Alfred Schwingenstein

Alfred Schwingenstein (* 16. Dezember 1919 in Ulm; † 3. Juli 1997 in München) war ein deutscher Jurist, Diplom-Volkswirt und Verleger.

Leben und Wirken

Alfred Schwingenstein war der Sohn des katholischen Verlegers August Schwingenstein. Ins seiner Jugend gehörte er sowohl der katholischen Sturmschar als auch der Hitlerjugend an. Von Januar 1937 an war er Referent für die Jungenschaft in der Bezirksleitung des Katholischen Jungmännerverbands. Schwingenstein erwarb 1938 das Abitur am Wittelsbacher-Gymnasium München..

Als neunzehnjähriger praktizierender Katholik erlebte er die Pogromnacht in München und notierte am 10. November 1938 in sein Tagebuch:

„Zunächst brannten noch am gestrigen Abend die Synagogen. Im Laufe der Nacht wurden dann die Auslagenscheiben sämtlicher jüdischen Geschäfte zertrümmert und teilweise (die Läden) innen angezündet. Im frühen Morgen wurden dann zirka 1.000 Juden aus München als Geiseln in Schutzhaft genommen. Das Bild der größten Verwüstung bot nach Berichten das Kaufhaus Uhlfeder. Das war also die Antwort des deutschen Kulturvolkes auf die Wahnsinnstat dieses siebzehnjährigen Jungen. Ist das das vornehme Verhalten des nordischen Menschen?“

Ebenfalls im November 1938 trat Schwingenstein als Wehrpflichtiger in die Wehrmacht ein und nahme 1939 in der Artillerietruppe am Überfall auf Polen teil. Von November 1941 an studierte er Philosophie, Zeitungswissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität München und war dort wieder in der Sturmschar aktiv. 1942 wurde er als Ballonbeobachter erneut in die Wehrmacht eingezogen und im Dezember des Jahres an der Ostfront schwer verwundet. Im Februar 1944 erfolgte die Ernennung zum Oberleutnant. Zum Sommersemsester 1944 setzte Schwingenstein sein Studium fort. Im Januar 1945 wurde er als Batteriechef im Volkssturm am Oberrhein eingesetzt und im April von französischen Truppen gefangen genommen, entkam aber bald wieder.

Im Jahr 1945 wurde sein Vater Lizenzträger und zugleich Verlagsleiter der Süddeutschen Zeitung zusammen mit Edmund Goldschagg und Franz Josef Schöningh. Alfred Schwingstein arbeitete in dem neu gegründeten Unternehmen als Prokurist mit.

In der Süddeutschen Zeitung war Schwingenstein am Rande in einen Sittlichkeitsprozess verwickelt, in dem zwei Redaktionsmitglieder zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Ihm selbst wurde in diesem Rahmen Unterschlagung und Untreue vorgeworfen. Schwingenstein verließ daraufhin 1960 in seiner Funktion als Angestellter die Süddeutsche. Bereits von 1954 an hatte er sein Studium fortgesetzt. Im Jahr 1963 legte er seine Dissertation unter dem Titel Die wirtschaftlichen Ordnungsvorstellungen in den Verfassungen der deutschen Länder vor. 1961 folgte Schwingenstein auf seinen Vater als Gesellschafter der Süddeutschen Zeitung. Von 1976 bis 1979 saß er der Gesellschafterversammlung vor. Im Rahmen einer Beteiligung des Süddeutschen Verlags gehörte Schwingenstein zudem von von 1975 bis 1978 dem Beirat und von 1978 bis 1980 dem Aufsichtsrat der österreichischen Zeitung Kurier an. Zudem engagierte er sich bei der wirtschaftlichen Absicherung der katholischen Wochenzeitung Die Furche in Österreich, deren Aufsichtsrat er von 1980 bis 1996 angehörte. 1985 gab Schwingenstein den Anstoß für die Gründung der Studienstiftung der Süddeutschen Zeitung zur Förderung junger Journalisten, deren Stiftungsrat er vorsaß.

Ebenfalls in München gab Schwingenstein von Februar 1946 zusammen mit anderen Vertretern der katholischen Jugendbewegung einen katholisch ausgerichteten Informationsbrief heraus, aus dem sich im Sommer des Jahres der ökumenisch Christliche Nachrichtendienst (CND) entwickelte. Eine enge Zusammenarbeit der beiden großen christlichen Konfessionen misslang jedoch. Die evangelische Seite gründete ebenfalls 1946 den Evangelischen Pressedienst. Anfang 1953 ging der CND schließlich in die kurz zuvor gegründete Katholische Nachrichten-Agentur auf.

Im Jahr 1971 gehörte Schwingenstein zu den Gründern des Vermögensverwaltungsunternehmens Fiduka. Zudem gründete er den Münchener Zweig des Bunds Katholischer Unternehmer und saß diesem lange vor. Im Jahr 1988 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Franz Menges: Schwingenstein, Alfred. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 24. Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 89–90 (deutsche-biographie.de).
  2. ↑ Hans-Günter Richardi: Am Anfang war das Ende. München 2001, S. 68 f.; zitiert nach: Konrad Löw: 65 Jahre Reichspogromnacht. Hat die Katholische Kirche geschwiegen? In: Die neue Ordnung 6/57 (2003)
Personendaten
NAME Schwingenstein, Alfred
KURZBESCHREIBUNG deutscher Jurist
GEBURTSDATUM 16. Dezember 1919
GEBURTSORT Ulm
STERBEDATUM 3. Juli 1997
STERBEORT München