Anhua Heicha

Anhua Heicha
Anhua Heicha mit Goldblumenpilz
Typ: Dunkler Tee

Andere Namen: 安化黑茶
Herkunft: Hunan, China

Kurzbeschreibung: leicht süßlich, erdig, rauchig

Temperatur: 95 °C
Anzahl Aufgüsse: 6
Anhua Heicha wird in der Provinz Hunan angebaut

Anhua Heicha (chinesisch 安化黑茶 Ānhuà Hēichá) ist ein aus der Teepflanze Camellia sinensis gewonnener Tee. Er wird traditionell im Kreis Anhua in der zentralchinesischen Provinz Hunan hergestellt. Anhua Heicha wird in Ostasien zu den "dunklen Tees" (Heicha) gezählt in Unterscheidung zu den "roten Tees" (Hongcha), die man in der übrigen Welt als Schwarztee kennt. Heicha-Tees (neben Anhua z. B. noch Guangxi Liubao Cha, Hubei Qing zhuan Cha und Pu-Erh Cha) werden nach der Trockung noch einem ausgedehnten Fermentationsvorgang durch Mikroorganismen unterzogen.

Geschichte und Tradition

Anhua ist ein Kreis in der Umgebung der Stadt Yiyang in Hunan. Die Region hat eine über zweitausendjährige Geschichte im traditionellen Anbau und der Produktion von Heicha. In Mawangdui, einer archäologische Stätte in Hunan, fanden sich Teeutensilien aus der Qin- und Han-Dynastie. Die Teespuren konnten genetisch als Heicha identifiziert werden, was Anhua als ältesten und am besten belegten Fundort in China ausweist.

Ein Dokument aus der Tang-Dynastie aus dem Jahr 856 n. Chr. enthält die früheste Erwähnung des Anhua Heicha. Es beschreibt ein dünnes Stück gepressten Tees, dunkel wie rohes Eisen, aber außergewöhnlich duftend. Im Jahr 1524 wurde unter der Ming-Dynastie das erste Mal beschrieben, wie Anhua Heicha hergestellt wird. Ab 1595 war dieser Tee offizielles Handelsgut im Nordwesten auf dem Weg zur Seidenstraße. Der Anhua Heicha dominierte diesen Markt über Hunderte von Jahren.

2021 lag die Teeanbaufläche im Kreis Anhua bei 24.000 Hektar. Es werden jährlich etwa 85.000 Tonnen Tee verarbeitet. Der Gesamtwert der Produktion beläuft sich auf 23 Milliarden Yuan RMB (etwa 3 Mrd. €) und die jährlichen Steuerzahlungen betragen fast 150 Millionen Yuan RMB (etwa 18 Mio. €). 2022 wurde die traditionellen chinesischen Teeherstellungsmethoden wie die Fermentation zu Heicha als immaterielles Weltkulturerbe von der UNESCO unter Schutz gestellt.

Anbau und Herstellung

Anhua Heicha wird in der Region Yiyang in der Provinz Hunan produziert. Er wird von Teepflanzen gewonnen, die im Yuntai-Gebirge und in Chuqi kultiviert werden. Diese Teesorten sind die Hauptsorten der Region.

Anhua hat ein subtropisches Monsunklima mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 16,2 bis 17,6 Grad Celsius, einer Niederschlagsmenge von 1706 mm, einer frostfreien Periode von 275 Tagen und einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von 1335,8 Stunden. Die Teefarmen liegen zwischen 800 und 1500 m Höhe. Die Böden sind reich an Mineralien, die durch Moränengestein vor Hunderten von Millionen Jahren geliefert wurden.

Die Teeblätter werden nach dem Pflücken in einer Pfanne angeröstet, gerollt und noch warm und feucht in einem kleinen Haufen gestapelt. Dort bleiben sie für 12 bis 24 Stunden zum Fermentieren (Wodui, „nasses Aufschichten“). Nach dem Wodui werden die Blätter zum zweiten Mal gerollt und trocken geröstet. Im nächsten Schritt werden die Blätter erneut gedämpft, um sie geschmeidig zu machen und in Formen pressen zu können. Für Fu-Zhuan-Cha wird der Tee dann zu relativ locker gepressten Ziegeln gepresst (Yā zhuān). Diese wiederum beimpft man im Trockenraum unter kontrollierten Luftfeuchtigkeits- und Temperaturbedingungen mit Sporen von Aspergillus cristatus (Fahua), der als Ursache für die Jinhua („goldene Blüte“) des Anhua Heicha identifiziert wurde. Durch die lockere Pressform der Ziegel hat der Pilz Raum zum Wachsen und Verbreiten. Aspergillus cristatus führt zu einer Vermehrung des Anteils an Polyphenolen im Tee sowie zur Bildung von Zucker. Nach einer schonenden Trockung werden die Teeziegel anschließend jahrelang gelagert, um langsam und natürlich zu fermentieren.

