Religion der Achämeniden

Die Religion der Achämeniden war das Glaubenssystem während der Zeit des ersten Perserreichs vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. Sie bettete sich tief in mesopotamische, elamische und indoiranische Traditionen ein. Die Überlieferung an archäologischen Artefakten, auf der die heutige Kenntnis der Religion der Achämeniden beruht, liefert ein fragmentarisches Bild religiöser Vielfalt und Vielschichtigkeit.

Die Symbolik der Reliefs und die Texte der achämenidischen Könige zeigen den Einsatz der Religion als Machtinstrument einer Elite. In der Form lehnt sich diese Darstellung an die imperiale Kultur der Könige des Assyrischen Reichs an. Mit dem religiösen Beiklang bei der Gründung des Reiches, der Nähe des Königs zum Staatsgott Ahuramazda und der vielfältigen Bildsprache der Reliefs entwickelte sie sich zu einer eigenen Form. Im Zentrum stand der König als Garant für Ordnung und für das Glück der Menschen.

Die Verwaltungstexte von Persepolis belegen Verbindungen der persischen Gesellschaft zu verschiedenen westasiatischen religiösen Traditionen. Aus dem eingeschränkten Blickwinkel einer königlichen Verwaltung in der frühen Zeit des Achämenidenreichs dokumentieren sie Ausgaben für indoiranische, mesopotamische und elamische Götter. Sie listen priesterliche Amtsträger elamischer wie persischer Tradition auf und bezeugen Opfergaben sowie Feste – etwa das šip-Fest in Pasargadae, an dem der König oder sein Repräsentant persönlich teilnahm. Vor allem aber verdeutlichen sie die tiefe Verwurzelung einer agrarisch geprägten Kultur in ihrer religiösen Praxis. Durch Hunderte von Siegelabdrücken rücken diese Dokumente zudem die von den monumentalen Reliefs der Könige überlieferte Bildsprache in ein völlig neues Licht. Mit göttlichen und übernatürlichen Elementen aus mesopotamischen, babylonischen und elamischen Traditionen ist diese um einiges vielfältiger als bislang angenommen.

Außerhalb des persischen Kernlands offenbaren Überlieferungen das Bemühen der Eroberer, ansässige Götter nicht zu erzürnen. Zusammen mit der aktiven Förderung lokaler Kulte in den eroberten Gebieten wird die Haltung der Achämeniden anderen Glaubensformen gegenüber deshalb oft als tolerant und respektvoll charakterisiert.

Seit der Erforschung der monumentalen königlichen Residenzen in Pasargadae und Persepolis im 19. Jahrhundert gehört die religiöse Einordnung der Achämeniden zu den meistdiskutierten Themen innerhalb der altpersischen Reichsforschung. Über Jahrzehnte erhitzten sich die Gemüter an der Frage, ob die Religion der Achämeniden der altiranischen Religion zuzuordnen sei und somit einen frühen Ausdruck des Zoroastrismus darstelle. Die Veröffentlichung der Verwaltungstexte von Persepolis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eröffnete neue Perspektiven für die Forschung und veränderte die Vorstellungen der altpersischen religiösen Gesellschaft grundlegend.

Hintergrund

Die indoiranische Religion ist eine hypothetische Rekonstruktion, die vor allem auf dem Avesta und Rigveda basiert. Ähnlich verhält es sich mit der altiranischen Religion: Auch sie ist eine Rekonstruktion – beruhend auf dem Avesta sowie zu einem kleineren Teil auf den achämenidischen Königsinschriften und klassischen antiken Schriftstellern –, die heute vor allem als Zoroastrismus bekannt ist. Davon abgegrenzt wird die Religion der Achämeniden, da deren Einordnung in den indoiranischen Kontext in der Forschung zu kontroversen Diskussionen geführt hat.

Beschreibung der indoiranischen Religion

Die Indoiraner unterteilten den Kosmos in die drei Bereiche Erde, Himmel und die dazwischenliegende Atmosphäre. Es ist eine aufsteigende Ordnung, die aus menschlicher Perspektive gesehen eine Erhabenheit darstellt. Die Erde, die heilig ist, ist das Gebiet menschlicher Aktivität, des Innewohnens (Immanenz). Die Atmosphäre berührt die Erde, umgibt den Menschen und weitet sich zum Himmelsgewölbe aus. Sie ist das Reich der Veränderung und konstant aktiv, manchmal großartig und furchterregend. Der Himmel entzieht sich dem Menschen und ist jenseits möglicher Erfahrung (Transzendenz).

Die Götter bewohnen einen der drei Bereiche. Die Götter im Himmel sind die Gründer des Kosmos und verkörpern die höchsten ethischen Prinzipien. Sie sind männlich. Die Götter der Atmosphäre sind ebenfalls männlich und tendieren zu kriegerischen Handlungen. Sie sind der Wind oder verweilen auf Bergen. Ihre Hauptbeschäftigungen sind Stürme und Kriege. Die Götter der Erde sind gewöhnlich weiblich und werden mit Fruchtbarkeit, Prosperität und den alltäglichen Sorgen verbunden. Es gibt Götter, die alle drei Sphären bewohnen. Der Feuergott trägt die Opfer zu den Göttern und führt diese zu den Opfern. Der kosmische Berg ragt von der Erde bis in den Himmel und ist ein wichtiger Kommunikationskanal zwischen Himmel und Erde.

Zusätzlich zu den drei Bereichen gibt es die Dualität von geordnetem (Kosmos) und ungeordnetem (Chaos) Sein. Das geordnete Sein entsteht aus dem Chaos und ist wie eine Festung umgeben von Chaos, das normalerweise mit dem Wasser symbolisiert wird. Das Chaos trägt den Keim für Gutes wie auch für Teuflisches und wird vertikal unterschieden. Das Wasser um den Himmel ist die Quelle der Wahrheit, während das Wasser in den darunterliegenden Bereichen in Dunkelheit gehüllt ist und die Quelle des antikosmischen Prinzips der Lüge und Falschheit verkörpert. Der Mystiker kann die Endlichkeit des menschlichen Seins durchbrechen. Für alle anderen ist das Sein ein Chaos, das in alle Ausdrucksformen von Gut und Böse münden kann.

Die Kluft zwischen Himmel und Erde kann mit Bergen überbrückt werden. Sie sind in den Quellen teilweise mythisch und teilweise identisch mit realen Bergen. Die Berge, im Besonderen der mythische Berg, spielen eine entscheidende Rolle im System der kosmischen Hydrologie. Für Indoiraner sind die Flüsse am Wichtigsten, denn der kosmische Ozean im Himmel fließt als Fluss vom mythischen Berg herunter und verteilt sich auf die Flüsse der Erde.

Verhältnis zur altiranischen Religion

Es gibt bis heute keine Überlieferungen, die die Zuordnung der Religion der Achämeniden zur frühen Form des Zoroastrismus direkt erlauben, aber es sind Gemeinsamkeiten nachgewiesen. Sowohl die Texte der achämenidischen Könige als auch das Avesta drücken ihre Verehrung für Ahura Mazda aus, den größten unter allen Göttern. Im altpersischen Kontext wird er Auramazda oder Ahuramazda (altpersisch A.uramazdā) geschrieben, auf Elamisch Uramasda. Zudem lehnen beide Quellen die Daevas ab. Diese Eigenschaften unterscheiden die iranische religiöse Identität von der indischen. Beide Religionen führten Opfer und Tieropfer durch und waren anderen Göttern gegenüber aufgeschlossen. Eine Verbindung lässt sich auch über Namen von Königen nachweisen, deren Ursprung das ältere Avesta ist. Es handelt sich um sogenannte „Zitatnamen“, von denen der eindruckvollste der Name von Dareios I. (avestisch dārayat vahištǝm) ist. Im Gegensatz dazu stammt das Element Arta – der erste Teil des Namens der achämenidischen Herrscher Artaxerxes I., II. und III. – aus dem Indoiranischen (*ṛtá-).

Götterwelt

Die Darstellung einer Sonnenaufgangszeremonie aus mittel-elamischer Zeit, Sit-Šamši genannt. Von Gebeten an die Sonne zur Zeit der Achämeniden berichten auch die antiken Schriftsteller. Louvre SB 2743

Im Kernland

Die Einschätzung der Religion des persischen Volkes und seiner Könige hat in den letzten Jahrzehnten eine grundsätzliche Wende erfahren. Ursprünglich als zoroastristischer Monotheismus interpretiert, der als Bruch mit der über 1000-jährigen Tradition von Elam, der assyrischen und babylonischen Kultur angesehen wurde, zeigt sich heute eine Vielfalt mit elamischen, mesopotamischen und indoiranischen Traditionen, die sich in der Götterliste aus dem Kernland widerspiegelt. Die achämenidische Götterwelt lässt sich jedoch nur im weiteren Sinne als Pantheon bezeichnen, da Belege für eine systematische Ordnung der persischen Götter fehlen wie sie beispielsweise für die religiöse Praxis des elamischen Königs Untaš-Napiriša nachgewiesen ist. Dieser ließ im 13. Jahrhundert v. Chr. Tempel für alle Götter in Tschogha Zanbil bauen.

Einzelne Fragen sind immer noch umstritten, so zum Beispiel die Definition des Begriffs Mišebaka, der in den Verwaltungsarchiven von Persepolis im Umfeld von Ausgaben für religiöse Zwecke auftaucht. Manche interpretieren den Begriff als Kult für Mithra(s) und für andere sind die Mišebaka eine festumrissene Göttergruppe oder sogar der Begriff für alle Götter.

