
Amazon Go war eine US-amerikanische Supermarktkette des Konzerns Amazon, deren Geschäfte ohne Registrierkassen oder SB-Kassen auskamen.
Die erste Filiale eröffnete im Dezember 2016 in Seattle für Mitarbeiter und im Januar 2018 für die Öffentlichkeit. 2019 waren 26 Filialen in Betrieb. 2026 wurde die Supermarktkette von Amazon eingestellt.
Amazon gab an, das Konzept für kassenlose Supermärkte vier Jahre lang entwickelt zu haben. Zunächst sollte das Geschäft im März 2017 auch für reguläre Kunden öffnen. Dieser Termin konnte jedoch nicht eingehalten werden, da sich in der Erprobungsphase erhebliche technische Probleme zeigten, sobald sich über 20 Kunden gleichzeitig im Geschäft befanden und den Dienst benutzten.

Im Jahr 2014 meldete Amazon beim US-Patentamt ein entsprechendes Patent unter dem Titel Transitioning Items from a Materials Handling Facility an. Amazon propagierte das System als „Just walk out“-Technologie. Die „Verbindung mehrerer Sensoren“, die zum Einsatz kamen, sollte laut Amazon ähnlich wie bei selbstfahrenden Autos funktionieren (vgl. Maschinelles Sehen).
Im April 2024 wurde bekannt, dass die automatische Erkennung der Ware nicht wie geplant funktionierte und daher eintausend Mitarbeiter die Einkäufe manuell prüfen mussten. Amazon kündigte auf Grund dieser Erfahrungen an, auf ein neues Konzept mit vernetzten Einkaufswagen zu setzen.
Für den Einkauf in den Amazon-Go-Läden war ein Profil bei Amazon und die Amazon-Go-App erforderlich. Am Eingang mussten sich Kunden mit einem QR-Code ausweisen, der auf der App generiert werde. Amazon lieferte an ausgewählten Standorten Lebensmittel per Versand als Amazon Fresh aus, was jährlich 15 US-Dollar Aufpreis auf die teilpauschalierten Versandkosten von jährlich 99 USD für Amazon Prime ausmachte.
Kassenbereiche abzuschaffen, ist in der Branche keine neue Idee: IBM hatte beispielsweise bereits ein Modell mit RFID-Funketiketten erprobt, scheiterte aber an den Kosten der Etiketten. Insgesamt folgt Amazons kassenloses Supermarktkonzept einem generellen Trend im Einzelhandel, der mittels Digitalisierungsmaßnahmen Effizienzzuwächse anstrebt. Dabei hat die Abschaffung von Kassenbereichen den Hintergrund, dass sie für Händler personal- und kostenintensiv sind und der Kundschaft oft lange Wartezeiten bereiten. Im Januar 2018 brauchte Amazon Go bei derselben Ladengröße aufgrund des Verkaufskonzeptes mehr Personal als vergleichbare Geschäfte der Konkurrenz. Die chinesische Einzelhandelskette BingoBox, die 2018 ebenfalls 200 rund um die Uhr geöffnete kleine Märkte ohne Personal betreibt, verwendet RFID-Etiketten an jedem Stück Handelsware, erfasst und kassiert Kunden über WeChat. Die RFID-Etiketten sind im Aufpreis der Waren gegenüber anderen Händlern wiederzufinden. Bereits im Juli 2017 eröffnete Alibaba einen Tao Café Shop in Hangzhou ohne Kassenpersonal.
Der ehemalige Datenschutzbeauftragte des Bundes Peter Schaar hält nach Bericht von Zeit online das Vorhaben von Amazon für problematisch und inkompatibel mit europäischen Datenschutzbestimmungen. Für den Kunden sei schließlich nicht nachvollziehbar, welche Daten beim Einkaufen gesammelt werden und ob automatisch erstellte Bilder gespeichert oder Emotionen beim Einkaufen festgehalten würden. Da die vom System zu erfassenden Daten gebündelt auf Servern gespeichert werden, gehe Schaar davon aus, dass von jedem Kunden ein exaktes Profil zusammengestellt werde: „Die Daten aus dem Netz werden mit den Daten der Sensoren verknüpft, was dazu führt, dass die Verbraucher identifiziert und ihre Bewegungen im Shop aufgezeichnet werden.“ Das Konzept basiere darauf, den „Menschen total zu kontrollieren“.
Koordinaten: 47° 36′ 58,9″ N, 122° 20′ 23,9″ W