Angela Langer

Angela Langer (* 21. Dezember 1884 in Wien als Angela Prager; † 25. Juni 1916 in Neustift im Felde, Niederösterreich) war eine österreichische Schriftstellerin.

Leben

Angela Langer war die uneheliche Tochter der Haushälterin Maria Prager. Sie wurde am 2. Juli 1905 durch den aus Vernířovice (deutsch Wermsdorf), Bezirk Mährisch Schönberg in Mähren abstämmigenen Vermischtwarenhändler und Mehlverschleißer in Langenlois, Bezirk Krems, Anton Langer legitimiert, wodurch ihr der Familienname Langer zukam. Ihre Kindheit und Schulzeit verbrachte sie überwiegend in Langenlois. In den Sommerferien lebte sie wahrscheinlich überwiegend bei ihrer Großmutter Anna Prager, angeblich ein Findelkind und nachweislich Gasthauspächterin in Kottes-Purk, pol. Bez. Zwettl, wo auch ein Mühlenpächter Joseph Prager lebte (* 9. April 1821; † 15. Februar 1861).

Langers Leben bis zum Jahr 1912 beschrieb sie in ihrem 1913 erschienenen autobiografischen Roman Rue and Roses bzw. Stromaufwärts, der das prekäre Leben von Hausangestellten zur damaligen Zeit zum Thema hat – geprägt von „Nachstellungen von Männern, Krankheit, neuem Dienst“. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, hatte 9 Geschwister, verdingte sich nach Abschluss der Volksschule als Dienstmädchen in Krems und Stein an der Donau.

Mangels geeignetem Schreibpapier schrieb sie Gedichte auf Papiertüten, nahm nebenbei in den Abendstunden, sich aus der Küche fortstehlend, bei der Sprachlehrerin Risa de Vall, geb. Hübl, Unterricht in englischer Sprache und lernte Stenografie. 1902 wurde sie von Gymnasiallehrer, Schulrat und Schriftsteller Josef Wichner in Krems unterrichtet. Um 1903 ging sie als Hausdame nach Budapest und kehrte 1904 infolge eines kompromittierenden Erlebnisses mit ihrem Dienstgeber nach Langenlois zurück, um hier eine Gewerbeanmeldung für eine Gemischtwarenhandlung vorzunehmen.

Um 1911 übersiedelte Langer nach London, wo eine Tochter des Schriftstellers und Londoner Auslandskorrespondenten des Berliner Tageblatt, Otto Brandes, sie als Dienstmädchen aufnahm und ihr an der Universität unter anderem eine sprachliche Ausbildung ermöglichte. Sie begann hier, ihren ersten Roman in englischer Sprache zu schreiben. Otto Brandes erwies sich als Mentor und nahm sie als Gesellschafterin seiner jüngsten Tochter mit nach Brüssel. Den Roman ihres eigenen Lebens und Strebens, Stromaufwärts, den sie ursprünglich in englischer Sprache verfasste und unter dem Titel Rue and Roses veröffentlichte, übersetzte sie auch ins Deutsche und ins Französische.

Im Frühjahr 1913, als Mitarbeiterin der Berliner literarischen Zeitschrift Pan, kündigte Langer in ihrem Beitrag Das dichtende Dienstmädchen das Erscheinen ihres Buches Stromaufwärts an. Wenige Wochen später erschien dieser Roman beim Samuel Fischer-Verlag in Berlin.

Im Sommer 1913 kehrte Langer aus Brüssel in ihre Heimat zurück. Ihre Familie war in der Zwischenzeit nach Neustift im Felde 74 bei Kirchberg übersiedelt. Im Winter, nach einem kurzen Aufenthalt in Wien, nahm sie auf einem Bauernhof in Kohlern oberhalb von Bozen eine Stellung als Magd an, um sich inhaltlich auf den geplanten Bauernroman Der Klausenhof vorzubereiten.

Bei Kriegsbeginn plötzlich entlassen, wollte sie als Pflegerin in ein Spital eintreten, wurde aber abgewiesen, da sie keinen Pflegerinnenkursus absolviert hatte. Vor den Pforten des Spitals begegnete ihr die Frau des Oberst von Leuchtenberg, die sie in ihr Haus aufnahm. Der materiellen Sorgen enthoben konnte sich Langer Kenntnisse in Krankenpflege erwerben und leitete längere Zeit als Hausdame ein Sanatorium in Königinhof an der Elbe in Böhmen. Um ihrer schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen zu können, gab sie diese sichere Anstellung jedoch wieder auf.

