
Alice Trübner, nach einer Quelle Alice Sophie Trübner, nach einer anderen Einzelquelle Sophie Alice Trübner, geborene Auerbach (* 24. August 1875 in Bradford; † 20. März 1916 in Berlin), war eine deutsche Stillleben- und Landschaftsmalerin.
Geboren wurde Alice Auerbach in England, als Tochter einer englischen Mutter und eines deutschen Vaters. Sie wuchs überwiegend in Deutschland auf und nachdem sie mit 11 Jahren nach Frankfurt am Main kam, verbrachte sie dort ihre Jugend.
Zum Studium der Malerei zog sie 1896 nach München, wo sie 1897 bis 1898 Schülerin beim Münchner Künstlerinnen-Verein war. Sie lernte dort beim Leiter der Zeichenklasse Ludwig Schmid-Reutte und auch bei Max Slevogt. Ab 1898 arbeitete sie in einem eigenen Atelier. Von Alice Auerbach stammen aus dieser Zeit Bilder mit robusten und kraftstrotzenden Frauen- und Männerköpfen. In den Ferien fuhr sie nach Frankfurt, wo sie den Impressionisten Wilhelm Trübner (1851–1917) kennenlernte und auf Einladung mit seiner Gruppe auf Studienfahrt ging. Dann erweiterte sie ihr Können in Frankfurt am Städelschen Kunstinstitut Malerei bei Wilhelm Trübner. Dieser hatte seit 1897/1898 in dem Institut einen Arbeitsraum für seine Privatschule angemietet, die als „Trübner-Schule“ bekannt wurde. Der Ort wurde Treffpunkt für junge Maler mit Interesse am Impressionismus. Wilhelm Trübner schloss mit seinem Studienangebot auch eine Lücke in der Ausbildung von jungen Frauen, die im normalen Kunststudium von einem eingeschränkten Lehrplan betroffen waren. In seinem Unterricht gab es für die Schüler beiderlei Geschlechts u. a. die Themen Akt, Tierstudien und Exkursionen in den Odenwald, z. B. Amorbach. Dort lernte sie Ölgemälde in der Primamalerei-Technik anzufertigen und übertrug dies von der Landschaftsmalerei auf ihre bevorzugte Ateliermalerei. Bereits im Sommer 1899 stellte sie erstmals in der Münchener Secession aus. Im Jahr 1900 heiratete Alice Trübner ihren 24 Jahre älteren Professor. Nachdem ihre gemeinsame Tochter schon 1901 verstorben war, kam 1903 Sohn Jörg (1903–1930) zur Welt. Kurz nach der Geburt zog Trübner mit ihrem Ehemann nach Karlsruhe, weil er an die Großherzogliche Kunstakademie berufen worden war.
Während Trübners Maltechnik bei Landschaftsbildern der ihres Lehrers sehr ähnelt, hat sie ihre Persönlichkeit bei Werken der Ateliermalerei in die Bilder einfließen lassen. Trotz starken Einflusses wahrte sie sich ihre künstlerische Selbständigkeit und Eigenart. So bevorzugte sie eine eher dunkle Farbharmonie, wohingegen ihr Ehemann helle Bilder mit luminaristischen Motiven bevorzugte. Sie wählte aparte, gebrochene Farben mit etwas melancholischem Ausdruck. Die Farbkomposition wurde verglichen mit einer dunklen Altstimme. Die Pinselführung wurde als ‚fast männlich, kräftig‘ beschrieben.
Der Fokus ihrer Arbeiten lag auf Stillleben (Blumenmalerei, „Interieur“-Malerei, Figurenmalerei) und Personen-Bildnismalerei im Stil eines Stillleben. Die Bilder zeigten häufig ein eigenartige, humoristische, auf Pikantes anspielende oder Frauenthemen andeutende Motivkomposition. Auf ihrer Suche nach dem, das noch nie gemalt wurde, fand sie Motive, die auch als abstoßend empfunden werden konnten. Alice konnte eigentlich langweilige Alltagsgegenstände durch Farbauswahl und Maltechnik interessant gestalten.
