Anisotropie (von altgriechisch ἀν- an- „un-“ [Alpha privativum], ἴσος isos „gleich“ und τρόπος tropos „Drehung, Richtung“) ist die Richtungsabhängigkeit einer Eigenschaft eines Stoffes oder eines Vorgangs. Anisotropie ist das Gegenteil von Isotropie. Der Begriff wird in diesem Sinn in der Physik (z. B. Strahlung, Magnetismus, Ausbreitungsgeschwindigkeit von Erdbebenwellen), Materialwissenschaft, Kristallographie und Mathematik auf jeweils unterschiedliche Eigenschaften der betrachteten Systeme angewandt.
Es geht um die Verbindung der folgenden Größen:
In isotropen Materialien sind die elektromagnetischen Eigenschaften in allen Richtungen gleich. Die Größen und sowie und werden jeweils durch einen skalaren Faktor miteinander verbunden:
In anisotropen Materialien hängen die elektromagnetischen Eigenschaften von der Richtung ab. Die Größen und sowie und werden jeweils durch einen Tensor 2. Stufe (eine 3 × 3 Matrix) miteinander verbunden. Dieser Tensor beschreibt die Richtungsabhängigkeiten:
Bianisotropie ist eine Verallgemeinerung der Anisotropie. In bianisotropen Materialien hängen die elektromagnetischen Eigenschaften nicht nur von der Richtung ab, sondern elektrische und magnetische Feldstärken sind auch voneinander abhängig und beeinflussen gemeinsam die elektrischen und magnetischen Flussdichten. Elektrische und magnetische Flussdichte können nun nicht mehr getrennt betrachtet werden, sondern sind gemeinsam über vier 3 × 3 Matrizen mit der elektrischen und magnetischen Feldstärke verbunden: