Alt-Hanauer Hospital

Blick von der Hospitalstraße auf die Hospitalgebäude nach Westen

Das Alt-Hanauer Hospital war eine mittelalterliche Versorgungseinrichtung für Bedürftige in der Stadt Hanau.

Geschichte

Die erste Stadterweiterung mit Entstehung der „Vorstadt“ vollzog sich seit dem 15. Jahrhundert. Unter der Regierung des Grafen Reinhard IV. von Hanau-Münzenberg errichtete das Hospital 1501–05 einen Neubau nahe dem Kinzdorfer Tor in der Marktgasse. Der Schlussstein über dem Tor erinnerte auf die Einweihung an Quasimodogeniti 1505. Nachdem im 16. Jahrhundert eine Renaissance-Befestigung um Hanau herum gezogen wurde, kam die „Vorstadt“ innerhalb des Mauerrings zu liegen; die Hospitalstraße verweist mit ihrem Namen auf den geschichtlichen Hintergrund.

Das Hospital finanzierte seine Arbeit aus Spenden und Stiftungen; zu seinen Aufgaben gehörten die Kranken-, Alten- und Armenpflege.

Die Gebäude des Alt-Hanauer Hospitals existierten noch bis in den Zweiten Weltkrieg hinein, fielen schließlich aber zusammen mit einem Großteil der Innenstadt Luftangriffen zum Opfer. Die verbliebene Vermögensmasse besteht als „Stiftung Althanauer Hospital“ weiter und verfolgt seit 1965 die Aufgabe, Wohnungen für ältere Menschen zur Verfügung zu stellen. Heute trägt die Stiftung 195 sozialgebundene altengerechte Wohnungen. Die Leitung der Stiftung wird, wie historisch überkommen, gemeinsam vom Magistrat der Stadt Hanau und den beiden aus der Altstadt hervorgegangenen evangelischen Kirchengemeinden wahrgenommen, der Marien- und der Johanneskirchengemeinde.

Nach Gründung der Hanauer Neustadt errichteten deren Bürger ein eigenes Hospital, das sich zuletzt in der Leimenstraße befand. Daraus entstand das heutige Klinikum Hanau.

Kapelle

Das Hospital hatte neben den Räumen zur Kranken- und Altenpflege eine eigene Kapelle, die dem Heiligen Geist geweiht war. Sie war nach der Marienkirche und der dem heiligen Martin geweihten Kapelle in der Burg der dritte Gottesdienstraum der Stadt. Dieser wurde nach 1809 der kleinen römisch-katholischen Gemeinde Hanaus zur Verfügung gestellt, die vorher nur einen kleinen Betsaal in der Gärtnerstraße hatte. Ob sie die Hospitalkirche aber genutzt hat, scheint zweifelhaft, da der römisch-katholische Gottesdienst auch 1811 noch in der Gärtnerstraße stattfand.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ 675 Jahre Altstadt Hanau. Festschrift zum Stadtjubiläum und Katalog zur Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Hanau am Main, hrsg. vom Hanauer Geschichtsverein e. V., Hanau 1978, ISBN 3-87627-242-4, S. 155.
  2. ↑ Fried Lübbecke: Hanau. Stadt und Grafschaft. Köln, 1951, S. 367.
  3. ↑ Hanauer Geschichtsverein (Hrsg.): Mit Hebelius Potter rund um das alte Hanau – Eine Zeitreise zurück in das Jahr 1810. = Hanauer Historische Hefte 1. Hanau 2010, S. 34ff.

Koordinaten: 50° 8′ 13,8″ N, 8° 54′ 47,4″ O