Mit ihrem Wissen über Kunst und Kunstverständnis war sie ihrem Mann mindestens ebenbürtig und wurde als überaus intelligent und begabt beschrieben, wodurch sie, wie Wilhelm schrieb, ihn vor allzu unwissenden Kunstinteressierten schützen konnte. Ihr Mann war häufig in Kunstdiskussionen verwickelt, weil er einige Jahre vorher die zwei Bücher Das Kunstverständnis von heute und Die Verwirrung der Kunstbegriffe geschrieben hatte.
Sie erreichte eine hohe produktive Selbständigkeit, die nur wenige Malerinnen zu ihrer Zeit erreichten. Wie in ihren Stillleben liebte sie in ihrem Alltag das Ungewöhnliche und Raffinierte, war ein Freigeist, aber auch leidenschaftlich und diszipliniert, wirkte aber nach außen häufig schroff und verkörperte nicht das typische Bild der Weiblichkeit. Nach Kriegsbeginn engagierte sie sich als Helferin im Dienst an Verwundeten mit großer Aufopferung, neben der Hingabe zur Malerei, der Haushaltsführung und der Erziehung ihres Sohnes.
Befreundet war Alice Trübner u. a. mit Autorin Julie Elias und Dichterin Else Lasker-Schüler.
Über 15 Jahre lang war sie ihrem Ehemann eine ebenbürtige Beraterin und Kritikerin, während sie durch seinen Einfluss ihren eigenen Stil entwickelte.
Trübners plötzlicher Tod im Alter von nur 40 Jahren beendete einen vielversprechenden Karrierestart. Ihr Tod wurde in den zeitgenössischen Medien als tragischer Unfall oder Unglücksfall bezeichnet. Die Familie Trübner war sehr gut bekannt mit der Familie der Schauspielerin Tilla Durieux (1880–1971) und dem Kunstverleger und Galeristen Paul Cassirer (1871–1926), z. B. waren die Ehemänner in der Ausstellungsleitung der Berliner Secession. Nach Aussage der Schauspielerin besuchte Alice die in Berlin lebende Familie zu jeder Tages- und Nachtzeit. Eines Tages folgte Trübner der Schauspielerin Durieux nach Breslau zu einem Gastspiel und stieg im selben Hotel ab, wo sie sich die Pulsadern aufschnitt. Nach Auffassung von Tilla Durieux wünschte sich Trübner eine Liebesbeziehung mit ihr. Danach sollte Durieux auf Bitten ihres Ehemannes Cassirer ein letztes Mal Trübner treffen. Die Frauen trafen sich im Berliner Hotel Esplanade, wo sich Trübner mit einem Revolver in Gegenwart der Schauspielerin erschoss. Nach Aussage von Durieux waren die letzten Worte der Malerin eine philosophische Betrachtung des Ursprungs der Liebe. Wilhelm Trübner glaubte bis zu seinem Lebensende, dass Durieux seine Frau im Streit erschossen hätte und die Behörden vermuteten aufgrund des Zeitpunktes während des Ersten Weltkriegs Inlandsspionage für England. Im Umfeld von Tilla Durieux gab es in den Jahren danach weitere Suizide: 1919 Peter Cassirer (Paul Cassirers Sohn aus erster Ehe) und 1926 Paul Cassirer selbst (kurz vor der Scheidung von Durieux).
Else Lasker-Schüler schrieb posthum ein Porträtgedicht über das Wesen und einige Stillleben von Alice Trübner.
Einundzwanzig Monate nach Trübner starb ihr Ehemann an einem Herzinfarkt. Die Kunstwerke aus Wilhelm Trübners Nachlass, der auch Werke aus dem Nachlass seiner Frau enthielt, wurden am 4. Juni 1918 in Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus versteigert.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Trübner, Alice |
| ALTERNATIVNAMEN | Trübner, Alice Sophie (vollständiger Name); Auerbach, Alice (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Malerin |
| GEBURTSDATUM | 24. August 1875 |
| GEBURTSORT | Bradford |
| STERBEDATUM | 20. März 1916 |
| STERBEORT | Berlin |