Zusammenstellung der überlieferten Gottheiten im Kernland (Auszug)
Gottheit Tradition Beschreibung Überlieferung
Adad Mesopotamien Adad ist die einzige Gottheit, die im Festungsarchiv von Persepolis regelmäßig Ziegen und Schafe als Opfergaben erhält. Mit diesen erscheint sein Kult öfters in Ritualen wie kušukum, hapidannuš und tikrakkaš. Die Wichtigkeit des Kults für Adad wird unterstrichen durch persönliche Interventionen von Parnakka, dem obersten Hofbeamten von Persepolis und Onkel von Dareios I., um die Lieferung von Schafen sicherzustellen. Mindestens fünf verschiedene Heiligtümer mit Opfern für Adad sind aus der Region Mamasani nachgewiesen. Festungsarchiv von Persepolis
Ahuramazda Altiranisch Ahuramazda ist omnipräsent in den Königsinschriften und bis zur Herrschaft von Artaxerxes II. der einzige Gott, der namentlich darin aufgeführt ist. Im Festungsarchiv von Persepolis sind die wirtschaftlichen Zuwendungen im Auftrag des königlichen Hofs zwar bescheiden, aber es gibt ihm zu Ehren das šip-Fest und in der Liste der Götter, die in bakadaušiyam-Zeremonien geehrt werden, ist er ebenfalls aufgeführt. Sie sind ein Hinweis auf seine Rolle als Gott des Königs. Ob die Figur in einem geflügelten Ring auf den monumentalen Reliefskulpturen der achämenidischen Könige und auf verschiedenen Siegeln von den Verwaltungsarchiven von Persepolis Ahuramazda darstellt, ist umstritten. Achämenidische Königsinschriften und Verwaltungsarchive von Persepolis
Anahita Altiranisch Anahita ist unter der Herrschaft von Artaxerxes II. in drei achämenidischen Königsinschriften (A2Ha, A2Sa und A2Sd) zusammen mit Mithra nachgewiesen. Von Berossos ist überliefert, dass Artaxerxes II. die Verehrung von Statuen, die Gottheiten in menschlicher Form darstellen, eingeführt habe. Er habe eine Statue von Anahita in Babylon erstellen lassen und verlangte deren Verehrung von den Völkern von Susa, Ekbatana, Parsa, Baktrien, Damaskus und Sardes. Von Claudius Aelianus ist überliefert, dass es in Elam einen Schrein für Anahita gegeben habe, in dem Löwen gelebt hätten, die Besuchenden freundlich begegnet wären. Achämenidische Königsinschriften, Berossos und Claudius Aelianus
Humban Elam Die elamische Gottheit erhielt mit Abstand am meisten wirtschaftliche Zuwendungen vom königlichen Hof in Persepolis. Humban wird regelmäßig in den Zeremonien bakadaušiyam aufgeführt, die ein Hinweis auf seine wichtige ideologische Position sind. In einigen Fällen sind eigene Priester für ihn ausgewiesen. Es wird vermutet, dass deren Position vererbbar war. Ein starker Kult ist für den westlichen Teil der Region von Fahlīān nachgewiesen, der aber nicht darauf beschränkt ist. Festungsarchiv von Persepolis
Inšušinak Elam Eine wahrscheinliche Weiterführung des Kults aus der späten neuelamischen in die achämenidische Zeit in Susa.
Išpandaramattiš Altiranisch Išpandaramattiš ist ein Kognomen von Amescha Spenta, eine der „Heilvollen Unsterblichen“ aus dem Avesta. Sie ist mit Erde, Fruchtbarkeit und Aufschwung verbunden. Der Kult für Išpandaramattiš erscheint im Festungsarchiv von Persepolis mindestens neun Mal als Empfänger von Weizen. Festungsarchiv von Persepolis
Mariraš Elam / Indoiranisch Es wird angenommen, dass die in elamischer Sprache bezeichnete Mariraš ein Name für *(H)uvarira, die Göttin des Sonnenaufgangs ist. Mariraš ist in den Überlieferungen immer mit dem Determinativ An begleitet, was aber nicht notwendigerweise zu einer personifizierten Gottheit führen muss. Mariraš könnte auch ein Ritual bezeichnen, das bei Sonnenaufgang ausgeführt wird. Opfer im Morgengrauen sind sowohl für Elam als auch für die indoiranische Sprachwelt überliefert. Das elamische Bronzemodell Sit-Šamši aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. liefert ein Zeugnis des Rituals für die Sonne. Das Modell wurde in Susa gefunden. Von verschiedenen antiken Schriftstellern wird von Kulthandlungen für die Sonne durch die achämenidischen Könige Xerxes I., Artaxerxes II. und Dareios III. berichtet. Kyros II. hätte seinen Namen von der Sonne erhalten. Festungsarchiv von Persepolis, Herodot, Plutarch und Quintus Curtius Rufus
Mišdušiš Indoiranisch Die Gottheit erscheint im Kontext der bakadaušiyam-Zeremonien und ist außerhalb des Festungsarchivs von Persepolis nicht überliefert. Es handelt sich wahrscheinlich um eine weibliche, Fruchtbarkeit schenkende Gottheit mit einer starken Verbindung zum Wasser und Regen. Festungsarchiv von Persepolis
Mithra Indoiranisch Mithra ist zusammen mit Anahita unter der Herrschaft von Artaxerxes II. in drei achämenidischen Königsinschriften (A2Ha, A2Sa und A2Sd) nachgewiesen, in denen er die Gottheit um Schutz bittet. Von Strabon und Athenaios sind persische Festivals für Mithra überliefert. Achämenidische Königsinschriften, Strabon und Athenaios
Nanaja Sumer Ein lokaler Kult ist für Susa aus achämenidischer Zeit nachgewiesen.
Napiriša Elam Für die Gottheit sind 20 verschiedene Amtsträger im Festungsarchiv von Persepolis überliefert, die die Titel šatin, makuš, makuš pirramadda und makuš haturmakša tragen. Die Amtsträger gehören mit Ausnahme von zwei elamischen zum persischen Volk und führen auch Opfer für andere Götter aus. Festungsarchiv von Persepolis
Nappina Elam Mit der kurzen Bezeichnung für die Götter (nappi-na) ist der Begriff ein Hinweis auf den polytheistischen Charakter der achämenidischen Religion im Kernland. Mit einem Drittel aller Ausgaben für religiöse Kulte erhalten die Götter, deren Namen für die wirtschaftliche Erfassung nicht wichtig waren, den größten Anteil der Opferrationen von Persepolis. Hinter der Anonymität könnten sich Kulte für Ruḫurater in Hunar und Sijašum in Gisat verbergen. Festungsarchiv von Persepolis
Narišanka Indoiranisch Die Gottheit wird von Wissenschaftlern mit dem altindischen und dem jungavestischen göttlichen Boten verbunden. Die Überlieferung aus dem Avesta ist möglicherweise jünger als diejenige des Festungsarchivs von Persepolis. Festungsarchiv von Persepolis
Pirdakamiya Altpersisch Der iranische Name von Pirdakamiya ist wahrscheinlich *Brakam(i)ya-, derjenige, der Wünsche erfüllt. Diese Interpretation stimmt mit den Kontexten überein, in denen die Gottheit erscheint. Im Rahmen von bakadaušiyam-Zeremonien, an denen gewöhnliche Arbeiter teilnahmen, werden ihr Wein-Rationen zugewiesen. Wie im Kult von Mišdušiš hat derjenige von Pirdakamiya eine starke ideologische Komponente, da er Bonusrationen in religiöser Form beinhaltete. Gleichzeitig diente er der wirtschaftlichen Logik von Persepolis. Außerhalb der iranischen Tradition ist die Gottheit nicht präsent. Festungsarchiv von Persepolis
Šazi Elam Eine wahrscheinliche Weiterführung des Kults aus der späten neuelamischen in die achämenidische Zeit in Susa.
Šetrabattiš Indoiranisch Die Gottheit wird namentlich in Opferlisten ohne zusätzliche Angaben zu Ritualen aufgeführt. Sie könnte der vedischen Gottheit ksétrasya páti, der Herrin über das Feld/Land, entsprechen. Nach dieser Überlieferung würde Šetrabattiš während des Pflügens für eine reiche Ernte angefleht. Während das Veda auf ein altes Erbe hinweist, ist der Ausdruck im jüngeren Avesta als Epitheton von Ahuramazda überliefert und stellt eine sekundäre Entwicklung dar. Festungsarchiv von Persepolis
Simut Elam Eine wahrscheinliche Weiterführung des Kults aus der späten neuelamischen in die achämenidische Zeit in Susa. Festungsarchiv von Persepolis
Zarnama Altiranisch Die Gottheit wird im Zusammenhang von Rationen für einen Priester (maguš) aus der Stadt Zarnamiya aufgeführt, der verschiedene Kulte für Götter ausführte, darunter auch für Zarnama. Die Stadt Zarnamiya hatte offenbar einen Tempel. Eventuell könnte der Name, der der Goldene bedeutet, auch ein Epitheton für Anahita gewesen sein. Festungsarchiv von Persepolis
Zit Elam Die Gottheit wird bereits im Vertrag von Naram-Sin aufgeführt und kehrt im Festungsarchiv von Persepolis als Ziz-kurra, der Glücksbringer, wieder. Er wird mit einem šip-Fest in Pumu geehrt. Festungsarchiv von Persepolis

Außerhalb des Kernlands

Aus Ägypten und Kleinasien stammen Überlieferungen von individuellen Widmungen. Eine Inschrift stammt aus dem Wadi Hammamat. Eine Amtsperson mit dem persischen Namen Ariyawrata, der wahrscheinlich als Leiter einer Steinbruch-Expedition waltete, hat sie dem Gott Min gewidmet. Das Interessante an der Widmung sind die Namen seiner Eltern, die einen persischen und einen ägyptischen Namen tragen. Offenbar ist der Träger das Kind aus einer Ehe zwischen einem Perser und einer Ägypterin – eine Verbindung, die einen tiefgreifenden Einfluss auf die religiöse Zugehörigkeit ihrer Nachkommen gehabt haben dürfte.

Eine Grabstele aus Sakkara mit einer Inschrift in Hieroglyphen und in demotischer Sprache ist einer Person namens Djedherbes gewidmet, die einen ägyptischen Namen trägt. Er hatte ebenfalls einen persischen Vater und eine ägyptische Mutter. Sein Relief stellt eine Figur dar, die die Haltung des persischen Königs in einer Audienzszene imitiert.