Ende des Jahres 1915 übersiedelte Langer nach Berlin. Durch den Verleger Samuel Fischer und den Schriftsteller, Kritiker und Lektor Moritz Heimann, dessen Ehefrau Gertraud ihre Freundin wurde, fand sie Zutritt in Berlins literarische Kreise, so bei dem Schriftsteller Gerhart Hauptmann. Auf Wunsch ihrer Verlegers erlernte sie auch die lateinische Sprache. Im Jahr 1916 erschien der Roman Der Klausenhof.

Wegen einer plötzlichen Erkrankung wurde sie auf ihren Wunsch hin in die Heimat zurückgebracht. Angela Langer starb nach wenigen Tagen am 25. Juni 1916 in Neustift im Felde 74, heute Marktgemeinde 3470 Kirchberg am Wagram und wurde auf dem dortigen Friedhof beerdigt.

Ehrungen, Ausstellungen

Angela Langer fand Eingang in die von Edith Blaschitz (Universität für Weiterbildung) und Gregor Kremser (Kulturamt Krems) von April bis November 2021 veranstaltete Ausstellung im Museum Krems mit dem Motto Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems?. In Krems war Langer mehrere Jahre Dienstmädchen und hatte durch ihre dortige Ausbildung den Grundstein zur Schriftstellerin gelegt.

Auf dem Friedhof Kirchberg am Wagram wurde am 18. Mai 2023 von Bürgermeister Franz Aigner im Namen der Marktgemeinde eine Gedenktafel enthüllt.

Im Juni 2025 wurde in Kohlern bei Bozen der Wanderwege sentiero Angela Langer mit einer Gedenktafel eingerichtet. Der Gasthof Klaus und die oberhalb liegende Villa Bittner waren zentrale Orte der Handlung im Roman Der Klausenhof. Die Schriftstellerin Simone Dark trug ein Kapitel aus dem Roman Der Klausenhof vor.

Werke (Auswahl)

Bücher

Gedichte, Erzählungen

Rezensionen (Auswahl)

Über Rue and Roses

Über Stromaufwärts

Über Klausenhof

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Geburtsjahr falsch 1886 anstatt richtig 1884, Todestag falsch 26. anstatt richtig 25. Juni , Jahr des Erscheinens von Stromaufwärts falsch 1903 anstatt richtig 1913. Ebenso in Kosch: Deutsches Literaturlexikon Ausgabe 1956, ÖNB, C-Lesesaal Nr. 598.964, S. 1461, Sp. 2 oben.

Einzelnachweise

  1. ↑ Taufbuch Wien 08., Alser-Vorstadt-Krankenhaus, tomus 01-129/522
  2. ↑ Eintrag vom 29. Jänner 1898 als Anna Brager im Taufbuch der Pfarre Langenlois tomus 01-17/152
  3. ↑ Taufbuch der Pfarre Langenlois tomus 01/11-63
  4. ↑ Sterbebuch der Pfarre Kottes tomus 03/07-105
  5. ↑ Stromaufwärts: Aus einem Frauenleben by Angela Langer. (gutenberg.org [abgerufen am 8. März 2026]).
  6. ↑ Vom Büchertisch. Angela Langer, Stromaufwärts. In: Grazer Tagblatt, 27. April 1913, S. 4 (online bei ANNO).
  7. ↑ Gewerbe-Anmeldungen im polit. Bezirke Krems. In: Oesterreichische Land-Zeitung / Deutschösterreichische Land-Zeitung, 16. September 1905, S. 12 (online bei ANNO).
  8. ↑ Biographie der Angela Langer (1884-1916). (PDF; 0,1 MB) In: Marktgemeinde Kirchberg am Wagram.
  9. 1 2 Josef Wichner: Dem Andenken der jugendlichen Dichterin Angela Langer. In: Oesterreichische Land-Zeitung / Deutschösterreichische Land-Zeitung, 3. Juli 1916, S. 2 (online bei ANNO).
  10. ↑ Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems? In: donau-uni.ac.at.
  11. ↑ Günter Rapp: Erinnerung an Angela Langer. (PDF; 0,1 MB) In: Niederösterreichische Nachrichten, 31. Mai 2023, via kirchberg-wagram.at.
  12. ↑ Angela Langer. In: Heimatforschung Region Kirchberg am Wagram. Abgerufen am 17. Februar 2026.
  13. ↑ Vermischtes. In: Oesterreichische Land-Zeitung / Deutschösterreichische Land-Zeitung, 29. August 1908, S. 21 (online bei ANNO).
  14. ↑ Kölnische Zeitung. 1803-1945 - Sonntag, 09.07.1916 - Deutsches Zeitungsportal.
  15. ↑ Das Blatt der Hausfrau 1890-1944 | Arcanum Zeitungen
Personendaten
NAME Langer, Angela
ALTERNATIVNAMEN Prager, Angela (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG österreichische Schriftstellerin
GEBURTSDATUM 21. Dezember 1884
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 25. Juni 1916
STERBEORT Neustift im Felde