) festgehalten, die als Sammellager für Juden diente. Am 11. August 1942 wurde er mit dem „Transport II“, auf dessen Liste er die Nummer 73 trug, in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Der Zug erreichte das Lager am 13. August. Von den 999 Menschen an Bord wurden nur 516 registriert, Biermann war nicht darunter. Nicht registrierte Personen wurden in der Regel sofort ermordet. Biermann war zu diesem Zeitpunkt 51 Jahre alt.

Gedenken

Stolperstein

Zum Gedenken an Alfred Biermann widmete ihm die Stolperstein Initiative Aalen einen Stolperstein. Er wurde am 9. Oktober 2026 vor seinem ehemaligen Warenhaus in der Bahnhofstraße 18 verlegt.

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Arolsen Archives - International Center on Nazi Persecution | 805460002 - Zugangsbuch, Häftlingsnummern 017847 - 023756. Abgerufen am 26. Oktober 2026 (englisch).
  2. ↑ Presse-und Informationsamt, Stadt Aalen: Sieben neue Stolpersteine werden in Aalen verlegt - Stadt Aalen. 29. September 2026, abgerufen am 26. Oktober 2026.