Eine kleine Stele aus Assuan, die einen aramäischen Text enthält, ist eine Erinnerung an die Einweihung eines Kultobjekts durch den persischen Kommandanten der örtlichen Garnison. Zuerst wurde vermutet, dass der Standort eine Stätte für die dortigen Perser war, ihren religiösen Kult auszuüben. Eine erneute Untersuchung ergab aber, dass die Widmung in der einen oder anderen Form an Osiris gerichtet war. Sowohl die Hintergründe der Widmung als auch die Identität der Gottheit sind aber immer noch ungewiss.

Bildnerische Darstellungen

Relief des Felsengrabs von Xerxes I. in Naqsch-e Rostam mit der treppenförmigen Struktur und einem darin brennenden Feuer rechts und dem darüber schwebenden Geflügelten Symbol
Geflügeltes Symbol und der ägyptische Gott Bes in der achämenidischen Gyptik, Fundort Hilla. British Museum Inventarnummer 89352
Der königliche Held im Kampf gegen einen Löwengreif (englisch heroic encounter), einer Gottheit im Nimbus in der Mitte und dem darüber schwebenden Geflügelten Symbol. Walters Art Museum 42 775

Der westliche Eindruck der bildnerischen Darstellung des Göttlichen und Übernatürlichen aus der Zeit der Achämeniden wurde lange Zeit durch das Geflügelte Symbol auf den monumentalen Reliefskulpturen von Behistun und Naqsch-e Rostam dominiert. Mit der Erschließung der über 3000 Siegel der Verwaltungsarchive von Persepolis zeigte sich, dass die Bilderwelt mit göttlichen und übernatürlichen Elementen um einiges vielfältiger und tief in der assyrischen und babylonischen Kultur verwurzelt ist. Die Bildelemente sind mit den elamischen Texten aus den Archiven synchron, die eine Vielfalt von Gottheiten auflisten, die in der frühen Zeit der Achämeniden im Kernland verehrt wurden.

Definitionen

Die Siegel der Verwaltungsarchive von Persepolis werden in verschiedene Stile aufgeteilt, von denen jeder mit charakteristischen Merkmalen definiert ist. Der modellierte Stil ist eine direkte Weiterführung der früheren Schnitzkunst aus Assyrien und Babylonien, der wahrscheinlich in Werkstätten in der Region von Persepolis entwickelt und zu der einzigartigen Ausdrucksweise der achämenidischen Siegel dieses Stils umgesetzt wurde. Er zeichnet sich durch einen grundlegenden plastischen Ansatz für die Wiedergabe von menschlichen und tierischen Formen aus. Das Muskelvolumen schwillt an, vor allem in den Armen, Schultern, der Brust, den Oberschenkeln und Waden der Menschen und im Körper von Tieren. Eine weitere Gruppe von Siegeln mit vorher unbekannten Elementen wird dem Festungsstil zugeordnet. Es sind flache und oberflächliche Siegel, die vor allem Bereiche der Anatomie von Tieren, gewöhnlich deren Hinterteile, darstellen. Im Hofstil sind die Siegel zusammengefasst, die als die offizielle Kunstform des königlichen Hofs gilt und auch mit achämenidischer Glyptik des Kernlands bezeichnet wird. Der Stil enthält die typische persische Kleidung mit den weiten Ärmeln und der senkrechten Falte, von der weitere diagonal wegstreben. Weitere Elemente des Hofstils sind die Dattelpalme und die Figur, die auf geflügelten Symbolen erscheint.

Nach Mark B. Garrison werden Bildelemente als göttlich definiert, wenn sie eine wichtige Gottheit aus der assyrischen, babylonischen, elamischen oder indoiranischen Tradition repräsentieren. Ein übernatürliches Element weist auf die Anwesenheit von etwas Übermenschlichen hin, wie zum Beispiel geflügelte menschliche Wesen, zusammengesetzte Tiere und Menschen, bei denen die Identität ungewiss ist.

Geflügeltes Symbol

Das Geflügelte Symbol taucht auf den Siegeln der Verwaltungsarchive von Persepolis regelmäßig mit anderen göttlichen Elementen wie dem heiligen Baum, dem Stern und der Mondsichel, dem Fischmann und dem Ziegenfisch auf. In einigen Fällen tritt es mit dem Spaten von Marduk und dem Stilus von Nabu im Kontext der sogenannten babylonischen Verehrungsszene in Erscheinung. Die Verbindung vom Geflügelten Symbol mit himmlischem Bildmaterial ist ein Erbe der assyrischen Glyptik. In einigen Fällen tragen die Personen, die zusammen mit dem Geflügelten Symbol auf Siegeln erscheinen, eine assyrische Kleidung mit dem vorderen unbekleideten Bein. Das Geflügelte Symbol scheint je nach visuellem Kontext eine Reihe von Bedeutungen gehabt zu haben. Die Figur im geflügelten Symbol ist mit ziemlicher Sicherheit eine übernatürliche Entität und (teilweise) anthropomorph.

Gottheiten

In der Glyptik der Verwaltungsarchive von Persepolis erscheinen auf etwa 30 Siegeln anthropomorphe Gottheiten, die aus dem Erbe von Assyrien, Babylonien und Elam stammen. Aus der assyrischen Zeit wird die Figur in einem geflügelten Ring traditionell mit Aššur oder Šamaš in Verbindung gebracht. Der Fischmann und der Ziegenfisch sind das Erbe assyrisch-babylonischer und elamischer Kunst und werden mit der Wassergottheit Ea verknüpft. Göttliche Präsenz wird in den Siegeln meistens mit abstrakten Symbolen angezeigt. Es sind dies der Stern, der von Kommentatoren mit Ištar verbunden wird, und die Mondsichel, die Sin zugeordnet wird. Weitere Symbole sind der Spaten des Marduk und der Stylus von Nabu.

Es gibt verschiedene Szenen auf Siegeln, die auf Gottheiten verweisen. Auf dem Siegel PFS 0068, das im assyrischen Stil (modellierter Stil) angefertigt ist, ist das göttliche Wesen in einem Nimbus dargestellt. Es trägt ein enganliegendes Kleid, einen Polos und einen langen Bart. Geflügelte humanoide Figuren in assyrischer Kleidung stehen links und rechts von ihm. Die Ikonographie ist ein Erbe assyrischer monumentaler und glyptischer Kunst mit subtilen Änderungen des assyrischen Prototypen, der im Fokus der Anbetung den heiligen Baum anstatt einer Gottheit enthält. Das Siegel PFS 0038 gehört der Frau von Dareios I., Irtašduna. Es enthält die Szene einer heroischer Begegnung (englisch heroic encounter) mit dem Held in assyrischer Kleidung. Die Szene ist bestückt mit göttlichen Symbolen, wie der Mondsichel, einer Raute, den Plejaden und wahrscheinlich dem Horuskind in einem Papyrusdickicht. Am Rand ist eine partielle Figur in mehrere konzentrische Kreise eingebettet, von denen Strahlen abgehen, die in Sternen münden. Das Gebilde schwebt oberhalb einer aufwendigen Blumenzierde. Obwohl die individuellen Elemente assyrischen Ursprungs sind, ist die Gesamtkomposition von keinem assyrischen Siegel bekannt. Durch die hohe Position von Irtašduna am königlichen Hof ist das Siegel ein eindrückliches Zeugnis der religiösen Vielfalt in der Region von Persepolis.

Übernatürliches

In Westasien existiert eine lange Tradition, das Übernatürliche und Göttliche mittels Tieren oder zusammengesetzten Kreaturen darzustellen. Geflügelte Tiere oder Kreaturen sind besonders beliebt, um auf das Übernatürliche zu verweisen. Dies kommt im Umfeld der Siegel von Persepolis zum Vorschein, wenn ein Anbeter vor geflügelten Löwenkreaturen steht. In einer anderen Darstellung wird eine Kreatur mit zwei Köpfen, einer davon menschlich, verehrt. Die Stellung der Betenden verweisen auf eine babylonische Tradition, aber die Szenen insgesamt sind achämenidische Kompositionen.

Altäre und andere religiöse Strukturen

Verschiedene Siegel von den Verwaltungsarchiven von Persepolis zeigen Altäre und religiöse Strukturen. Sie werden in sechs verschiedene Gruppen unterteilt. Eine treppenförmige Struktur mit einem darin brennenden Feuer wird traditionellerweise als Altar interpretiert. Eine Begleitperson hält ein Gefäß über das Feuer. In der zweiten Gruppe wird die Schlachtung eines Tieres gezeigt. In der dritten Gruppe flankieren zwei Begleitpersonen eine turmförmige Struktur, die ein ausgeprägtes Zinnprofil aufweist. Die vierte Gruppe zeigt zwei Begleitpersonen, die sich auf eine turmförmige Struktur zubewegen, die sowohl ein ausgeprägtes Zinnprofil als auch ein V-förmiges Profil aufweisen kann. In mehreren Szenen tragen Begleitpersonen Gefäße oder führen Tiere an Seilen. In einem Fall ist die Begleitperson im Begriff, ein Tier zu schlachten. Die fünfte Gruppe zeigt eine sitzende Figur und eine turmförmige Struktur, vor dem ein Tier steht. Manchmal haben diese Szenen die Qualität eines offenen Festessens, die über eine sitzende Begleitperson mit einem Gefäß in der Hand charakterisiert wird. Die sechste und wichtigste Gruppe zeigt eine Prozession mit Begleitpersonen, die sich auf eine paarweise abgestufte und eine treppenförmige Struktur hinbewegt, auf der ein Feuer brennt. Die Begleitpersonen tragen Gefäße oder führen Tiere mit sich. In einer anderen Szene schneidet eine Begleitperson einem Tier die Kehle durch.

Die treppenförmige Struktur ist eine feuertragende Konstruktion, die sowohl für Tier- als auch Trankopfer benutzt wurde. Traditionellerweise könnte sie als Altar bezeichnet werden, der üblicherweise erhöht ist. Früher wurde der Altar als zoroastrischer Feueraltar interpretiert. Mit den Nachweisen von Tieropfern ist diese Interpretation veraltet. Zudem verweisen die Szenen im Zusammenhang mit den treppenförmigen Strukturen nicht auf einen spezifischen religiösen Kontext, denn mit der Ausnahme von zwei Fällen in den Verwaltungsarchiven von Persepolis fehlen Verweise auf göttliche Präsenzen. Das Feuer hat nicht nur eine ikonische Bedeutung, sondern hat die Funktion eines Kanals für die Durchführung von Opfern an Gottheiten. Es wird deshalb angenommen, dass es sich bei den Szenen mit den treppenförmigen Strukturen um verschiedene Typen von rituellen Aktivitäten für mehrere Gottheiten handelt. Die turmförmige Struktur trägt kein Feuer und hat deshalb eine andere Funktion als die treppenförmige Struktur. Sie dient als Kulisse für die treppenförmige Struktur oder steht zwischen zwei Begleitpersonen, die ihr zugewandt die Hände zur Verehrung erhoben haben. In der Frühzeit der Achämeniden hatte die turmförmige Struktur eine mehrdeutige Bedeutung. Später war sie ein architektonisches Element, das einen heiligen oder rituellen Raum anzeigen könnte.

Religiöse Praxis

Die Kulte der achämenidischen Religion liegen weitgehend im Dunklen. Die achämenidischen Königsinschriften verraten praktisch nichts darüber. Die antiken Schriftsteller geben nur Fragmente wieder, die zudem mit griechisch-römischen Elementen durchsetzt sind oder Daten aus parthischer Zeit enthalten. Das Festungsarchiv von Persepolis schafft teilweise Abhilfe, indem es die Hauptakteure benennt und die Terminologie der Opfer wiedergibt; es liefert jedoch keine Inhalte abseits von deren Häufigkeit und Umfang. Die Siegel liefern über die Bildsprache weitere Informationen, deren Interpretation aber problematisch ist.

Opfer und Opfergaben

Über das Festungsarchiv von Persepolis sind die Opferriten lan und akriš überliefert. Das lan-Opfer ist das mit Abstand häufigste Opfer und beansprucht den größten Anteil am kultischen Budget der Verwaltung. Fünf verschiedene priesterliche Amtstitel sind als Empfänger aufgeführt und etwa 60 namentliche bekannte Personen führen diese Opfer durch. Bei ungefähr einem Drittel der Rationen fehlt die Angabe, für welchen Gott das Opfer bestimmt war. Die restlichen Einträge belegen, dass das lan-Opfer an verschiedene Götter gerichtet war wie beispielsweise an Napiriša. Aus den Unterlagen der Administration wird ersichtlich, dass lan eine eigene Opfergattung darstellte und wahrscheinlich für eine ganze Reihe von Gottheiten durchgeführt wurde. Als Opfergaben wurden Kleinvieh, Getreide, Gerste, Mehl, Wein, Bier, Feigen und Datteln ausgegeben. Angesichts der schieren Menge müssen diese Lebensmittel als Grundeinkommen für das kultische Personal eingestuft werden.

Das zweite bekannte Ritual, akriš, taucht weniger häufig auf; es wird vermutet, dass es sich hierbei um ein iranisches Lehnwort handelt. Die zugewiesenen Beträge sind aber beträchtlich, sodass von einem regelmäßigen Opfer ausgegangen werden kann. Akriš fand an bedeutenden Orten wie beispielsweise in Pasargadae statt und war gewöhnlich allgemein „an die Götter“ gerichtet.

Die Waren, die für religiöse Zwecke von der Administration von Persepolis ausgegeben wurden, werden mit dem elamischen Begriff gal (Rationen, Opfergaben) angegeben. Die altpersische Entsprechung, die in den elamischen Texten ebenfalls vorkommt, lautet daušam (Opfer) und daušiyam (zu einem Opfer gehörend). Die Rationen umfassen Getreide, Mehl, Sesam, Wein, Bier, Früchte und Tiere für verschiedene Gottheiten oder alle Götter, Berge und Flüsse, für das lan-Opfer sowie die Riten kušukum und hapidannuš (siehe unten).

Es sind mehrere Typen von Feiern überliefert. Das heilige Fest (elamisch šup, šip) stammt aus der elamischen Tradition und fand alljährlich im Herbst statt. Es ist nicht klar, ob es sich um einen allgemeinen Begriff für Zeremonien handelt oder ob darunter ein bestimmtes Ritual zu verstehen ist. Die šip fanden in Pasargadae und anderen Orten mit Hunderten von Angestellten und großen Mengen von Opfergaben statt. Die Leitung wurde von den höchsten Würdenträgern der Verwaltung wahrgenommen und diese agierten im Namen des Königs. In der Inschrift XPh ist in der elamischen Sprachversion zu lesen, dass der König das šip für Ahuramazda angemessen zelebriert hätte. Eine weitere Feier war das Opfer für einen Gott (bakadaušiyam), das für verschiedene Götter wie Humban, Mišdušiš und die übrigen Götter abgehalten wurde. Die Opfergaben wurden nach vollendeter Zeremonie den Arbeitern zum Verzehr gegeben.

Heilige Orte und Tempel

Der heilige Bezirk von Pasargadae hatte eine große rituelle und dynastische Bedeutung und ist eines der wenigen erhaltenen architektonischen Elemente der Religion der Achämeniden aus dem Kernland

Ausgehend von den Überlieferungen der antiken Schriftsteller wurde lange Zeit davon ausgegangen, dass im Zeitraum der Achämeniden religiöse Veranstaltungen unter freiem Himmel an Gewässern und auf den Gipfeln von Bergen stattfanden. Die Äußerung „Tempel für die Götter“ in der Inschrift aus Behistun in elamischer und babylonischer Sprache wurde metaphorisch oder als Eigentümlichkeit der Schreiber gedeutet. Inzwischen weiß man, dass Tempelarchitekturen neben Heiligtümern unter freiem Himmel und „übernatürlichen Orten“ in der Tradition von Elam existierten und die Formen wahrscheinlich in der achämenidische Zeit weiterbestanden. Die spärliche Überlieferung von Tempeln wird heute auf ihre ökonomische Rolle zurückgeführt, die wirtschaftlich weitgehend unabhängig war. Die wachsenden archäologischen Hinweise aus Baktrien, Sogdien (Koktepe, Sangir-Tepe, Kindyk-Tepe) und Chorasmien aus achämenidischer Zeit weisen auf Tempel hin. Von der archäologischen Stätte Dahan-e Gholaman in der heutigen iranischen Provinz Sistan und Belutschistan gibt es Beweise für Opferfeste. All diese archäologischen Funde werden aber durch fehlende eindeutige Funde aus dem Kernland der Achämeniden verzerrt. Der deutlichste Hinweis auf einen Tempel im Kernland ist der heilige Bezirk in Pasargadae, der eine wichtige rituelle und dynastische Bedeutung hatte. Hingegen wird die Interpretation des Kaʿbe-ye Zartuscht in Naqsch-e Rostam als Feuertempel mehrheitlich abgelehnt. Um darin das heilige Feuer des Königs unterhalten zu können, fehlt die Ventilation.

Im Festungsarchiv von Persepolis sind die Hinweise auf Tempel oder heilige Orte ebenfalls selten. Der dafür verwendete elamische Begriff ziyan bedeutet ein Ort des Sehens. Es ist in der elamischen Tradition der Standardbegriff für religiöse Architekturen und taucht in einem Text auf, der die Opfertafel für Kambyses II. und seine Ehefrau auflistet.

Priesterliche Amtsträger

Vom Festungsarchiv von Persepolis sind verschiedenen Bezeichnungen für priesterliche Amtsträger überliefert. Priesterliche Amtsträger wie der makuš und šatin haben in Persepolis auch administrative Rollen wie es im Vorderasien, speziell in Babylonien im 1. Jahrtausend v. Chr., alltäglich war. Kleine regelmäßige Rationen für Opfer dienten dem Lebensunterhalt der Amtsträger.

Bezeichnungen von priesterlichen Amtsträgern
Bezeichnung Sprache Hintergrund
haturmakša altpersisch Wörtlich übersetzt der, der das Feuer schürt. Der Begriff ist aus dem Avesta bekannt. Im Festungsarchiv erscheint der haturmakša auch als Inspektor, der die Jahresabrechnung der Lagerhäuser von Bezirken überwacht.
kmr aramäisch Einmaliges Vorkommen auf einer Inschrift des Siegels PFUTS 0019, der einen Priester bezeichnet.
lan‐lirira elamisch Die Bezeichnung verfügt über eine lange religiöse elamische Tradition. Der Begriff tritt auch in der Form makuš lan-lirira auf.
makuš altpersisch Der Ursprung des altpersischen Begriffs makuš ist unbekannt. Über die antiken Schriftsteller ist die Bezeichnung im Westen als Magier bekannt geworden und wird in den Quellen als Theologieleser, rituellen Spezialisten, Wahrsager, Sturmbeschwörer, königlichen Erzieher und Berater beschrieben. Zusammenfassend kann der makuš als Experte der mündlichen Tradition und der Überlieferungen bezeichnet werden. Das Attribut des Wahrsagers empfing der makuš wahrscheinlich über babylonische und neuelamische Einflüsse, die über die Literatur gut dokumentiert sind. Aus Babylonien sind privatrechtliche Dokumente überliefert, die den makuš in administrativen und unternehmerischen, aber nicht in priesterlichen Rollen, zeigen. Im Avesta kommt der Begriff nicht vor.
pirramadda altpersisch Der Begriff kann rückwirkend von der mittelpersischen Sprache mit „leitender makuš“ übersetzt werden und bezeichnet einen höheren Rang als makuš.
šatin elamisch Eine seit dem frühen 2. Jahrtausend v. Chr. überlieferte elamische Bezeichnung für einen Kultexperten.

