Alfred Ehrentreich

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Alfred Ehrentreich (* 18. Juni 1896 in Potsdam; † 11. April 1998 in Korbach) war ein Reformpädagoge, Schulleiter und Autor.

Familie und Ausbildung

Ehrentreich wurde als Sohn eines Wasserbauingenieurs geboren, der beim Maschinenwerk des Schlosses Sanssouci beschäftigt war. Er studierte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau und an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin Englisch, Französisch und Deutsch. 1920 promovierte er in Berlin zum Thema Zur Quantität der Tonvokale im Modern-Englischen auf Grund experimenteller Untersuchungen. Er heiratete die Tochter des Pädagogen Wilhelm Schwaner, Anneliese, genannt Annlis (* 4. April 1901; † 22. Februar 1985).

Berufliche Entwicklung

Ab 1922 war er unter Schulleiter Martin Luserke als Lehrer in der reformpädagogischen Freien Schulgemeinde Wickersdorf bei Saalfeld im Thüringer Wald tätig. Als es dort nach jahrelangen Auseinandersetzungen um Gustav Wyneken Mitte der 1920er Jahre zur Sezession diverser Lehrkräfte, sonstiger Mitarbeiter und Schüler kam, wechselte er nach Berlin-Neukölln zum Kaiser-Friedrich-Realgymnasium (ab 1929/30: Karl-Marx-Schule), das von Fritz Karsen geleitet wurde. Zwischen 1925 und 1934 gehörte er zu den Förderern der von Luserke gegründeten und geleiteten Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist und engagierte sich in deren „Außengemeinde“, wo er beispielsweise mit Paul Reiner kooperierte.

Nach der Machtabtretung an die Nationalsozialisten wurde die Karl-Marx-Schule (Berlin-Neukölln), Vorläuferin heutiger Gesamtschulen, politisch „gesäubert“. Ehrentreich erhielt ein kurzzeitiges Berufsverbot; anschließend wurde er nach einigen Monaten an eine Berliner Mädchenschule versetzt. Ehrentreich wurde als Lagerleiter (KLV-Leiter) der Kinderlandverschickung eingesetzt, eine Thematik, die er in seinem Buch Dresdner Elegie verarbeitet hat. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Ehrentreich zunächst kurzzeitig in Kassel als Lehrer tätig, anschließend wurde ihm auf Empfehlung von Schulrat Hans Habermann die Leitung der Alten Landesschule Korbach übertragen, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1962 innehatte. Auch hier war Ehrentreich bemüht, Elemente der Reformpädagogik zu integrieren, beispielsweise die Mitbestimmung der Schüler.

Ehrentreich engagierte sich ab 1953 für eine internationale Schulpartnerschaft, aus der sich später eine Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Avranches in der Normandie und Korbach entwickelte. Er war zwischen 1966 und 1972 im entsprechenden städtischen Ausschuss Korbachs aktiv. Zudem war er Mitbegründer der Korbacher Volkshochschule, der dortigen Theaterwoche sowie Initiator und Organisator einer Vielzahl von Musikveranstaltungen und Kunstausstellungen.

Ehrentreich starb im Alter von 101 Jahren.

Werke (Auswahl)

Ehrungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Dietmar Haubfleisch: Dr. Alfred Ehrentreich (1896-1998). In: Archiv der Universitätsbibliothek Marburg. Auf: uni-marburg.de, abgerufen am 25. Juni 2017
  2. ↑ Stiftung Schule am Meer (Hrsg.): Der vollständige Ausbau der Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist, Angelsachsen-Verlag, Bremen 1925, S. 14.
  3. ↑ Gerd Radde: Fritz Karsen – ein Berliner Schulreformer der Weimarer Zeit. Colloquium, Berlin 1973. ISBN 978-3-7678-0350-3, S. 130.
  4. ↑ Katja Klee: Im "Luftschutzkeller des Reiches": Evakuierte in Bayern 1939-1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen. Oldenbourg-Verlag, Berlin 1999. ISBN 978-3486702989, S. 22.
  5. ↑ Schnee sehnlichst erwartet (Memento vom 3. September 2018 im Internet Archive). In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 1. Februar 2014. Auf: hna.de, abgerufen am 25. Juni 2017
  6. ↑ Dr. Alfred Ehrentreich – ein überzeugter Reformpädagoge (1946–1962). Auf: geschichtswerkstatt-als.de, abgerufen am 25. Juni 2017
  7. ↑ verifiziert durch schriftl. Auskunft der Stadt Korbach, Sekretariat des Bürgermeisters, Stechbahn 1, 34497 Korbach, vom 29. Juni 2017
  8. ↑ Dr. Alfred Ehrentreich – ein überzeugter Reformpädagoge (1946–1962). Auf: geschichtswerkstatt-als.de, abgerufen am 25. Juni 2017
  9. ↑ Verleihung am 26. Juni 1980; verifiziert durch schriftl. Auskunft der Stadt Korbach, Sekretariat des Bürgermeisters, Stechbahn 1, 34497 Korbach, vom 29. Juni 2017
  10. ↑ Verleihung am 27. März 1984; verifiziert durch schriftl. Auskunft der Stadt Korbach, Sekretariat des Bürgermeisters, Stechbahn 1, 34497 Korbach, vom 29. Juni 2017
  11. ↑ verifiziert durch schriftl. Auskunft der Stadt Korbach, Sekretariat des Bürgermeisters, Stechbahn 1, 34497 Korbach, vom 29. Juni 2017
  12. ↑ Dr. Alfred Ehrentreich – ein überzeugter Reformpädagoge (1946–1962). Auf: geschichtswerkstatt-als.de, abgerufen am 25. Juni 2017
  13. ↑ verifiziert durch schriftl. Auskunft des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Fachdienst 2.3, Südring 2, 34497 Korbach, vom 29. Juni 2017
Personendaten
NAME Ehrentreich, Alfred
KURZBESCHREIBUNG Reformpädagoge, Schulleiter und Autor
GEBURTSDATUM 18. Juni 1896
GEBURTSORT Potsdam
STERBEDATUM 11. April 1998
STERBEORT Korbach