Andreas Schaub

Andreas Schaub (* 1964 in Schramberg) ist ein deutscher Archäologe und Historiker. Seit 2006 ist er als Stadtarchäologe von Aachen tätig und für die kommunale Denkmal- und Bodendenkmalpflege in der Aachener Altstadt verantwortlich.

Unter seiner Leitung fanden mehrere bedeutende archäologische Ausgrabungen in der Aachener Innenstadt statt. Seine Forschungen zur römischen Infrastruktur und zu den Thermen sowie die Entdeckung des spätantiken Kastells trugen dazu bei, das Bild von Bedeutung und Ausdehnung der römischen Siedlung Aquae Granni zu präzisieren. Durch Veröffentlichungen und Projekte zur Vermittlung archäologischer Forschung, darunter die „Archäologische Vitrine“ im Elisengarten, macht er die Archäologie Aachens einem breiten Publikum zugänglich. Schaub engagiert sich zudem für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Archäologen in der Euregio Maas-Rhein.

Leben

Schaub wuchs im süddeutschen Schramberg auf und studierte Provinzialrömische Archäologie, Ur- und Frühgeschichte sowie Alte Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Freiburg im Breisgau. 1993 schloss er sein Studium mit einer Magisterarbeit über das römische Kastell von Sulz am Neckar ab.

Nach seinem Studienabschluss war er von 1994 bis 2002 als Grabungsleiter bei der Stadtarchäologie Augsburg tätig. In dieser Zeit leitete er verschiedene Ausgrabungen, unter anderem an der römischen Stadtmauer von Augsburg und im Bereich der frühen zivilen Siedlung Augusta Vindelicorum. Anschließend wechselte er ins Rheinland. Von 2002 bis 2006 leitete er archäologische Rettungsgrabungen in der Kölner Innenstadt, die im Vorfeld des Baus der Nord-Süd-Stadtbahn durchgeführt wurden.

Im Juni 2006 trat Schaub eine Stelle als Stadtarchäologe bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Aachen an. Nach dem Weggang von Wilfried Maria Koch im Jahr 1994 wurden die archäologischen Belange der Stadt von Mitarbeitern örtlicher Museen oder des LVR-Landesmuseum Bonn mitbetreut. Mit Schaubs Ernennung erhielt Aachen nach zwölf Jahren wieder einen eigenen, fest angestellten Ansprechpartner für die archäologische Denkmalpflege.

In dieser Funktion ist Schaub für archäologische Rettungsgrabungen, die Beratung bei städtischen Bauvorhaben und die wissenschaftliche Dokumentation in der historischen Altstadt verantwortlich. Seine Forschung konzentriert sich insbesondere auf den Übergang von der römischen Besiedlung – darunter der Thermenkomplex und der Vicus Aquae Granni – zum Frühmittelalter sowie auf die Wiedergründung der Stadt unter Karl dem Großen. Seit 2007 vermittelt er seine Fachkenntnisse auch als Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen (Lehrstuhl für Alte Geschichte) und an der Universität zu Köln (Institut für Archäologie).

Bedeutende Ausgrabungen und Entdeckungen

Unter der Leitung von Schaub führte die Stadtarchäologie Aachen mehrere großflächige archäologische Untersuchungen in der Innenstadt durch. Die Ausgrabungen lieferten neue Erkenntnisse zur Frühgeschichte Aachens und zu seiner Bedeutung in der Region.

Elisengarten (2008–2009)

Archäologische Ausgrabung unter der Leitung von Schaub im Elisengarten (Dezember 2008)

Von August 2008 bis zum Frühjahr 2009 leitete Schaub eines der umfangreichsten archäologischen Projekte in der Geschichte der Stadt. Die Ausgrabungen fanden im Vorfeld der Neugestaltung des Elisengartens statt, einer kleinen Parkanlage hinter dem Elisenbrunnen. Dabei wurden Siedlungsspuren aus mehr als fünf Jahrtausenden dokumentiert, die eine nahezu kontinuierliche Besiedlungsgeschichte erkennen lassen. Zu den wichtigsten Entdeckungen gehörten Feuersteinwerkzeuge aus der Jungsteinzeit, Siedlungsspuren aus der Eisenzeit sowie umfangreiche Überreste des römischen Vicus Aquae Granni. Zu den römischen Funden gehörten ein Handwerksbereich mit Öfen und die Fundamente einer monumentalen Portikus, die möglicherweise zum nahe gelegenen Thermenkomplex gehörte. Die Ergebnisse wurden später durch eine dauerhaft eingerichtete archäologische Vitrine der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Markt, Katschhof und Pontstraße (2011–2014, 2024)

Seit dem späten 19. Jahrhundert vermuteten Historiker eine spätantike Befestigungsanlage auf dem Aachener Markthügel. Zwischen 2011 und 2014 konnte das spätantike Kastell erstmals archäologisch nachgewiesen und lokalisiert werden. Zu den wichtigsten Befunden gehörte ein etwa sechs Meter breiter Wehrgraben, der 2011 auf dem Katschhof entdeckt wurde. Die Befestigungsanlage diente dem Schutz des Markthügels und wurde nach der Zerstörung Aachens durch fränkische Plünderungszüge um 275/276 n. Chr. errichtet.