Verbindung von Landwirtschaft und Opfern

Verschiedene Schlüsselwörter im Festungsarchiv von Persepolis weisen sowohl auf Strukturen der Landwirtschaft als auch auf spezifische Kulte hin. Oftmals waren solche Strukturen Lagerhäuser. Sie zeigen eine allgemeine Verbindung zwischen Lagereinrichtungen für Ernten und gewissen Typen von Kultaktivitäten. Einige Schlüsselwörter deuten darauf hin, dass sie Teil von institutionellen Einrichtungen und Knotenpunkten der Administration waren. Die Regelmäßigkeit der Opferrationen und der ausgewiesene Viehbestand zeigen einerseits die starke Orientierung zur Landwirtschaft und andererseits die Wichtigkeit, die ihnen beigemessen wurde. Die Rationen im Zusammenhang mit diesen Schlüsselwörtern ernährten nicht nur das administrative Personal, sondern dienten auch der Sicherstellung und Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion.

Zusammenstellung der Schlüsselwörter
Name Beschreibung Opfergaben
balum Der Begriff verweist auf Speicherkomplexe, bei denen Getreide gegen Tiere getauscht wurden, die dann als Opfergaben an verschiedene Götter sowie für tikrakkaš und kušukum (nähere Angaben siehe weiter unten) dienten. Es ist eine institutionelle Einrichtung der Administration. Tiere
hapidannuš Das Schlüsselwort verweist konkret auf eine Wasserstelle, beziehungsweise auf ein Wasserreservoir und im übertragenen Sinn auf eine Lagerung. Es ist eine institutionelle Einrichtung der Administration. Hapidannuš könnte möglicherweise auf einen Regenkult hindeuten.
kušukum Der Ausdruck bezeichnet eine physische Struktur mit einer landwirtschaftlichen Funktion. Aber es dürfte sich auch um einen spezifischen Typ eines Opfers gehandelt haben. Kušukum konnten bei Lagerhäusern stattfinden. Häufige Opfergaben waren Tiere, die über ein Tauschgeschäft beschafft wurden. Mit kušukum wurden „die Götter“ sowie die Gottheiten Anturza und Našiz, die außerhalb des Festungsarchivs von Persepolis unbekannt sind, geehrt. Eine Verbindung von kušukum zu Regen, Ernte und Fruchtbarkeit wäre naheliegend. Schafe, Ziegen und Rinder
pilu Pilu ist ein Weinlager. Es ist eine institutionelle Einrichtung der Administration. Zweimal tritt es als kultische Stätte für ein Weinopfer für Humban und ein Tieropfer für Minam, eine ebenfalls außerhalb des Festungsarchiv von Persepolis unbekannte Gottheit, auf. Wein, Tiere
tikrakkaš Die Bezeichnung bedeutet wörtlich eine spitze Struktur, der ein Bienenkorb-Speicher mit seiner auffälligen Kuppel gewesen sein könnte. Es handelt sich um einen bestimmten Ort oder einen Schauplatz eines bestimmten Rituals. Tikrakkaš tritt regelmäßig bei Riten für Adad sowie für kušukum und manchmal für hapidannuš auf. Schafe, Ziegen, Rinder, Bier, Wein
zannazza/zanza Der Begriff dürfte ein institutionalisiertes Zwischenlager gewesen sein. In einem Beispiel erhält ein makuš Getreide für das zannazza von Išpandaramattiš. Getreide

Begräbnisrituale

Akropolis-Grab in Susa, Bronzesarkophag mit goldenen Schmuckstücken und andere Objekte

Beisetzungen auf dem Iranischen Hochplateau sind seit mindestens dem 6. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen. Bereits während der Bronzezeit wurden in den frühen, bedeutenden städtischen Siedlungen die Friedhöfe von den Wohnbereichen getrennt. Während der Eisenzeit (1300/1250–550 v. Chr.) wurde diese Trennung systematisch vollzogen. Die bemerkenswerte Vielfalt an Bestattungsarten in Iran – Katakomben, einfache Gruben in der Erde oder im Fels, Nischen mit Steinverkleidungen, Grabkammern aus Steinmauerwerk sowie Knochen in Urnen – wird nicht nur auf soziale Unterschiede zurückgeführt, sondern hing zum größten Teil von kulturellen Unterschieden ab. Im Iran sind keine Verbrennungen von Toten überliefert.

Die Bestattung in einfacher Erde – wobei die Toten auf dem Rücken liegend mit angezogenen Beinen und mit Beigaben versehen wurden – war die typische Art des persischen Begräbnisses zur Zeit der Achämeniden. Sie wird durch verschiedene archäologische Funde bestätigt. Zudem sind Särge aus Ton von einem Friedhof etwa 1 km nördlich von Persepolis überliefert. Die Bestattungsform wird auch von verschiedenen antiken Schriftstellern wie Ktesias von Knidos, Plutarch und Quintus Curtius Rufus aufgeführt.

Zwei Gräber mit Badewannensärgen aus Bronze wurden 1901 in der Akropolis von Susa gefunden. Eines der Gräber wird auf das Ende des 5. oder das frühe 4. Jahrhundert v. Chr. datiert; das andere war beinahe leer und konnte nicht datiert werden. Der Leichnam des datierten Grabes wurde in Rückenlage auf den Sargboden gebettet, zusammen mit zahlreichen kostbaren Schmuckstücken und umgeben von einer Fülle von Gefäßen aus Stein und Metall. Wegen der reichhaltigen Grabbeigaben wird der Tote als Angehöriger der Elite identifiziert. Die Beisetzung in dieser besonderen Sargform und die Beigaben spiegeln elamische und mesopotamische Traditionen wider. Ebenfalls in Susa wurden Fragmente von menschenförmigen Särgen gefunden, die den Särgen aus Sidon und Zypern ähneln. Es wird angenommen, dass die Särge der achämenidischen Könige diesen geglichen haben.

Das Grab von Kyros II.

Das älteste Grab der Achämeniden steht in Pasargadae und wird Kyros II. zugewiesen. Das Grab besteht vollständig aus Kalksteinblöcken und bildet eine rechteckige Kammer mit einer horizontalen Decke und einem Satteldach. Der Eingang befindet sich an der nordwestlichen Fassade und ist über einen hohen Sockel mit sechs zurückgesetzten Stufen erreichbar. Die monumentale Architektur ähnelt den Gräbern der Nekropolen von Tappe Sialk, die unter den Einflüssen von Ionien, Anatolien, Urartu und Mesopotamien entstanden. Das Grabmal des Kyros II. weist lediglich eine formale Ähnlichkeit mit einer elamischen Zikkurat auf. Die Zuschreibung des Grabes zu Kyros II. basiert auf der Beschreibung von Aristobulos von Kassandreia, der Alexander den Großen auf seinem Eroberungsfeldzug gegen die Perser begleitete. Der Sarg des Kyros II. sei aus Gold gewesen, und auf einem Tisch sowie einem Bett seien Kleidungsstücke, Juwelen und Waffen angeordnet gewesen. Da der Leichnam laut dieser Beschreibung im späten 4. Jahrhundert v. Chr. immer noch vorhanden war, wurde der Tote wahrscheinlich einbalsamiert und nicht mit einer Wachsschicht überzogen, wie es der Brauch der Perser nach Herodot gewesen sei.

An den Grabstätten von Königen und wichtigen Mitgliedern des Königshofs wurden über längere Zeiträume regelmäßig Opfer dargebracht. Angehörige des Hofs hatten gewöhnlich die Aufsicht darüber. Von den Opfergaben an diesen Grabstätten zeugen mehrere Tontafeln des Festungsarchivs von Persepolis aus der Regierungszeit von Dareios I. Sie werden durch spätere Berichte antiker Schriftsteller wie Arrian bestätigt. Weizen, Mehl, Schafe, Ziegen, Pferde und Wein wurden von der Verwaltung in Persepolis an die Wächter der Grabstätten (elamisch šumar) und Opfertische (elamisch bašur) von Kyros II., Kambyses II., Hystaspes und anderen hochrangigen Verstorbenen des Königshofs für die Durchführung von Opfern bereitgestellt. Die Opfergaben dienten in erster Linie dem Wohlbefinden der Verstorbenen. Für die Teilnehmer der Opferrituale hatten die Rationen zudem einen wirtschaftlichen Wert, da sie nach den Zeremonien verzehrt werden konnten.

Jenseitsvorstellungen

Für die Beschreibung achämenidischer Jenseitsvorstellungen werden Passagen der Inschrift XPh von Xerxes I. hinzugezogen. Der zoroastrische Begriff aša, dessen Lesart in dieser Inschrift heute umstritten ist, wurde einst mit einem „tugendvollen Tod“ gleichgesetzt. Er verweist auf die Vorstellung eines Nachlebens, dessen Verlauf vom Handeln des Menschen während seines Lebens abhängt. Wer sich gegenüber dem König – welcher das Werk Ahuramazdas verteidigt – loyal zeigt und den Gott verehrt, wird im Leben glücklich und im Tod selig sein. Der Übergang von der Welt der Lebenden in die Welt der Toten wird dabei durch die Person des Königs vermittelt, was der letzte Paragraph der Inschrift deutlich hervorhebt.

Neben der vor allem ideologisch motivierten königlichen Inschrift verweisen Gefäße mit Proviant auf eine geplante Nutzung durch die Verstorbenen – ein Hinweis auf den Glauben an ein Leben nach dem Tod.

Religion und Politik

Die Achämeniden lernten von den neuassyrischen Königen, wie die Religion als Instrument der Macht genutzt werden konnte. Die imperiale Kultur Assyriens beeinflusste die Organisation und Administration des persischen Reichs, das Hofleben sowie die Kommunikationsformen der monumentalen Reliefskulpturen und Inschriften. Dabei übernahmen die Achämeniden die assyrischen Konzepte (Adoption), passten sie an (Adaption) und veränderten sie (Transformation). Das Ziel war die Vermittlung der Botschaft einer imperialen und universellen Herrschaft über eine vereinte Welt unter einem göttlichen Patronat mit einem vom Gott inspirierten König. Diese Botschaft wurde über zwei Schlüsselkonzepte vermittelt: die Nähe des Königs zum Staatsgott und der religiöse Beiklang bei der Gründung des Reichs.

