| netzpolitik.org | |
| Plattform für digitale Freiheitsrechte | |
| Onlinemedium | |
| Sprachen | Deutsch |
|---|---|
| Sitz | Berlin |
| Gründer | Markus Beckedahl |
| Betreiber | netzpolitik.org e. V. |
| Registrierung | Berlin |
| Online | seit 2002 |
| https://netzpolitik.org/ | |
Netzpolitik.org (Eigenschreibweise netzpolitik.org e. V.) ist eine deutschsprachige Nachrichten-Website zu digitalen Freiheitsrechten sowie anderen netzpolitischen Themen und befasst sich unter anderem mit staatlicher Überwachung, Open-Source-Software, Telekommunikations-Gesetzen, schöpferischem Gemeingut und einer freien Wissensgesellschaft. Die Website wurde 2002 vom Journalisten Markus Beckedahl als Blog gegründet und wird mittlerweile von einer fest angestellten Redaktion betrieben.
Nach eigenen Angaben ist das Blog heute eine Plattform „für digitale Freiheitsrechte“, die die „wichtigen Fragestellungen rund um Internet, Gesellschaft und Politik“ aufzeigen sowie Hilfestellungen geben will, wie man sich mit „Hilfe des Netzes für digitale Freiheiten und Offenheit engagieren kann“. Beschrieben werden soll, „wie die Politik das Internet durch Regulation verändert und wie das Netz Politik, Öffentlichkeiten und alles andere verändert.“ Das Blog versteht sich als „journalistisches Angebot“, sehe sich jedoch nicht als „neutral“. Haltung sei vielmehr, sich für „Freiheit, Solidarität und Gemeinwohl“ einzusetzen.
Markus Beckedahl sah das Blog als „Mittelding zwischen Nichtregierungsorganisation und Medium, vergleichbar mit einer Mischung aus Greenpeace und taz“. Neben Beckedahl gehören oder gehörten unter anderem Linus Neumann, Andre Meister, Constanze Kurz, Ulf Buermeyer und der 2011 verstorbene Jörg-Olaf Schäfers zu den regelmäßigen Autoren.
In den „Deutschen Blogcharts“, die bis Januar 2014 geführt wurden, war Netzpolitik zuletzt auf Platz 22 der am häufigsten von anderen Blogs verlinkten Blogs zu finden. Technisch basiert das Blog auf der Software WordPress.
Mit Stand von Mai 2024 umfasst das Blog nach eigenen Angaben über 28.000 Artikel von mehr als 100 Autoren. Der feste Autorenstamm wird auf mehr als 36 Autoren und Kolumnisten beziffert. 2024 arbeiteten bei netzpolitik.org 21 Angestellte.
Neben den einfachen Beiträgen veröffentlicht Netzpolitik.org auch Dokumente von Behörden, die z. B. als Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch eingestuft sind, wie das Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) zur Partei Alternative für Deutschland, oder das „Framing-Gutachten“ der ARD. Veröffentlicht wurden auf dem Blog auch Protokolle aus dem NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages sowie die Wortprotokolle des Pegasus-Untersuchungsausschusses des Europäischen Parlaments zur Aufklärung der Staatstrojaner-Einsätze in Europa.
Zusätzlich zu den Artikeln existiert wurde am 6. März 2006 ein Podcast gestartet.
Im Jahr 2022 beendete Markus Beckedahl seine Tätigkeit als Chefredakteur, die er seit der Gründung ausführte. Ihm folgten Anna Biselli und Daniel Leisegang nach. Beckedahl schied zwei Jahre später im März 2024 gänzlich aus der Redaktion aus.



Im Frühjahr 2015 veröffentlichte das Blog zweimal Ausschnitte aus einer Verschlusssache mit dem Geheimhaltungsgrad VS-VERTRAULICH des BfV über den Aufbau einer neuen Referatsgruppe zur Überwachung des Internets zur Analyse und Überwachung von Verbindungen und Profilen von Radikalen und Extremisten in sozialen Netzwerken. Im Mai 2015 eröffnete der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof, Harald Range, wegen des Verdachts des Landesverrates (§ 94 StGB) ein Ermittlungsverfahren gegen den Autor beider Artikel, Andre Meister, den Blogbetreiber, Markus Beckedahl, sowie gegen Unbekannt. Am 10. August 2015 wurde das Ermittlungsverfahren gegen netzpolitik.org wegen Verdachts auf Weitergabe von Staatsgeheimnissen vom Generalbundesanwalt eingestellt.
Die Ermittlungen riefen zahlreiche Kritik hervor. In Berlin demonstrierten zwischen 1300 und 2000 Aktivisten. Der damaliage Bundesminister der Justiz, Heiko Maas, äußerte Zweifel, ob der Tatbestand des Landesverrats verfüllt sei und veranlasste die Versetzung von Generalbundesanwalt Range in den einstweiligen Ruhestand.
