Andreas Volanus

Familienwappen

Andreas Volanus (lateinisch Andrea Volanus Lwocoviensis, polnisch Andrzej Wolan, litauisch Andrius Volanas; * um 1530/1531 wahrscheinlich bei Lwówek; † 6. Januar 1610 in Bijuciszki bei Oszmiana (heute Belarus)) war ein polnisch-litauischer Schriftsteller, Übersetzer, Publizist, Polemiker und protestantischer Theologe der Renaissance, Anführer der litauischen Calvinisten und königlicher Sekretär. Im Jahr 1603 wurde er als Autor in den ersten polnischen Index der verbotenen Bücher aufgenommen, der auf Initiative von Bischof Bernard Maciejowski erstellt wurde. Er war ein Gegner der römisch-katholischen Transsubstantiationslehre.

Leben

Volanus stammte aus einer adligen Familie, die aus Schlesien nach Großpolen kam. Er war der Sohn des deutschsprachigen Schlesiers Jan und der Polin Zofia Kwilecka. Die Familie lebte in Lwówek, als sich der 13-jährige Volanus im Jahr 1544 an der Brandenburgischen Universität Frankfurt einschrieb. Dort studierte er bis 1547 Dialektik, Rhetorik und Epistolographie. In Frankfurt kam Volanus auch mit den Ideen der Reformation in Berührung. In seiner Jugend stand Andreas Volanus unter dem Einfluss der Wittenberger Reformation. Später schlug er sich jedoch auf die Seite des Calvinismus. Nach seiner Rückkehr aus Frankfurt hielt er sich bei seinem Verwandten Baltazar Strzeźmiński und dann am Hof von Hieronim Kwilecki, dem Verwalter der Güter von Königin Bona im Großfürstentum Litauen, auf. Um 1550 wurde Volanus Sekretär von Mikołaj Radziwiłł Rudy, dem damaligen Großkammerherrn von Litauen, mit dem er mehrere Jahrzehnte lang zusammenarbeitete. Dank der Unterstützung der Radziwills konnte Volanus im November 1550 sein Studium der freien Künste in Königsberg aufnehmen, wo er vor allem seine Kenntnisse der lateinischen Sprache verbessern konnte. Den größten Einfluss auf Volanus hatte in dieser Zeit der Rektor der Universität Königsberg Georg Sabinus, Schwiegersohn von Philipp Melanchthon.

Nach Abschluss seines Studiums ließ Volanus sich dauerhaft in Litauen nieder. Er erhielt das Gut Bijuciszki von Mikołaj Radziwiłł Rudy und die Dörfer Czereszczenięta und Gierbienięta von Sigismund II. August, König von Polen und Großfürst von Litauen. Außerdem verpachtete Volanus die Starosteien Rudomina und Niemież auf Lebenszeit. Im Jahr 1569 wurde ihm das Indigenat Polen-Litauens zugesprochen. Im Frühjahr 1569 hielt Volanus sich als Vertreter von Mikołaj Radziwiłł Rudy in Lublin auf, wo er im Namen seines Auftraggebers – eines bekennenden Gegners der polnisch-litauischen Union – Unionsverhandlungen führte. Nach dem Abschluss der Lubliner Union war Volanus mehrmals Mitglied des Allgemeinen Sejm. Während der Regierungszeit von Stefan Báthory wurde er Sekretär der Krone ehrenhalber. Als Treuhänder der Radziwiłłs und Sekretär der Krone führte Volanus auch wichtige diplomatische Missionen durch, so nach Prag 1575, Będzin 1589, Riga 1589 und 1599 und Moskau 1595.