Ahuramazda und der religiöse Auftrag

Die assyrischen Könige wurden von ihrem Gott ausgewählt und regierten als göttliche Stellvertreter und oberste Priester im Namen des Gottes, der als der eigentliche König galt. In seinem Auftrag weiteten sie ihr Territorium aus und unterwarfen die feindlichen Völker, denen Missetaten und Sünden gegen den Gott vorgeworfen wurden. Die Feinde Assyriens wurden als Menschen mit unmoralischen Gesinnungen angesehen, die die kosmische Ordnung gefährdeten und deshalb bekämpft werden mussten. Die Eroberungskriege dienten somit als Mittel, um die göttliche Gerechtigkeit in den betroffenen Ländern wiederherzustellen.

Der Gott der Achämeniden war nicht der König, sondern derjenige, der dem persischen König die Herrschaft übertragen hatte. Sein Epitheton, „der größte unter den Göttern“, entspricht „dem größten der Götter“ des elamischen Gottes Humban und den Titeln „Übergroßer, Großer, Höchster“ für verschiedene mesopotamische Götter. Er wird als derjenige beschrieben, der die Welt erschaffen und den Menschen das Glück gebracht hat. Der Verweis auf das Glück der Menschen – beispielsweise in der Inschrift DSf aus Susa – hat einen assyrischen Vorläufer und ist in einigen assyrischen Gebeten, einem Krönungslied sowie in astrologischen Berichten nachgewiesen. Die innige Beziehung zwischen dem von Gottes Hand geschaffenen Universum und der Tatsache, dass der Schutz desselben als heilige Aufgabe in die Hände des Königs gelegt wurde, bedeutet, dass das menschliche Glück von der Aufrechterhaltung der kosmischen Ordnung abhängt, deren Garant der persische König ist. Ahuramazda ist der Gott des Imperiums und des Königs. Dies kommt besonders deutlich in den Inschriften DB, DSk und XPh zum Vorschein. Denn diejenigen, die nicht loyal zum König stehen, verehren auch Ahuramazda nicht. Sie sind Anhänger der Täuschung (altpersisch draujana-) und der Lüge (altpersisch drauga-). Sie bringen Chaos sowie Dunkelheit und verstoßen gegen die göttliche Ordnung. Es ist der König, der das Licht, die Wahrheit und das Glück der Menschen verteidigt.

Die Erwähnung der Daevas in der Inschrift XPh von Xerxes I. spielt oft eine zentrale Rolle bei der Bestimmung des Ausmaßes der „(In-)Toleranz“ der Achämeniden. Wissenschaftler waren sich uneinig darüber, ob es sich bei der in der Inschrift erwähnten Zerstörung der „Daeva-Stätte“ um den Tempel von Marduk in Babylon, den Tempel der Athene in Athen oder um die Zerstörung eines Tempels für einen nicht-zoroastrischen Gott handelt. Bei allen Möglichkeiten äußert Xerxes I. jedoch nicht seine theologische Überzeugung hinsichtlich anderer Götter, sondern es geht um die Darstellung eines rebellierenden Landes mit „Daevas“ als Göttern, die sich Ahuramazda und der (politischen) Wahrheit entgegenstellen. Daher kann die Daeva-Inschrift nur als politisches Dokument betrachtet werden.

Umgang mit lokalen Kulten

Seit Beginn der Erforschung des Achämenidenreichs wird die Haltung der Könige in Bezug auf die Religion der beherrschten Völker als „tolerant“ und mit „einer großen Ehrfurcht vor Kulten und Heiligtümern“ charakterisiert. Der Respekt den Göttern gegenüber äußert sich zum Beispiel in der Berichterstattung von Herodot über das Trankopfer und die Geschenke von Xerxes I. an den Ufern des Hellesponts, die wahrscheinlich an lokale Meeresgötter gerichtet waren. Diese und andere Episoden von Opfern an lokale Götter zeigen die Sorge der Perser, den Hauptgott des Gebiets, in das sie eindrangen, zu besänftigen. Sie verdeutlichen das Bestreben, sich in Bezug auf lokale göttliche Einflusszonen abzusichern.

Die achämenidischen Könige förderten lokale Kulte, da die Gottheiten der verschiedenen Volksgruppen eine unterstützende Rolle bei der Aufrechterhaltung der politischen Ordnung spielten. Zudem war den Herrschern bewusst, dass Ahuramazda – der in den Königsinschriften als rein ‚iranischer‘ Gott charakterisiert wurde – nicht den religiösen Bedürfnissen der vielen nicht-iranischen Völker des Reiches entsprach.

Die wichtigsten zeitgenössischen Berichte, die Aufschluss über das Verhältnis der Könige zu den lokalen Kulten der eroberten persischen Gebiete geben, stammen aus Babylonien und Ägypten. Die Bemühung von Dareios I. um die Legitimation seiner Herrschaft nach den blutigen Kriegen zeigt sich in einer Version der Inschrift DB, die in akkadischer Sprache geschrieben entlang der Prozessionsstraße in Babylon aufgestellt wurde. Darin proklamiert der persische König die göttliche Unterstützung durch Bel(-Marduk) anstatt – wie im Original – durch Ahuramazda. Es ist ein Signal an die eroberte Bevölkerung, dass es der Wille der obersten Gottheit von Babylon gewesen sei, dem persischen König zum Sieg zu verhelfen. In Ägypten wurde die Sicherung der Herrschaft mit der Erstellung von mehreren Stelen gefeiert, die in vier Sprachen abgefasst waren und am neuen Suezkanal aufgestellt wurden. In der Inschrift DZc proklamiert Dareios I. seinen Sieg und die Verbindung der beiden Länder durch den Kanal. Die Ikonographie der Stelen zeigt den persischen König in persischer Kleidung. Gleichzeitig erklärt er sich aber in ägyptischer Sprache und mit den traditionellen Ornamenten zum ägyptischen Pharao.

In Ägypten wird Dareios I. nicht nur als Pharao mit persischen Attributen dargestellt, sondern auch als Gott. Die früheste Illustration stammt aus dem Hibis-Tempel der Oase Charga. Auf der begleitenden Inschrift in ägyptischen Hieroglyphen ist er namentlich erwähnt. Die Darstellung zeigt eine anthropomorphe Gestalt mit Falkenkopf, Rücken, Schwanz und Flügeln, die den Feind in der Gestalt der göttlichen Schlange Apophis besiegt.

Da der persische König selbst jedoch ein Fremder ist, ist die typische Präsentation der ägyptischen Könige – die sich im Kampf gegen libysche, nubische und asiatische Feinde darstellen ließen – auf eine mythologische Stufe gehoben. Die Gestalt, die auf den ersten Blick die übliche Darstellung des ägyptischen Gottes Horus nahelegt, ist durch die Inschrift nicht eindeutig als Horus zu identifizieren, sondern bezieht auch dessen göttlichen Gegenspieler Seth mit ein. Seth war der „Gott der Fremden“ und wurde in den Oasen Ägyptens, aus denen das Bild überliefert ist, in anthropomorpher Gestalt mit Falkenkopf verehrt.

Es scheint wahrscheinlich, dass die identifizierende Inschrift darauf hinweisen soll, dass Dareios I., der lebende Horus – also der ägyptische Pharao – in Wirklichkeit ein Ausländer war. Der Inhalt der Inschrift würde entsprechend lauten: „Dareios, der Perser, der fremde Horus, der Maat durch den Sieg über die Feinde garantiert.“ Obwohl die Darstellung verschiedene Interpretationen zulässt – wahrscheinlich absichtlich –, erscheint es angesichts der restlichen Darstellungen von Dareios I. im Tempel eher unangemessen, sie als subtilen Protest der Priesterschaft des Hibis-Tempels gegen den Herrscher zu interpretieren.

Sowohl in Babylon als auch in Ägypten existierten die lokalen Kulte unter der persischen Herrschaft weiter. Die persischen Könige übernahmen zumindest nominell die Pflichten, die die lokalen Kulte von ihnen verlangten. Es ist aber offensichtlich, dass sich die Beziehung zwischen den Königen und den lokalen Kulten unter der persischen Herrschaft veränderte. Denn es war für den persischen König nicht möglich, in gleicher Weise präsent zu sein wie die vorherigen lokalen Herrscher. Zu den königlichen Pflichten gehörte die Bewilligung für den Bau von Tempeln, die Teilnahme an Opfern sowie die Durchführung von Feiern und Ritualen. Dies bedeutete aber nicht, dass der persische König oder sein Stellvertreter die lokalen Kulte auch finanziell unterstützte.

Das lässt sich anhand von drei Beispielen zeigen: Im Buch Esra steht, dass der Bau oder die Restaurierung des Tempels in Jerusalem mit der Unterstützung von Kyros II. zustande kam, der dazu aufrief, für den Tempel zu spenden. Im späten 5. Jahrhundert v. Chr. bestätigt eine Überlieferung aus Elephantine die persische Rolle bei der Kontrollausübung und Sicherung von religiösen Kulten, als den Juden erlaubt wurde, einen Tempel für ihren Gott mit ihren eigenen Mitteln wiederaufzubauen. Ein dreisprachiger Text aus Xanthos aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., die Trilingue vom Letoon, zeigt schließlich, dass es die Aufgabe des dortigen Satrapen war, den Bürgerentscheid für einen Kult von zwei lykischen Göttinnen zu ratifizieren, nicht jedoch, ihn auch zu finanzieren.

Die Überlieferungen über die Unterdrückung von lokalen Kulten durch Kambyses II. und Xerxes I. in Babylon oder Ägypten werden heute als Ausdruck von lokalen Machtkämpfen und als das Ergebnis von verwaltungstechnischen Reorganisationen verstanden. In allen Fällen ging es im Wesentlichen um administrative Vereinbarungen, die nur sehr wenig über die tatsächliche Einstellung der Perser zu bestimmten lokalen Göttern verraten.

Kalender

Wie die meisten frühen Gesellschaften kannte das achämenidische Reich mehrere Kalender: Es gab den babylonischen, den aramäischen, den altpersischen, den achämenidisch-elamischen Kalender und eventuell einen Kalender aus Susa. Sie können als verschiedene Oberflächen desselben unterliegenden Systems betrachtet werden. Im Kernland des Achämenidenreichs verwendeten die Schreiber eindeutig ein einziges Kalendersystem mit verschiedenen Monatsnamen, das bereits in der frühen Achämenidenzeit vollständig an den babylonischen Kalender angepasst war. Dieses System ist mit Monatsnamen aus verschiedenen Sprachen aus vielen Regionen überliefert: Parsa, Elam, Medien, Ägypten, Babylonien, der Region jenseits des Euphrats, Lykien, Lydien, Baktrien und vielleicht Kappadokien. Die Sichtweise auf den achämenidischen Kalender – wie dieses einheitliche System aufgrund seines mehrsprachigen Charakters genannt werden kann – wurde lange Zeit durch die verschiedenen Reihen von Monatsnamen verschleiert, die unter seiner Ägide parallel verwendet wurden. Seine Reform, Verbreitung und mehrsprachige Anwendung erfolgten unter der Schirmherrschaft und mit dem aktiven Willen der achämenidischen Herrscher.

Der achämenidisch-elamische Code der Texte aus dem Festungsarchiv von Persepolis verwendet wie die klassische elamische Sprache verschiedene Determinative. Eines davon ist AN, das einem Wort vorangestellt wurde, wenn es einen Begriff als etwas Göttliches oder Übernatürliches bezeichnete. Im Achämenidisch-Elamischen wurden mehr Personen oder Dinge mit diesem Attribut bezeichnet als es vormals aus der elamischen Sprache überliefert ist; letztere hatte mit dem Determinativ lediglich göttliche Namen und Epitheta, die wie Namen klingen, gekennzeichnet. Der Einsatz des Determinativs hat sich im Achämenidisch-Elamischen weit ausgebreitet und erstreckt sich auf Kultstätten, Riten, Priester, Manifestationen göttlicher Macht sowie auf Elemente von Raum und Zeit. Berge, Flüsse und andere Gewässer, die mit Opfern, Denkmälern, Prozessionen, Festen, Geschichten oder Namen verknüpft sind, wurden mit dem göttlichen und übernatürlichen Attribut versehen – so auch die Monatsnamen. Das göttliche Attribut scheint in seiner Verwendung während der frühen Achämenidenzeit tatsächlich eine sich wandelnde semantische Kategorie oder Weltanschauung auszudrücken und vielleicht auch ein sich entwickelndes Konzept des Göttlichen widerzuspiegeln. Eine mögliche Erklärung für die Ausweitung könnte ein Bezug auf den zoroastrischen Kalender sein, der Tage und Monate einer Gottheit oder einem religiösen Konzept widmet. Ebenso könnte dies auf einen älteren indoiranischen Horizont verweisen, der möglicherweise von größerer Bedeutung ist als etwaige zoroastrische Verbindungen.

Der zoroastrische Kalender enthält ägyptische und mesopotamische Elemente, die nur im achämenidischen Zeitraum eingeflossen sein können. Er wurde nicht geschaffen, um den zivilen Kalender zu ersetzen. Sein eigentlicher Zweck war höchstwahrscheinlich die Etablierung eines einheitlichen rituellen Jahres. Die aramäischen Texte aus Baktrien aus der späten Zeit des Achämenidenreichs zeigen, dass der mesopotamische Kalender für zivile Zwecke und der zoroastrische Kalender – dessen Existenz mit diesen Texten bewiesen ist – in einem religiösen Kontext verwendet wurden. Der zoroastrische Kalender blieb in abgewandelter Form erhalten und tauchte in vielen ehemaligen Teilen des Achämenidenreichs wieder auf: in Armenien, Georgien, Kappadokien, Parthien usw. Der zoroastrische Kalender wird, neben dem Wandel der Darstellung des Jenseits und der Strukturierung der zoroastrischen Schöpfungsgeschichte und der Endzeit, als der dritte Faktor angesehen, der zeigen kann, dass der Zoroastrismus, wie wir ihn kennen, im Zeitraum der Achämeniden seine Gestalt annahm.

Quellenlage

Die Überlieferung der achämenidischen Götterwelt ist lückenhaft. Es gibt die achämenidischen Königsinschriften, die monumentalen Reliefskulpturen und die elamischen Texte aus den Verwaltungsarchiven von Persepolis, die vor allem die lokale Götterwelt des achämenidischen Kernlands, Parsa, abdecken. Um die Quellen von den Verwaltungsarchiven einordnen zu können, muss man sich bewusst sein, dass alle aufgezeichneten religiösen Aktivitäten Ausdruck der lokalen staatlichen Autorität war, in diesem Fall der königliche Hof, der die Kulte im Kernland wirtschaftlich unterstützte.

Archäologische und ikonographische Belege außerhalb der Archive von Persepolis für Gottheiten sind selten und fragmentarisch. Als Quellen von Außerhalb des Reiches sind die antiken Schriftsteller zu erwähnen, die unvollständige und manchmal falsche Bilder über die Götterwelt der Achämeniden vermitteln, aber eine ergänzende Rolle spielen.

Forschungsgeschichte

Das Bild der Religion der Achämeniden wurde lange Zeit von der wissenschaftlichen Debatte geprägt, ob diese Religion zum Zoroastrismus gezählt werden kann oder nicht. Oftmals wurde es sogar mit dem Studium des Zoroastrismus gleichgesetzt. Andere Beiträge wurden kaum beachtet. Eine der führenden Wissenschaftlerinnen jener Zeit, die britische Iranistin Mary Boyce, richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Rekonstruktion des Zoroastrismus über seine lange Geschichte im Sinne einer „longue durée“ – einer Struktur, die fast unbeweglich ist und sich kaum verändert. Die Quellen zur Zeit der Achämeniden dienten in diesem Ansatz in erster Linie als Ansammlung von Belegen, die in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden müssen: Sie sollten zeigen, ob sie sich in die Geschichte des Zoroastrismus einfügen lassen oder nicht.

Die Unversöhnlichkeit verschiedener wissenschaftlicher Haltungen zeigt sich am Beispiel der Interpretation der Bestattung von Kyros II. in Pasargadae. Die archäologische Fundstelle und die Überlieferungen der antiken Schriftsteller zeigen, dass diese Art der Bestattung sich nur schwer mit zoroastrischen Ritualen vereinbaren lässt. Dementsprechend gilt das Grabmal des Kyros II. für den schwedischen Religionswissenschaftler und Orientalisten Geo Widengren als einer der Beweise dafür, dass die Achämeniden keine Zoroastrier waren. Er argumentiert hierzu wie folgt:

„Es ist wichtig, sich Rechenschaft darüber zu geben, daß auch die Bestattungsriten der achämenidischen Könige so unzoroastrisch wie nur möglich sind, eine Tatsache, welche die Verfechter der These vom Zoroastrismus der Achämeniden mit diskretem Schweigen übergehen. Aber noch mehr: durch unseren trefflichen Berichterstatter Arrian wissen wir ferner, daß ein förmlicher königlicher Grabkultus am Denkmal des Königs eingerichtet wurde. […] Wie sehr dieses Grabopfer gegen den Geist des Zoroastrismus verstößt, braucht […] nicht noch besonders unterstrichen zu werden. Für den unzoroastrischen Charakter des Königtums ist jedoch die Kontinuität auf diesem Gebiet sehr bemerkenswert […].“

– Geo Widengren: Die Religionen Irans. In: Die Religionen der Menschheit. Band 14. Stuttgart 1965. S. 154–155.

Dem hielt Mary Boyce 1982 dagegen:

„[…] he had the tomb made in such a way that there was not the smallest danger that his corpse could pollute the elements. Stone, according to the Zoroastrian purity laws, is impermeable, a solid barrier, unlike brick or wood, to impurity; and in his sepulcher the six-tiered platform of stone raises the stone tomb-chamber high above the good earth. […] The tomb was thus elaborately functional, as well as a noble piece of architecture; and it reduced the violation of Zoroastrian law to a minimum.“

„Er hat das Grab auf eine Art gebaut, dass nicht die kleinste Gefahr bestand, dass sein Körper die Elemente vergiften könnte. Stein ist nach der zoroastrischen Lehre undurchlässig, eine solide Barriere, nicht so wie Ziegel oder Holz; und in seinem Grab erhebt sich die sechsstufige Steinplattform, die die steinerne Grabkammer hoch über die gute Erde emporhebt. Das Grabmal war somit nicht nur ein aufwendig gestaltetes, zweckmäßiges Bauwerk, sondern auch ein edles architektonisches Meisterwerk; zudem reduzierte es den Verstoß gegen das zoroastrische Gesetz auf ein Minimum.“

– Mary Boyce: A History of Zoroastrianism II. Under the Achaemenians. Leiden 1982, S. 56–57.

Diese Art der Diskussion basierte auf problematischen Grundannahmen, insbesondere dass das Avesta und die mittelpersischen Bücher des Zoroastrismus von beiden Wissenschaftlern als normative Quellen betrachtet wurden. Dies beraubte die iranischen Könige – insbesondere die Achämeniden – praktisch jeglicher Handlungsfähigkeit in religiösen Angelegenheiten.

Die Wende wurde durch die Veröffentlichung der Texte aus dem Festungsarchiv von Persepolis durch Richard Hallock 1969 eingeleitet. Die erste Publikation zum religiösen Aspekt des Archivs stammte von Heidemarie Koch 1977, deren Arbeit durch die Dissertation von Wouter F. M. Henkelman 2008 abgelöst wurde. Letztere gilt als heutiges Standardwerk.

Der Fokus der neueren Forschung liegt seither auf der Integration archäologischer Funde aus Zentralasien, den elamischen Texten und der Bildsprache von Siegeln. Aus verschiedenen Perspektiven – sei es aus der Sicht indoiranischer oder iranischer Traditionen oder aus der Sicht elamischer und assyrisch-babylonischer Kontexte – werden die Materialien in die Forschung integriert. Dabei wird den Primärquellen eine zentrale Bedeutung beigemessen.

Rezeption

Die Religion und die Götterwelt zur Zeit der Achämeniden werden bis heute in der Forschung kontrovers diskutiert. Die Vielfalt an widersprüchlichen Konzepten und Rekonstruktionen führt zu tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten, die kaum miteinander in Einklang zu bringen sind.

Das rege Forschungsinteresse an der Religion der Achämeniden hat zu einer Fülle wissenschaftlicher Arbeiten geführt. Das Interesse lässt sich vor allem damit erklären, dass ihre religiöse Einordnung weitreichende Konsequenzen für benachbarte Forschungsfragen hat – etwa für die religiös begründete Legitimation des königlichen Herrschaftsanspruchs. Die Frage, ob die achämenidische Religion dem frühen Zoroastrismus zuzuordnen ist, stellt somit eine zentrale Vorentscheidung dar.

Es ist bis heute nicht möglich zu beweisen, dass die Religion der Achäeniden eindeutig dem Zoroastrismus zuzuordnen ist. Dies hat vor allem mit methodischen Schwierigkeiten zu tun: Die achämenidischen Texte sind schwierig zu interpretieren. Der religiöse Inhalt der königlichen Inschriften ist so knapp gehalten, dass er endlose Debatten auslöst, und das Festungsarchiv von Persepolis bildet lediglich einen eingeschränkten Ausschnitt der „vom Staat geförderten (…) Religionsausübung“ ab. Die schriftlichen Überlieferungen erwähnen den Namen „Avesta“ nicht, da zur Zeit von Dareios I. die avestischen Texte diesen Titel noch nicht trugen. Zudem ist nicht sicher, ob es damals schon ein einziger Korpus war. Sicher ist hingegen, dass kein bekanntes achämenidisches Dokument direkt einen bekannten avestischen Text zitiert. Die Umkehrung – dass ein avestischer Text Bezug auf die Achämeniden nimmt – ist chronologisch unmöglich, da das Avesta älter ist. Zu guter Letzt verfügten weder die Gläubigen des Avesta noch die Achämeniden über Begriffe, um eine Religionszugehörigkeit im modernen Sinne des Wortes zu definieren. Ein klar fixiertes Religionssystem gab es im 1. Jahrtausend v. Chr. nicht. Die Vorstellung von fest etablierten Religionsformen im Sinn eines kirchenähnlichen Gebildes und eines dogmatisch gefestigten Theologie ist anachronistisch. Dies entspricht einem modernen Konzept des Zoroastrismus.

Das Avesta ist ein Dokument, dessen älteste schriftliche Überlieferung auf 1323 n. Chr. datiert wird, sodass die Erforschung der mündlichen Überlieferung zurückprojiziert werden muss. In der Mitte des 19. Jahrhunderts n. Chr. waren sich die Altorientalisten einig, dass der älteste Teil des Avestas, die Gathas, von Zarathustra stammt und dass dieser einen monotheistischen Glauben und eine innere Religiosität predigte, die sich gegen Rituale und Opfer richtete. Die Religion der Achämeniden wurde in der Folge mit dieser Interpretation verglichen. Von dem Moment an drehte sich die Debatte um die Frage, ob die Achämeniden Zoroastrier waren oder nicht. Nach dieser Doktrin waren die Achämeniden gute Zoroastrier, wenn sie ausschließlich Ahura Mazda verehrten, keine Opfertiere benutzten, radikal mit der früheren Religion brachen und alle ablehnten, die diese Grundsätze nicht erfüllten. Dass das Festungsarchiv von Persepolis bewiesen hat, dass dem nicht so ist, entkräftet daher nicht die Beziehung zum Avesta, sondern unterstützt vielmehr die Kritik an der traditionellen Vorstellung vom Inhalt der Gathas. In Wirklichkeit werden sowohl die Gathas als auch das jüngere Avesta durch einen Prozess der Monotheisierung charakterisiert, der dem Polytheismus innewohnt und dauerhaft mit ihm vereinbar ist. Zwischen dem Avesta und den Achämeniden gab es eine große Gemeinsamkeit: Beide sahen Ahura Mazda als den höchsten Gott an. Die achämenidischen Könige pflegten jedoch auch eigene Bräuche. Sie feierten Opferzeremonien, brachten Tieropfer dar und erlaubten die Verehrung fremder Götter, zu denen sie mitunter sogar selbst beteten. All diese Praktiken standen jedoch nicht im Widerspruch zur Lehre des Avestas.

Nach einer anderen Meinung können das ältere Avesta und die bekannte zoroastrische Tradition im Allgemeinen nicht als Primärquellen für die Erforschung der achämenidischen Religion gelten, obwohl sie oft fälschlicherweise als solche betrachtet wurden. Es ist vorzuziehen, „Auramazdā“ als eigenständigen achämenidischen Gott zu betrachten. Dies zeigt sich in vielerlei Hinsicht – insbesondere in der Schaffung eines Logogramms für seinen Namen im Altpersischen in offensichtlicher Analogie zu solchen Symbolen für Napiriša, Šimut und andere Götter im Elamischen. Zudem zeigen die Überlieferungen des Festungarchivs, dass Ahuramazda zur Zeit von Dreios I. nicht der vorherrschende Gott im persischen Kernland war. Sein Aufstieg zum königlichen Gott fiel offenbar nicht – oder zumindest nicht unmittelbar – mit einer weit verbreiteten Verehrung zusammen, wiederum in Analogie zu Fällen wie dem von Aššur. Daraus ist nicht zu schließen, dass die religiöse Ideologie des Königs letztendlich nicht doch einen weitreichenderen Einfluss gehabt haben könnte, sogar auf die Entwicklung des Zoroastrismus als solchen, aber die achämenidische Religion als „Mazdaismus“ zu bezeichnen, ist etwa so hilfreich, wie die babylonische Religion als „Mardukistisch“ oder die assyrische Religion als „Aššuristisch“ zu definieren.

Literatur

Einzelnachweise

  1. William W. Malandra: An introduction to ancient iranian religion. Minneapolis 1983.
    1. ↑ S. 4.
    2. ↑ S. 9–10.
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  2. Rüdiger Schmitt: Wörterbuch der altpersischen Königsinschriften. Reichert, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-95490-017-6.
    1. ↑ S. 143.
    2. ↑ S. 241.
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  3. Wouter F. M. Henkelman: The Heartland Pantheon. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Hoboken 2021, S. 1221–1242.
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    4. ↑ S. 1224–1227.
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    6. ↑ S. 1230–1231.
    7. ↑ S. 1231–1232.
    8. ↑ S. 1227–1228.
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    12. ↑ S. 1232–1233.
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    14. ↑ S. 1234.
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  4. ↑ Yasna 31.7. Jean Kellens: Les Achéménides entre textes et liturgie avestiques. In: Wouter F. M. Henkelman, Céline Redard (Hrsg.): Persian Religion in the Achaemenid Period (= Classica et Orientalia. Band 16). Harrassowitz, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-447-10647-4, S. 11–20, hier S. 12.
  5. Jean Kellens: The Achaemenids and the Avesta. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Hoboken 2021, ISBN 978-1-119-17428-8, 2. Band, S. 1211–1220.
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    2. 1 2 S. 1211–1213.
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    3. ↑ S. 185.
    4. ↑ S. 194–200.
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  8. Wouter F. M. Henkelman: The Other Gods Who Are. Studies in Elamite-Iranian Acculturation based on the Persepolis Fortification Texts (=Achaemenid History. Band 14). Leiden 2008.
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  25. ↑ PTS 20* enthält einen geflügelten Ring und PFS 0075 eine Mondsichel.
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  39. ↑ DB §9.
  40. ↑ Zum Beispiel in der Inschrift DPd.
  41. Manfred Hutter: Religions in the Empire. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Hoboken 2021, ISBN 978-1-119-17428-8, S. 1285–1302.
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  48. Wouter F. M. Henkelman: God is in the Detail: The Divine Determinative and the Expression of Animacy in Elamite with an Appendix on the Achaemenid Calendar. In: Eva Cancik-Kirschbaum, Ingo Schrakamp (Hrsg.): Transfer, Adaption und Neukonfiguration von Schrift- und Sprachwissen im Alten Orient. Reihe: Gyburg Uhlmann (Hrsg.): Episteme in Bewegung. Band 25. Wiesbaden 2022, S. 405–478.
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  50. Albert de Jong : Religion and Politics in Pre-Islamic Iran. In: Michael Stausberg, Yuhan Sohrab-Dinshaw Vevaina, Anna Tessmann (Hrsg.): The Wiley Blackwell Companion to Zoroastrianism. Wiley Blackwell, Chichester 2015, S. 83–101.
    1. ↑ S. 91–92.
  51. Wouter F. M. Henkelman: God is in the Detail: The Divine Determinative and the Expression of Animacy in Elamite with an Appendix on the Achaemenid Calendar. In: Eva Cancik-Kirschbaum, Ingo Schrakamp (Hrsg.): Transfer, Adaption und Neukonfiguration von Schrift- und Sprachwissen im Alten Orient. Reihe: Gyburg Uhlmann (Hrsg.): Episteme in Bewegung. Band 25. Wiesbaden 2022, S. 405–478.
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  52. ↑ Fernand Braudel: Die lange Dauer. In: Schriften zur Geschichte. Band 1: Gesellschaft und Zeitstrukturen, 1992, S. 49–87.
  53. Albert de Jong: Religion at the Achaemenid Court. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): Der Achämenidenhof. Akten des 2. Internationalen Kolloquiums zum Thema „Vorderasien im Spannungsfeld klassischer und altorientalischer Überlieferungen“. Landgut Castelen bei Basel, 23. – 25. Mai 2007. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-447-06159-9, S. 533–558.
    1. 1 2 S. 534.
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  54. ↑ Richard Hallock: Persepolis Fortification Tablets (= Oriental Institute Publications. Band 92). Chicago 1969 (isac.uchicago.edu).
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  56. ↑ Wouter F. M. Henkelman: The Other Gods Who Are. Studies in Elamite-Iranian Acculturation based on the Persepolis Fortification Texts (= Achaemenid History. Band 14). Nederlands Instituut voor het Nabije Oosten, Leiden 2008, ISBN 978-90-6258-414-7 (revidierte Fassung der Dissertation 2006). (archive.org).
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