Das Blog wurde bis 2010 über Werbung, Spenden und durch die Agentur Newthinking finanziert. Des Weiteren gab es Einnahmen durch Workshops oder Vorträge der einzelnen Autoren. Im Januar 2013 gab es Ausgaben pro Monat von etwa 6.900 Euro, u. a. für zwei ¾-Vollzeit-Arbeitsplätze; Infrastruktur (ca. 1200 Euro); Rechtsanwalts und Rechnungen für Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (500 Euro). Zugleich gab es Einnahmen von 2.950 Euro, darunter 350 Euro durch Flattr und ca. 50 Euro durch Affiliate-Marketing für Amazon.
Zum zehnten Geburtstag spendete der Chaos Computer Club dem Blog 12.000 Euro. Nach der Berichterstattung über die Ermittlungen wegen angeblichen Landesverrats Ende Juli 2015 hatte der Blog innerhalb von zehn Tagen 150.000 Euro an Spenden erhalten. Im gesamten Vorjahr 2014 wurden insgesamt knapp 180.000 Euro an Spenden eingenommen.
Seit 2017 veröffentlicht das Blog alle Einnahmen und Ausgaben monatlich in einem Transparenzbericht. Im Jahr 2018 nahm das Blog etwa 484.600 Euro ein, 98 % davon Spenden. Die Ausgaben beliefen sich auf etwa 486.200 Euro (84 % Personalkosten, 7,8 % Miete, 2,6 % externe Dienstleistungen, 1 % Gebühren). Im Jahr 2019 beliefen sich die Einnahmen auf etwa 636.000 Euro, der größte Teil über Spenden. Die Anzahl der Spender stieg im Vergleich zum Vorjahr um ca. 50 %, die Spendensumme um ca. 33 %.
Im Jahr 2020 stiegen die Spendeneinnahmen auf 887.000 Euro, eine Steigerung trotz Pandemie um 22 %. Das Jahresspendenziel für 2021 wurde auf eine Million Euro gesetzt, welches mit der Spendenkampagne „#1MillionForDigitalRights“ begleitet wurde. Das Ziel wurde am 30. Dezember des Jahres erreicht. 2022 wurde das anvisierte Spendenziel von 1.116.000 Euro knapp verfehlt und 1.026.000 Euro eingeworben. 2022 wurden 17 Festangestellte auf 12 Vollzeitstellen finanziert. Im Jahr 2023 wurde die Spendenkampagne unter dem Namen „#BullshitBusters“ geführt und erreichte 1.027.246 Euro. Davon wurden 20 Mitarbeiter finanziert.
Das Blog wurde mehrfach ausgezeichnet, so 2005 mit dem Freedom Blog Award, der von Reporter ohne Grenzen verliehen wird, sowie 2006 mit dem Blogstipendium des Magazins jetzt. Bei den LeadAwards 2007 wurde netzpolitik.org in der Kategorie „Bestes Weblog des Jahres“ prämiert. 2008 wurde das Blog in der Kategorie „Information“ für den Grimme Online Award nominiert. 2010 erhielt es den Alternativen Medienpreis.
Bei den LeadAwards 2010 wurde das Blog mit einer Auszeichnung in Silber in der Kategorie „Bestes Weblog des Jahres“ prämiert. 2014 wurde das Blog in der Kategorie „Spezial“ mit einem Grimme Online Award ausgezeichnet. Außerdem vergab das medium magazin im Jahr 2014 in der Kategorie „Journalist des Jahres“ einen dritten Platz an Markus Beckedahl sowie im Jahr 2015 den ersten Platz an das „Team des Jahres“ (Markus Beckedahl, Anna Biselli, Andrea Jonjic, Constanze Kurz, Andre Meister, Tomas Rudl).
Am 5. August 2015 ist die Plattform von „Deutschland – Land der Ideen“, unter der Schirmherrschaft von Joachim Gauck, für ihr Engagement für ein offenes Web und Informationen zur Netzpolitik ausgezeichnet worden. Der Medienpreis des Deutschen Bundestages 2016 zeichnete das Blog mit dem zweiten Platz aus, für sein Live-Blog „Wir wollten aus Snowden-Dokumenten lernen, ob wir das auch können“ aus dem NSA-Untersuchungsausschuss. 2018 erhielt das Blog den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik.
Am 11. September 2021 wurde Netzpolitik.org mit dem Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union ausgezeichnet. 2024 erhielt Netzpolitik.org erneut den Alternativen Medienpreis, diesmal für eine Artikelserie über Microsofts Datenmarktplatz Xandr, sowie den Grimme Online Award in der Kategorie „Information“ für die Podcast-Reihe „Systemeinstellungen“ und in der Kategorie „Spezial“ zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk für die Recherchen zu den „Databroker Files“. 2025 gab es zwei weitere Auszeichnungen für die „Databroker Files“, den Innovation Award des European Press Prize und den Datenschutz Medienpreis für den besten interaktiven Online-Beitrag.
Seit 2012 erscheint neben weiteren Publikationen unter dem Titel „Jahrbuch Netzpolitik“ zum Jahresende eine Zusammenfassung im Rückblick der netzpolitischen Geschehnisse, angereichert durch Beiträge verschiedener Autoren, veröffentlicht unter Creative-Commons-Lizenz mit Spendenaufforderung. Diese wurden teilweise auch als gedrucktes Buch verlegt. Im Dezember 2015 wurde diese Tradition auf Blog-Posts beschränkt und anschließend als E-Book in der Radical Militant Library veröffentlicht.