Alicja Maria Sakaguchi, geb. Michiewicz (* 24. März 1954 in Szczecin/Stettin) ist eine deutsch-polnische Sprachwissenschaftlerin und Esperantistin. Sie war Professorin für Allgemeine Linguistik an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen.
1973 erlangte Sakaguchi am Maria-Skłodowska-Curie-Gymnasium Nr. 1 in Szczecin die Hochschulreife. Anschließend studierte sie Hungaristik und Esperantologie an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest, wo sie 1979 den Grad Magister Artium erwarb. 1981 promovierte sie dort bei István Szerdahelyi mit einer Dissertation zum Thema „Modellierung des sprachlichen Materials im Fremdsprachenunterricht und in der Interlinguistik“. Seit 1980 lebt sie in Deutschland. Von 1981 bis 1985 war sie Lehrbeauftragte in Paderborn, von 1986 bis 1998 an an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1994 erhielt sie eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Edition des 1823 entstandenen Plansprachenentwurfs Traktatu d‘un Linguaź universale von Rasmus Kristian Rask. 1998 war sie im Rahmen des TEMPUS-Programms am Institut für Germanistik der Universität Szczecin tätig.
Nach Lehrtätigkeiten an den Universitäten Paderborn und Frankfurt am Main habilitierte sich Sakaguchi 1999 mit der Schrift Interlinguistik: Gegenstand, Ziele, Aufgaben, Methoden. Von 2001 bis 2002 war sie Adjunktin (adiunkt) an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen (UAM). Von 2003 bis zu ihrer Emeritierung 2024 war sie dort Professorin für Allgemeine Linguistik. Zu ihren Lehr- und Forschungsgebieten gehörten Interlinguistik, Esperantologie, deutsche Sprache und Interkulturelle Kommunikation. 2010 war sie zudem als Dozentin an der Technischen Universität Darmstadt tätig.
Im Juli 2013 verlieh ihr der polnische Präsident den Titel einer ordentlichen Professorin (profesor tytularny).
Sie hielt Gastvorträge in mehreren europäischen Ländern sowie in Japan, Indien und den Vereinigten Staaten.
Sakaguchi ist mit dem Japaner Takashi Sakaguchi verheiratet und hat zwei Söhne.
Sakaguchis Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Interlinguistik, Esperantologie, allgemeine und angewandte Linguistik, der Sprache spiritueller Erleuchtungserfahrung und prophetischer Offenbarungssprache. Mehrere Arbeiten Sakaguchis wurden in Fachzeitschriften rezensiert, darunter ihre Monographien Interlinguistik: Gegenstand, Ziele, Aufgaben, Methoden, Język – mistyka – proroctwo sowie die Edition von Rasmus Kristian Rasks Traktatu d‘un Linguaź universale.
Sakaguchis interlinguistische Arbeiten befassen sich mit der Theorie der Plansprachen, der Geschichte und Typologie internationaler Hilfssprachen sowie methodologischen Fragen der Interlinguistik. Ihre Monographie Interlinguistik: Gegenstand, Ziele, Aufgaben, Methoden (1998) wurde in Fachrezensionen als Beitrag zur Systematisierung des interlinguistischen Forschungsfeldes diskutiert. Sie veröffentlichte unter anderem eine kommentierte Edition von Rasmus Kristian Rasks Traktatu d‘un Linguaź universale (1996). Die Edition wurde von G. M. Verd im Archivo Teológico Granadino, von Klaus Schubert in Language Problems & Language Planning sowie von Piotr Sulikowski in Colloquia Germanica Stetinensia rezensiert. In seiner Rezension betonte G. M. Verd die historische Bedeutung von Rasks Sprachentwurf und würdigte die zweisprachige editorische Aufbereitung der Edition.
In ihren Arbeiten zur Sprache spiritueller Erfahrung untersucht Sakaguchi sprachliche Formen sowie Sprechakte und Präsuppositionen mystischer und prophetischer Kommunikation. Dabei verbindet sie Ansätze der Linguistik mit tiefenpsychologischen, phänomenologischen und hermeneutischen Perspektiven.
Außerdem veröffentlichte sie Studien zu Präsuppositionen und entwickelte eine Typologie, die zwischen wissens- und erfahrungsbasierten sowie überzeugungs- und glaubensbasierten Präsuppositionen unterscheidet.
In ihrer Publikation Zu einigen Schwierigkeiten arabischsprachiger Deutschlerner. Meine Erfahrungen in Integrationskursen mit Flüchtlingen und Migranten (2021) untersucht Sakaguchi sprachliche Besonderheiten und Lernschwierigkeiten arabischsprachiger Deutschlernender auf der Grundlage ihrer Unterrichtserfahrungen in Integrationskursen. Dabei beschreibt sie unter anderem wiederkehrende Muster des Zweitspracherwerbs sowie häufig auftretende Fehlerphänomene.
In der Schrift Einige Bemerkungen zur dreisprachigen Erziehung (Polnisch-Esperanto-Deutsch) meiner Kinder (2006) behandelt sie Aspekte des mehrsprachigen Spracherwerbs und berichtet über Beobachtungen bei der dreisprachigen Erziehung von Kindern.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sakaguchi, Alicja |
| ALTERNATIVNAMEN | Sakaguchi, Alicja Maria; Michewicz, Alicja Maria (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | polnische Sprachwissenschaftlerin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 24. März 1954 |
| GEBURTSORT | Stettin |