Anduoit

Anduoit
Anduoit aus Amdo, Tibet
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

?

IMA-Symbol

Adu

Chemische Formel
  • RuAs2
  • (Ru,Os)As2
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.20-070

2.EB.15
02.12.02.08
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2 oder orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m
Raumgruppe Pnn2 (Nr. 34)Vorlage:Raumgruppe/34 oder Pnnm (Nr. 58)Vorlage:Raumgruppe/58
Gitterparameter a = 5,41 Å; b = 6,206 Å; c = 3,01 Å
Formeleinheiten Z = 2
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6,5 bis 7
Dichte (g/cm3) berechnet: 8,692
Spaltbarkeit mindestens eine bekannt
Bruch; Tenazität spröde
Farbe bleigrau, auf polierten Flächen weiß mit rosa Tönung
Strichfarbe grauschwarz
Transparenz undurchsichtig (opak)
Glanz matter Metallglanz

Anduoit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung RuAs2 und damit chemisch gesehen Rutheniumarsenid. Als chemische Verwandte der Sulfide werden die Arsenide in die gleiche Mineralklasse eingeordnet.

Anduoit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form winziger Kristalle bis etwa 100 µm Größe oder als körnige Mineral-Aggregate entdeckt werden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der bleigrauen Körner einen matten Metallglanz. Auf polierten Flächen erscheint Anduoit im Auflicht auch weiß mit einer rosa Tönung.

Anduoit ist isomorph mit Omeiit (OsAs2) und bildet mit diesem eine lückenlose Mischkristalle. Zwischenglieder dieser Mischreihe wurden auch an der Typlokalität von Anduoit gefunden. Daher wird in verschiedenen Quellen auch die Mischformel (Ru,Os)As2 angegeben.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Anduoit erstmals in der Chrom-Lagerstätte „Anduo“ im Kreis Amdo (auch Anduo) im Autonomen Gebiet Tibet der Volksrepublik China. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Yu Zuxiang und Zhou Xuezi, die das Mineral nach dessen Typlokalität (chinesisch 安多矿, Pinyin Anduokuang, Erz aus Anduo) benannten. Das Mineral ist von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständige Mineralart anerkannt, jedoch ist dessen IMA-Nummer derzeit nicht bekannt.

Die Erstbeschreibung von Yu und Zhou wurde 1979 im Fachmagazin Kexue Tongbao veröffentlicht und die Anerkennung mit der Veröffentlichung des Artikels New Mineral Names im Fachmagazin American Mineralogist 1980 bestätigt.

Das Typmaterial des Minerals wird im Chinesischen Geologischen Museum (englisch Geological Museum of China) aufbewahrt, allerdings ist die Inventarnummer nicht dokumentiert.

Klassifikation

Da der Anduoit erst ca. 1979 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.20-070. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Anduoit zusammen mit Ferroselit, Frohbergit, Iridarsenit, Kullerudit, Markasit, Mattagamit, Omeiit und Petříčekit die „Markasitgruppe“ mit der Systemnummer II/D.20 bildet.

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Anduoit in die Abteilung der „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden, wo es zusammen mit Klinosafflorit, Löllingit, Nisbit, Omeiit, Rammelsbergit und Safflorit die „Löllingitgruppe“ mit der Systemnummer 2.EB.15a bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Anduoit die System- und Mineralnummer 02.12.02.08. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide einschließlich Selenide und Telluride“, wo das Mineral zusammen mit Markasit, Ferroselit, Frohbergit, Hastit (Synonym für Ferroselit), Mattagamit, Kullerudit, Omeiit, Löllingit, Seinäjokit, Safflorit, Rammelsbergit und Nisbit in der „Markasitgruppe“ mit der Systemnummer 02.12.02 zu finden ist.

Kristallstruktur

Anduoit kristallisiert in der orthorhombischen Raumgruppe Pnn2 (Raumgruppen-Nr. 34)Vorlage:Raumgruppe/34 oder Pnnm (Nr. 58)Vorlage:Raumgruppe/58 mit den Gitterparametern a = 5,41 Å, b = 6,206 Å und c = 3,01 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Bildung und Fundorte

Anduoit bildete sich magmatisch. Das Wirtsgestein ist ein umgewandelter Dunit. Das Mineral fand sich hier als sehr seltene Einschlüsse in Chromit (auch Chromspinell) in Chromititkörpern, die auf unterschiedliche Weise von Augit-Peridotit, serpentinisiertem Dunit, Harzburgit und Pyroxenit umschlossen sind.

Als sehr seltene Mineralbildung konnte Anduoit bisher nur in wenigen Proben aus wenig mehr als 10 Vorkommen entdeckt werden (Stand 2026). In China konnte er außer an seiner Typlokalität in der Chrom-Lagerstätte von Amdo (Anduo) in Tibet nur noch im mafischen bis ultramafischen Komplex „Xiadong“ im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang gefunden werden.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind unter anderem die Lagerstätte „Maja e Sukës“ im Tropoja-Ophiolith-Massiv (Has, Qark Kukës) in Albanien, das Outokumpu-Erzfeld in Nordkarelien (Pohjois-Karjala) und die Ni-Cu-PGE-Mine Kevitsa in der Gemeinde Sodankylä (Lappland) in Finnland, der Coldwell-Komplex im Thunder Bay District in Kanada, eine Seifenlagerstätte am Fluss Miass (Tscheljabinsk, Ural), der Ognit-Komplex in der Oblast Irkutsk und die Sisim-Seifenlagerstätte nahe Krasnojarsk in Russland sowie die Chrom-Lagerstätte „Kapitanov“ bei Swenyhorodka (Oblast Tscherkassy) in der Ukraine.

Siehe auch

Literatur

Commons: Anduoite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: September 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2026, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
  2. ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 27. Oktober 2026]).
  3. 1 2 3 4 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Anduoite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 51 kB; abgerufen am 27. Oktober 2026]).
  5. 1 2 3 4 5 6 7 Michael Fleischer, L. J. Cabri, G. Y. Chao, Adolf Pabst: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 65, 1980, S. 808–814 (englisch, minsocam.org [PDF; 835 kB; abgerufen am 27. Oktober 2026]).
  6. ↑ Anduoite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – A. (PDF 357 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 27. Oktober 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
  8. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
  9. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  10. ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0 (englisch).
  11. ↑ Fundortliste für Anduoit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 27. Oktober 2026.