Bildungsstandards Mathematik
Konzeption der Bildungsstandards Mathematik
Die Konzeption der Bildungsstandards Mathematik greift die in der PISA-Studie verwendete Unterscheidung in prozessbezogene und inhaltsbezogene Kompetenzen auf und generiert diesbezüglich drei sogenannte Dimensionen. Die Prozessdimension formuliert sieben allgemeine mathematische Kompetenzen, die im Lernprozess erworben werden sollen. Diese lassen sich jeweils in drei Anforderungsbereiche (Anspruchsdimension) auffächern. Die Inhaltskompetenz wird durch fünf Leitideen konkretisiert und geordnet.
Mathematische Kompetenzen
Diese Kompetenzen beschreiben zentrale Aspekte mathematischen Arbeitens. Sie treten in der Regel im Verbund auf und erheben keinen Anspruch, zueinander trennscharf formuliert zu sein.
- Mathematisch argumentieren (K1):
- Hierbei geht es um das Verstehen, Verbinden und Bewerten mathematisch-logischer Argumentationsketten.
- Probleme mathematisch lösen (K2):
- Wenn eine Lösungsstruktur nicht offensichtlich ist, bedarf es eines strategischen Vorgehens zur Auffindung mathematischer Lösungsideen wie beispielsweise Analogie, systematisches Probieren, Veranschaulichung, welche in Hinblick auf ihre Brauchbarkeit hin im Lösungsprozess angewendet, überprüft und bewertet werden müssen.
- Mathematisch modellieren (K3):
- Realitätsbezogene Fragestellungen gilt es, in mathematische Modelle als reduzierte, vereinfachte Abbilder zu überführen, das Problem mit mathematischen Mitteln zu lösen und dieses Resultat vor dem realen Kontext zu bewerten.
- Mathematische Darstellungen verwenden (K4):
- Diese Kompetenz umfasst sowohl das Entwickeln geeigneter mathematische Darstellungen (Diagramme, Graphen, Formeln etc.) als auch das reflektierte Umgehen mit vorgegebenen mathematischen Repräsentationen.
- Diese Kompetenz bezieht sich auf den Gebrauch mathematischer Fakten („Wissen, dass“) oder mathematischer Fertigkeiten („Wissen, wie“) und beinhaltet unter anderem das Kennen und Anwenden mathematischer Definitionen und Regeln, das formale Arbeiten mit Variablen, Termen und Funktionen sowie die Verwendung von Hilfsmitteln wie Formelsammlung und Taschenrechner.
- Mathematisch kommunizieren (K6):
- Dies bezieht sich zum einen auf das Verstehen von Texten oder mündlichen Äußerungen zur Mathematik und zum anderen auf das verständliche schriftliche oder mündliche Darstellen und Präsentieren von Überlegungen, Lösungswegen und Ergebnissen. In Abgrenzung zur Kompetenz K1 wird hier Wert auf das verständliche Darstellen, Präsentieren und Erläutern eines Lösungsweges gegenüber einem, auch fiktiven, sogenannten externen Adressaten gelegt.
Mathematische Leitideen
Die genannten sechs mathematischen Kompetenzen lassen sich fünf Leitideen zuordnen. Diese Leitideen versuchen, die Phänomene zu erfassen, die man sieht, wenn man die Welt mit mathematischen Augen betrachtet.
- L1 Zahl (bzw. Oberstufe des Gymnasiums: L1 Algorithmus und Zahl) und Operation
- L2 Größen und Messen
- L3 Raum und Form
- L4 Strukturen und funktionaler Zusammenhang
- L5 Daten und Zufall
Anforderungsbereiche
Die Anforderungsbereiche konkretisieren das kognitive Anspruchsniveau, auf dem die Schüler die jeweilige Kompetenz erreichen sollen. Es werden drei Anforderungsbereiche unterschieden:
- Anforderungsbereich I: Reproduzieren
- Hier geht es um reine Wiedergabe und Anwendung von Begriffen, Sätzen und Verfahren in einem klar abgegrenzten Rahmen, der im Unterricht behandelt wurde.
- Anforderungsbereich II: Zusammenhänge herstellen
- Bekannte, im Unterricht thematisierte Sachverhalte und dort erworbene Kompetenzen sollen miteinander und mit anderen, teilweise unbekannten Gebieten, verknüpft werden.
- Anforderungsbereich III: Verallgemeinern und Reflektieren
- Es gilt in diesem Bereich, exemplarisch erworbene Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verallgemeinern, auf unbekannte Gebiete zu übertragen sowie eine persönliche, kritisch-reflektierende Position zu entwickeln und argumentativ zu vertreten.
Als Richtschnur gilt, dass der Bereich I dann Anwendung findet, wenn eine Tätigkeit in nur einem Schritt hergestellt werden kann. Je komplexer die Art und Weise des Lösungsprozesses, desto höher der Anforderungsbereich.
Den Anforderungsbereichen werden sogenannten Operatoren für das Fach Mathematik zugeordnet.
Dies sind handlungsleitende Verben, die als Schlüsselwörter fachspezifisch im jeweiligen Fachkontext möglichst genau die erwartete Schülerleistung konkretisieren sollen und für Abiturprüfungen verbindlich zu verwenden sind. Sie ersetzen insbesondere W-Fragen.
Die Anforderungsbereiche lassen sich in Beziehung zu den Lernzielebenen und Blooms Taxonomie setzen. Den Lernzielebenen zugeordnete Verben korrelieren mit den Operatoren für das Fach Mathematik, die den einzelnen Anforderungsbereichen zugeordnet werden.
Literatur
- Werner Blum, Christina Drüke-Noe, Ralph Hartung, Olaf Köller (Hrsg.): Bildungsstandards Mathematik: konkret. Sekundarstufe I: Aufgabenbeispiele, Unterrichtsanregungen, Fortbildungsideen. Cornelsen Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-589-22321-9 (hu-berlin.de).
- Rudolf Vom Hofe, Werner Blum, Reinhard Pekrun (Hrsg.): Mathematik heute, Band 1: Kompetenzorientierte Aufgaben und Kommentare (PALMA). Schroedel, Braunschweig 2007, ISBN 978-3-507-83094-3.