Im Frühjahr 2024 wurde bei Bauarbeiten in der benachbarten Pontstraße ein großes römisches Mauerfundament freigelegt. Der bislang untersuchte Mauerabschnitt war etwa sieben Meter lang und mindestens 90 Zentimeter breit. Schaub und die Archäologin Donata Kyritz vermuteten, dass es sich um Reste eines Tores der Befestigungsanlage handeln könnte. Der Befund deutet darauf hin, dass das spätantike Kastell über eine monumentale Befestigung verfügte; die genaue Funktion des Mauerwerks ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Römische Infrastruktur und Fernstraßen (2017)

Bei Bauarbeiten in der Aachener Innenstadt wurde 2017 im Bereich der Jakobstraße ein befestigter römischer Straßenabschnitt freigelegt. Er war nach ersten Einschätzungen etwa sechs Meter breit und wird in das 2. Jahrhundert n. Chr. oder eine spätere Zeit datiert. Schaub vermutete, dass die Straße dem Personen- und Warenverkehr zwischen den römischen Siedlungen Aachen und Maastricht (Mosa Trajectum) diente. Der Fund ergänzte die bisherigen Erkenntnisse zum Verlauf des römischen Straßennetzes im Aachener Stadtgebiet.

Münsterplatz (2026)

Von Februar bis September 2026 leitete Schaub archäologische Rettungsgrabungen auf dem Münsterplatz unmittelbar neben dem Aachener Dom. Angesichts der historischen Bedeutung des Ortes und der archäologischen Herausforderungen bezeichnete Schaub die Arbeiten bei ihrem Beginn als eine „Operation am offenen Herzen“ der Stadtgeschichte.

Die Ausgrabungen erbrachten zahlreiche neue Erkenntnisse zur Geschichte Aachens. In etwa zwei Metern Tiefe wurde eine römische Straße freigelegt, die nach Schaubs Einschätzung als Hauptzugang zu den sogenannten Münsterthermen gedient haben könnte. Darüber hinaus kamen die mittelalterliche Grenzmauer des Immunitätsbezirks des Marienstifts sowie ein bislang unbekannter Brunnen zutage, der gleichzeitig mit der Mauer errichtet worden war. Außerdem dokumentierte das Grabungsteam rund 60 Bestattungen auf dem ehemaligen Münsterkirchhof aus der Zeit vom 12. bis zum 18. Jahrhundert. Besondere Aufmerksamkeit erregte die aufwendig ausgestattete Doppelbestattung zweier Säuglinge aus dem 18. Jahrhundert, bei der es sich möglicherweise um Zwillinge handelte. Die Skelette wurden mit Unterstützung von Restauratoren und Anthropologen des LVR-Landesmuseums und der Universität Bonn freigelegt und geborgen. Die Skelettfunde werden wissenschaftlich weiter untersucht. Eine an der RWTH Aachen angefertigte Dissertation soll neue Erkenntnisse über die Bevölkerung Aachens im Mittelalter und in der frühen Neuzeit liefern. Dabei wird unter anderem untersucht, ob einige der Bestatteten an einer Epidemie im 16. Jahrhundert starben.

Publikationen (Auswahl)

Bücher (als Autor oder Herausgeber)

Beiträge in Sammelbänden und Jahrbüchern

Zeitschriftenartikel

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Festvortrag von Andreas Schaub aus Schramberg über Aachen, auf: schramberg.de, 8. Oktober 2024.
  2. 1 2 Autorenvita Andreas Schaub. In: Raban von Haehling und Andreas Schaub (Hrsg.): Römisches Aachen. Archäologisch-historische Aspekte zu Aachen und der Euregio. Schnell & Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2598-2.
  3. ↑ Römische Stadtmauer, in: Stadtlexikon Augsburg, Wißner-Verlag, Augsburg, abgerufen am 11. Oktober 2026.
  4. 1 2 3 Stadtarchäologie, auf: archaeologie-aachen.de (zeitreise.ac), abgerufen am 11. Oktober 2026.
  5. ↑ Präsenz der Stadtarchäologie Aachen auf der offiziellen Webseite der Stadt Aachen, abgerufen am 26. Oktober 2026.
  6. 1 2 3 Die Ausgrabung im Elisengarten, auf: archaeologie-aachen.de, abgerufen am 11. Oktober 2026.
  7. 1 2 3 4 Reste eines spätrömischen Kastells in Aachen entdeckt, in: WBG Magazine, 28. März 2024.
  8. 1 2 Große Römerstraße von Aachen nach Maastricht entdeckt, in: Aachener Zeitung, 7. November 2017.
  9. 1 2 3 4 5 Stadtarchäologie beendet Grabung am Aachener Münsterplatz, auf: Archäologie Online, 25. September 2026.
  10. ↑ Archäologische Ausgrabungen auf dem Münsterplatz in Aachen, auf: Archäologie Online, 1. März 2026.
  11. 1 2 Grabungen am Aachener Münsterplatz beendet, auf: WDR, 22. September 2026.
Personendaten
NAME Schaub, Andreas
KURZBESCHREIBUNG deutscher Archäologe und Historiker
GEBURTSDATUM 1964
GEBURTSORT Schramberg