Ana Antić (serbisch-kyrillisch Ана Антић) ist eine serbische Sozial- und Kulturhistorikerin und Professorin für europäische Geschichte an der Universität Kopenhagen. Ihre Forschung befasst sich mit der Geschichte von Politik, Gewalt, Psychiatrie und psychologischen Wissensformen im Europa des 20. Jahrhunderts und mit der Dekolonisierung psychiatrischer Konzepte. Im Jahr 2023 erhielt sie den mit 300.000 US-Dollar dotierten Dan-David-Preis.
Antić wurde in Serbien geboren und wuchs dort auf. An der Columbia University in New York erwarb sie einen Masterabschluss und wurde 2012 in moderner europäischer Geschichte promoviert. Vor ihrem Wechsel nach Kopenhagen war sie Senior Lecturer an der Universität Exeter; zum 1. August 2020 wechselte sie an die Abteilung für Anglistik, Germanistik und Romanistik der Universität Kopenhagen. Sie ist dort mittlerweile als Professorin tätig. Seit 2023 leitet sie das von Danmarks Grundforskningsfond geförderte Zentrum für Kultur und Geist, dessen Laufzeit vom 1. April 2023 bis zum 31. März 2029 angegeben ist.
Antić untersucht historische Vorstellungen von Psyche, Normalität und Pathologie und nutzt die Psychiatriegeschichte als Zugang zu politischen und sozialen Konflikten der Moderne. Ihre Forschung fragt etwa, wie Dekolonisierung und Kalter Krieg Vorstellungen vom menschlichen Geist, von psychischem Leiden und von Heilung geprägt haben.
In ihrem Buch Therapeutic Fascism: Experiencing the Violence of the Nazi New Order in Yugoslavia (2017) analysierte sie die Auswirkungen politischer Gewalt im Jugoslawien des Zweiten Weltkriegs auf das Verständnis von Psychologie, Pathologie und Normalität. Die Studie beruht auf Patientenakten eines jugoslawischen Instituts und nimmt die psychiatrische Umerziehung politischer Gegner in den Blick. Mit Non-Aligned Psychiatry in the Cold War: Revolution, Emancipation and Re-Imagining the Human Psyche (2022) veröffentlichte sie eine zweite Monografie in der Reihe Mental Health in Historical Perspective.
Ihr mit einem ERC-Startzuschuss gefördertes Projekt Decolonising madness? Transcultural psychiatry, international order and the birth of a “global psyche” in the aftermath of WWII untersucht die Geschichte transkultureller Psychiatrie und der Dekolonisierung psychiatrischer Konzepte.
Das Zentrum für Kultur und Geist erforscht das Verhältnis zwischen kulturellen Unterschieden und der menschlichen Psyche aus historischen, anthropologischen, psychiatrischen, soziologischen, literarischen und psychologischen Blickwinkeln. Danmarks Grundforskningsfond beschreibt das, auch CULTMIND genannte Zentrum, als ein geisteswissenschaftliches Zentrum, das Psychiatrie, Psychologie, Geschichte, Anthropologie, Literatur, Kunst und Philosophie in eine breitere Betrachtung psychischer Krankheit einbezieht.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Antić, Ana |
| KURZBESCHREIBUNG | serbische Sozial- und Kulturhistorikerin |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |