Alfred Sander (* 16. Januar 1938 in Saarbrücken; † 24. Juni 2025 ebenda) war ein deutscher Pädagoge. Er gilt als einer der Wegbereiter der inklusiven Pädagogik.
Alfred Sander wurde zunächst zum Volksschullehrer ausgebildet und arbeitete zunächst in Quieeschied an einer Volksschule. Dort unterrichtete er einen Schüler mit Poliomyelitis, was sein Interesse an der Sonderpädagogik weckte. Er wurde an die Pädagogische Hochschule des Saarlandes abgeordnet als pädagogischer Assistent im Fachgebiet Psychologie. Anschließend machte er ein Aufbaustudium zum Sonderschullehrer in Stuttgart und Tübingen. Seine unterrichtliche Praxis fand er bei der damals noch als Hilfsschule bezeichneten Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen.
1971 schrieb er seine Dissertation über das Sonderschulwesen im Saarland vor der Eingliederung in die Bundesrepublik Deutschland. 1972 wurde er zum Professor an der Pädagogischen Hochschule des Saarlandes ernannt. 1978, nach der Auflösung der Hochschule, wechselte er an die Universität des Saarlandes und leitete dort bis zum Eintritt in den Ruhestand am 31. März 2003 das Fachgebiet „Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Sonderpädagogik“. Zeit seines beruflichen Lebens führte er sonder- und integrationspädagogische Grundlagenseminare für alle Lehrämter im Rahmen der universitären Ausbildung im Saarland durch. Ebenso entwickelte er einen ökosystemischen Ansatz zur Förderdiagnostik, um die defizitorientierte und meist auf Intelligenztests beschränkte Diagnostik zu überwinden.
Über Heinz Schrader, den damaligen Vorsitzenden des Verbands Sonderpädagogik (VDS), wurde er mit Effizienzstudien vertraut und wurde zu Beginn der 1970er zum Gutachter und Sachverständigen für die Kommission Sonderpädagogik des Deutschen Bildungsrates. Das Thema Inklusion wurde sein Lebensthema. Er galt als Pionier und versuchte zeit seines Lebens den Begriff der Integrationspädagogik durch eine Inklusionspädagogik zu ersetzen. Unter anderem schrieb er für die Zeitschrift für Heilpädagogik, das Zentralorgan des VDS, und veröffentlichte eine große Anzahl von Fachaufsätzen in Sammelwerken. Unter anderem war er an der Ausgestaltung der Integrationsverordnung im Rahmen der Bildungsreform in den 1980er Jahren beteiligt, die unter dem Bildungsminister Diether Breitenbach erlassen wurde.
1984 gründete er mit den Eltern behinderter Kinder den Verein Miteinander Leben Lernen (MLL) mit Sitz in Saarbrücken, dem er lange vorstand und auch nach seiner Emeritierung Vorsitzender des Beirats blieb. Der Verein setzt sich für die Inklusion von behinderten Menschen in allen pädagogischen Bereichen von Frühförderung bis zur beruflichen Integration ein.
Von 1985 bis 1987 leitete er den Fachbereich „Sozial- und Umweltwissenschaften“. Ab 1986 gab er die roten Hefte Saarbrücker Beiträge zur Integrationspädagogik heraus, die jährlich im Röhrig Universitätsverlag erschienen. Insgesamt erschienen 12 Bände. 1988 entwickelte er für die Universität des Saarlandes einen Weiterbildungskurs für Inklusive Pädagogik.
Sander war im Vorstand des VDS Saarland aktiv und Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sander, Alfred |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Pädagoge |
| GEBURTSDATUM | 16. Januar 1938 |
| GEBURTSORT | Saarbrücken |
| STERBEDATUM | 24. Juni 2025 |
| STERBEORT | Saarbrücken |