| Film | |
| Titel | Angry Monk – Eine Reise durch Tibet |
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| Originaltitel | Angry Monk – Reflections on Tibet |
| Produktionsland | Schweiz |
| Originalsprache | Englisch, Tibetisch |
| Erscheinungsjahr | 2005 |
| Länge | 97 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Luc Schaedler |
| Drehbuch | Luc Schaedler |
| Produktion | Luc Schaedler |
| Musik | Roland Widmer, Heinz Rohrer, Loten Namling |
| Kamera | Filip Zumbrunn |
| Schnitt | Martin Witz, Kathrin Plüss |
| Besetzung | |
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Angry Monk – Reflections on Tibet (deutscher Verleihtitel: Angry Monk – Eine Reise durch Tibet) ist ein Schweizer Dokumentarfilm von Luc Schaedler aus dem Jahr 2005. Er folgt den Lebensstationen des tibetischen Gelehrten und ehemaligen Mönchs Gendün Chöphel (1903–1951) und verbindet sie mit Bildern aus dem heutigen Tibet. Der Film entstand als Teil einer Dissertation in visueller Anthropologie an der Universität Zürich.
Gendün Chöphel wird 1903 in Amdo geboren, als wiedergeborener Lama anerkannt und im Kloster ausgebildet. Gemeinsam mit dem indischen Gelehrten Rahul Sankrityayan sucht er in tibetischen Klöstern nach alten indischen Handschriften. In den 1930er Jahren verlässt er das Klosterleben und verbringt über ein Jahrzehnt in Indien und Ceylon. Er schreibt Zeitungsberichte, überträgt das Kamasutra ins Tibetische und verfasst mit den Weissen Annalen eine Geschichte Tibets, die nicht auf einer buddhistischen Deutung beruht. Nach seiner Rückkehr nach Lhasa wird er 1947 von der tibetischen Regierung inhaftiert und 1949 freigelassen. Er stirbt 1951, kurz nach dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee.
Der Film ist als Roadmovie angelegt: Die Kamera folgt Gendün Chöphels Wegen durch Tibet und Indien und stellt seinen Aufzeichnungen Bilder aus der Gegenwart gegenüber, etwa betende Pilger neben Bars und Billardtischen in Lhasa. Dazu kommen Interviews mit Zeitzeugen und Wissenschaftlern, Archivaufnahmen, darunter Bilder vom Einmarsch der chinesischen Armee und vom tibetischen Widerstand, sowie Fotografien, Zeichnungen und Texte Gendün Chöphels.
Angry Monk ging aus Schaedlers langjähriger Beschäftigung mit Tibet hervor und war laut unijournal die erste Dissertation an der Universität Zürich, die in Form eines Films abgefasst wurde. Betreut wurde sie von dem Ethnologen Michael Oppitz. Zur Dissertation gehören neben dem Film in vier Sprachfassungen eine Quellendokumentation mit 29 transkribierten Interviews, Übersetzungen von Texten Gendün Chöphels, eine Chronologie und das Drehbuch. Die Arbeit legt damit das Material offen, auf dem der Film beruht, und versteht den Film selbst als konstruierten, subjektiven Text, wie es in der visuellen Anthropologie und im ethnologischen Film üblich ist.
Schaedler wollte dem idealisierten westlichen Tibetbild ein differenzierteres entgegensetzen; Gendün Chöphel diente ihm dabei weniger als Gegenstand einer Biografie denn als «Schlüssel» zum Verständnis Tibets. Gedreht wurde ohne offizielle Genehmigung mit einem Zweierteam aus Schaedler und dem Kameramann Filip Zumbrunn, auf Mini-DV, das später auf 35-mm-Film übertragen wurde. Koproduzenten waren das Schweizer Fernsehen SF DRS und Suissimage.
Der Film kam am 1. September 2005 in die Deutschschweizer Kinos und am 5. April 2006 in die Romandie. In Deutschland startete er am 12. Oktober 2006 (Verleih: Zorro Film). Er lief an Festivals in Vancouver und Busan (2005) sowie 2006 unter anderem an den Solothurner Filmtagen, in Thessaloniki, Singapur, am DOK.fest München, in Melbourne, Auckland und Montréal. Am Sundance Film Festival 2006 lief er im Wettbewerb World Cinema Documentary und wurde für den Grand Jury Prize nominiert.
Johannes Binotto hob im Filmbulletin hervor, dass der Film durch die Gegenüberstellung von Vergangenheit und Gegenwart über eine illustrierte Biografie hinausgehe. Er zeige ein Tibet, das nicht nur Opfer sei, sondern sein Schicksal selbst zu verändern suche: «Solches in harten Bildern klarzustellen, macht den Film so unbequem für den westlichen Blick. Und macht ihn so wichtig.»
Norbert Creutz lobte in Le Temps die «erfrischende Freiheit des Tons» zwischen Reiseeindruck und Biografie, bemängelte aber die visuell wenig ergiebigen Passagen zu den Jahren in Indien und die Grenzen der Mini-DV-Aufnahmen. Das film-dienst bewertete den Film als «diskussionswert».
In der Fachliteratur bezeichnete Mara Matta den Film im Newsletter des International Institute for Asian Studies als weitgehend ausgewogene Darstellung einer umstrittenen Figur, die Tibet als Land mit einer vielschichtigen Geschichte statt als mythisches Shangri-La zeige; sie empfahl ihn auch für die universitäre Lehre. Die Anthropologin Charlene E. Makley nannte ihn in Visual Anthropology eine «meisterhaft geschnittene» Montage mit seltenem Archivmaterial. Zugleich kritisierte sie, der Film betrachte Gendün Chöphel aus einer westlich-säkularen Perspektive, vernachlässige geopolitische Zusammenhänge und seine lebenslange Bindung an den Buddhismus.