Anhua Heicha wird in viele verschiedene Formen gepresst, wie Säulen ("Qianliang") und vor allem Ziegel (Fuzhuan). Der gepresste Tee bietet mit einer porösen und luftigen Struktur ideale Voraussetzungen für das Wachstum der probiotischen Pilze. Die Menge und Qualität dieser Jinhua zeigen die Qualität des Tees an.

Die Fermentation bewirkt eine Reduzierung des Koffeingehalts, zum Teil durch eine Umwandlung in mildere Stimulanzien wie Theophyllin und Theobromin. Zum anderen verstärkt der Prozess die Wirkung von L-Theanin, die Alpha-Wellen im Gehirn anregen und helfen, sich zugleich entspannt und konzentriert zu fühlen.

Die Erfindung von Shu Pu Erh in den 1970er Jahren erfolgte auf der Grundlage der tausendjährigen Geschichte des Anhua Heicha. Beim Pu-Erh wird das Wodui mindestens 2 Monate durchgeführt, während beim Anhua Heicha der abschließende Fermentationsprozess wesentlich länger dauert. Pu-Erh wird aus Teeblättern der Sorte Yunnan Da Ye Zhong hergestellt. Für Anhua Heicha werden die Sorten Yuntai Da Ye Zhong oder Qun Ti Zhong Xiao Ye Zhong verwendet.

Anhua Heicha 2. Aufguss

Eigenschaften und Zubereitung

Die trockenen Blätter von Anhua Heicha duften sanft süß, oft mit Noten von Trockenfrüchten und einem angenehmen, pilzartigen Duft (Jun hua xiang, „Duft der Pilzblüte“).

Es wird empfohlen die Teeblätter zunächst mit kochendem Wasser kurz zu spülen, um Staub zu entfernen und die Blätter für die Freisetzung der Aromen zu aktivieren. Anschließend wird der Tee entweder im Gaiwan im Gong-Fu-Cha-Stil oder in einer dickwandigen Yixing-Teekanne serviert.

Der Tee in der Tasse erscheint dunkelrot, aber transparent und klar. Er hat eine diskrete Bitterkeit, die sich in einen süßen, subtilen und angenehmen Nachgeschmack verwandelt, und vermittelt ein seidiges Mundgefühl. Der Tee ist ergiebig und ermöglicht im Gong-Fu-Cha-Stil mindestens 10 Aufgüsse.

Literaturhinweise

Einzelnachweise

  1. 1 2 Neldon Hamblin: The Mystery of Chinese Dark Teas: An In-Depth Provincial Tour of Heicha. 10. November 2024, abgerufen am 18. Oktober 2025 (englisch).
  2. 1 2 3 Technical Specifications for Registration of Geographical Indication. Abgerufen am 20. November 2025 (englisch).
  3. ↑ Traditioneller schwarzer Tee aus Anhua ist wegweisend für die Wiederbelebung der Gegend. 31. Januar 2023, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  4. ↑ Traditional tea processing techniques and associated social practices in China. 2022, abgerufen am 19. Oktober 2025 (englisch).
  5. ↑ Yongyi Ge et al.: Comparative genomic and transcriptomic analyses of the Fuzhuan brick tea-fermentation fungus Aspergillus cristatus. In: BMC Genomics. Springer, 7. Juni 2016 (englisch, springer.com [abgerufen am 9. Juli 2026]).
  6. ↑ Fu Zhuan Hei Cha. Abgerufen am 19. Oktober 2025.
  7. 1 2 3 4 Anhua Heicha. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
  8. ↑ Hunan Anhua Dark Tea. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
  9. ↑ Fu Brick Tea Caffeine: A 2025 Guide to Smooth, Mellow Energy "Can a fermented tea give you energy without the crash?" 2. Juni 2025 (englisch).
  10. ↑ Anhua Heicha (Fuzhuan) 2017. Abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
  11. ↑ Everything About Golden Flower Fuzhuan Brick (Heicha) Tea - "Manche Schätze glänzen nicht – manche blühen." 30. Juni 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.