Nach seiner Ankunft in Litauen engagierte Volanus sich in der dortigen calvinistischen Kirche und setzte sich für ihre Einheit und Stärkung insbesondere gegenüber den in Litauen als Vertretern der katholischen Kirche einflussreichen Jesuiten ein. Im Laufe der Zeit wurde er Anführer der Reformierten von Wilna sowie „Erzpresbyter“ der dortigen Gemeinde und wurde auch „Papst der litauischen Calvinisten“ genannt. Volanus nahm an zahlreichen Synoden der litauischen Calvinisten teil (z. B. 1570, 1585, 1599), auf denen er für die Notwendigkeit einer Vereinigung der Calvinisten mit den Lutheranern oder orthodoxen Christen eintrat. Im Jahr 1590 betraute ihn die Synode mit der Funktion des Zensors für calvinistische Bücher. Volanus war mit den führenden Vertretern der litauischen Reformation befreundet: Jan Hlebowicz, Szymon Turnowski, Jan Abramowicz, Jan Łasicki, Stanisław Sudrowski, Andrzej Dudycz und Andrzej Chrząstowski. Sein Wirken für die reformierte Kirche trug ihm nicht nur die Gegnerschaft der Jesuiten, sondern auch der Sozinianer ein. Deren Namensgeber Fausto Sozzini veröffentlichte 1588 sein gegen Volanus gerichtetes Werk De Jesu Christi filii Dei natura sive essentia.

Volanus war dreimal verheiratet. Seine Ehefrauen kamen aus den Familien Niemsta (Wappengemeinschaft Poraj), Oborski (Abdank) und der Fürsten Zyzemski. Er hatte drei Söhne und mehrere Töchter.

Werke

Andreas Volanus war der Autor von fast 50 Schriften, darunter 33 Drucke, 13 Briefe und mehrere Manuskripte. Der größte Teil seines literarischen Schaffens war religiösen Themen gewidmet.

Seine größte Berühmtheit in Europa erlangte er durch seine theologischen Polemiken mit bedeutenden Jesuiten: Francisco Torres, Antonio Possevino, Peter Skarga, Emmanuel de Vega, Andrej Jurgiewicz und dem vorrangigen antitrinitarischen Theologen Fausto Sozzini. In seinen Werken diskutierte er wichtige Streitfragen der Reformationszeit, etwa die Gegenwart Christi in der Eucharistie, den Papstprimat, die Biblische Exegese, das Wesen der Göttlichkeit Christi, den Heiligenkult und den Bilderkult und die Berechtigung des Zölibats.

Er war auch Autor mehrerer Werke im Bereich Verwaltungsrecht:

Bedeutende Werke

Briefe und Unterlagen

Übersetzungen mit unsicherer Urheberschaft

Literatur

Fußnoten

  1. ↑ Piotr Guzowski: Pierwszy polski indeks ksiąg zakazanych. In: Studia Podlaskie. 12. Jahrgang, 2002, S. 173–202 (polnisch, edu.pl [PDF]).
  2. ↑ Janusz Tazbir, Piotr Skarga: Szermierz kontrreformacji. In: Wiedza Powszechna. Warschau 1983, S. 38 (polnisch).
  3. ↑ Judith Leisner: Andreas Volanus. Der vergessene Reformator. In: deutschlandfunk.de. 4. Januar 2017, abgerufen am 23. Juli 2024.
  4. ↑ Kestutis Daugirdas: Die Anfänge des Sozinianismus: Genese und Eindringen des historisch-ethischen Religionsmodells in den universitären Diskurs der Evangelischen in Europa (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Band 240). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, S. 92.
  5. ↑ Juliusz Bardach: Statuty Wielkiego Księstwa Litewskiego — pomniki prawa doby odrodzenia (= Kwartalnik Historyczny. Band 81, Nr. 4). Państwowe Wydawnictwo Naukowe, 1974, S. 768 (polnisch, org.pl [PDF; 6,0 MB] deutsch: Statuten des Großherzogtums Litauen — Monumente des Rechts der Renaissance).
  6. ↑ Werk aufgelistet in Volanus, (Andreas). In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 50, Leipzig 1746, Sp. 343.
Personendaten
NAME Volanus, Andreas
ALTERNATIVNAMEN Volanus Lwocoviensis, Andrea (lateinisch); Wolan, Andrzej (polnisch); Volanas, Andrius (litauisch)
KURZBESCHREIBUNG polnisch-litauischer Schriftsteller, Übersetzer, Publizist, Polemiker und protestantischer Theologe der Renaissance, Anführer der litauischen Calvinisten und königlicher Sekretär
GEBURTSDATUM um 1530 oder um 1531
GEBURTSORT bei Lwówek
STERBEDATUM 6. Januar 1610
STERBEORT Bijuciszki bei Oszmiana (heute Belarus)